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Experte bei „Hart aber fair“: Sparen lohnt sich nicht mehr

22.03.2016 | 05:30 Uhr
Experte bei „Hart aber fair“: Sparen lohnt sich nicht mehr
Michael Opoczynski bei "hart aber fair" in der ARD. Der ehemalige WiSo-Chef hat eine klare Meinung zum Nullzins der EZB. Foto: imago stock&people

Berlin.  In „Hart aber fair“ wollte Frank Plasberg über die Nullzinspolitik reden. Seine Runde verhedderte sich prompt – mit zwei Ausnahmen.

75 Minuten zur These: Zocker belohnen – Sparer bestrafen. Plasbergs „Hart aber fair“-Runde wollte in der ARD über die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank und die Nöte der Rentner diskutieren.

Erster Pluspunkt für die Talk-Macher: Endlich ein Themenwechsel. Das Flüchtlingskrisen-Monopol hat schon unsere Geduld ruiniert. Reden wir lieber mal zur Abwechselung übers Geld! Zweiter Pluspunkt für das Team: Die gesammelten Statements in einer Bank im rheinischen Mettmann. Sie trafen den Nerv.

Was sollen wir tun – jetzt, wo der Negativzins droht? Alles im Garten vergraben? Die einen also wollen „alles in die Wohnung stecken“, die anderen in den Sparstrumpf tun. Die beste Antwort, die allen Ärger zusammenfasste, war eine lange, aber simple Gegenfrage, eine einzige Anklage: „Wenn ich mir einen Kredit aufnehme, um etwas zu kaufen, muss ich Geld bezahlen. Wenn ich den Dispo überziehe, muss ich richtig in die Tasche greifen. Ich zahle Kontoführungsgebühren. Und wenn ich jetzt für meine Einlage auch noch bezahlen soll, dann frage ich mich, an welcher Stelle ich mich denn verarscht fühlen darf?“

Ein zu voll bepacktes Thema

Vielleicht hätte Frank Plasberg an dieser Stelle die Sendung abkürzen können. Der Rest ist ihm – leider – entglitten. Das lag an dem zu voll bepackten Thema: Die Nöte der künftigen Rentner, die für ihre Alterssicherung sparen und jetzt, Inflation inbegriffen, vielleicht Geld verlieren. Die vermeintliche Schmierigkeit bankeigener Anlageberater arglosen Kunden gegenüber. Die Pläne Wolfgang Schäubles und seiner europäischen Kollegen, das Bargeld abschaffen zu wollen. Die Banken, die zwar Firmen nicht finanzieren wollen, diesen aber Pakete schnüren, mit denen Pleitegeier Investoren hereinlegen.

Am Ende noch: Die ganze Welt, die mit 70 Billionen Dollar in der Kreide heillos überschuldet ist. So ein großer und unzusammenhängender Mix, kombiniert mit Schnellsprech bei den Talk-Teilnehmern, konnte Betroffene vor ohnehin chronisch akustikschwachen Flachbildschirmen nur irritieren.

Wiso-Chef Opoczynski redete Klartext

Zwei Mitmacher haben dennoch Preise für den Abend verdient: Man muss bestimmt nicht ihre Ideologie teilen. Aber die Linke Sahra Wagenknecht redete wenigstens so, dass die Zuschauer sie verstanden haben. „Es gibt einen Anspruch auf Werteerhalt“, sagte sie, „die gesetzliche Rente darf nicht zerstört werden“. Sie fordert, typisch Sozialistin, das gesetzliche Eingreifen des Staates. Jetzt, wo vor allem die Zusatzrente noch wackliger als sonst ist.

Michael Opoczynski, der ehemalige Wiso-Chef, ist dagegen für seinen entwaffnenden Klartext zu loben. „Es lohnt sich nicht zu sparen oder eine Lebensversicherung einzugehen“, stellte er fest, „der Sinn des Sparens ist vorbei. Es gibt keine sinnvollen Verträge, die Rendite bringen“.

Im Prinzip hilft seine Antwort den Zuschauern natürlich nicht weiter. Sie stellt keine Lösung für das akute Problem mit der Altersvorsorge dar. Aber sie warnt ihn – und die anderen haben auch keine bessere Empfehlung für einen Ausweg aus der Null-Prozent-Zins-Misere zur Hand. Selbst Michael Kemmer vom Bankenverband hatte die nicht.

Er war übrigens der Mann, der uns an diesem Abend am meisten leid getan hat. Denn im folgenden Streit um die Probleme der provisionsabhängigen Beratung bei der Anlage konnte er nur verlieren. Ex-Investmentbanker wie Rainer Voss, der zugeschaltete Fachanwalt Klaus Nieding und auch Opoczynski griffen ihnen mit konkreten Beispielen aus der Praxis an.

„Nicht alles schwarze Schafe“

Sie erzählten von offenbar klugen Bankmitarbeitern, die ihre ohne Zeugen angereiste Kundschaft mit Fünf-sechs-acht-Prozent-Renditeversprechen über den Tisch ziehen. Von renditeträchtigen Investitionen im Interesse des Klimaschutzes und von der rotglänzenden BayernCard, die bei 0,08 Prozent Zins aber nur rentabel wird, wenn der gleichnamige FC Tore schießt. Wie sollte Kemmer, selbst Fan des Noch-Guardiola-Clubs, da parieren? „Nicht alles schwarze Schafe“ seien im Gewerbe unterwegs, machte er deutlich und wurde dabei immerhin vom Finanzexperten der Union im Bundestag unterstützt. Aber als Verbandsvertreter auf Sünden einzelner Mitglieder einzugehen? Das geht in diesem Job überhaupt nicht.

Kemmer sagte übrigens zum Schluss, dass er sein Geld am liebsten bei Frau Wagenknecht anlegen würde. Weil: Sie weiß nämlich alles immer besser.

Dietmar Seher

Kommentare
23.03.2016
17:59
Experte bei „Hart aber fair“: Sparen lohnt sich nicht mehr
von wimmel | #26

Schaffen wir das Girokonto wieder ab, führen wir wieder den Bargeldzahlungsverkehr ein, lassen uns das Gehalt in Bar auszahlen und bezahlen wir unsere...
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1 Antwort
Experte bei „Hart aber fair“: Sparen lohnt sich nicht mehr
von Jorgel | #26-1

Versuchen sie mal ihre Miete beim Vermieter mit Bargeld zu bezahlen oder ihre Stromrechnung und alle anderen Rechnungen die anfallen. Es blieben ihnen nur Bargeldüberweisungen übrig - und die wären bei der Vielzahl der Rechnungen, die jeder derzeit per Lastschrift, Dauerauftrag oder Überweisung von seinem Konto bezahlt, teurer wie jede Girokonto-Gebühr...

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2016-03-22 05:30
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