Erol Sander in „Mordkommission Istanbul“: nett, aber behäbig

Noch ein Anzugtyp: Erol Sander (l., mit Turgay Dogan) begutachtet die Wasserleiche.
Noch ein Anzugtyp: Erol Sander (l., mit Turgay Dogan) begutachtet die Wasserleiche.
Foto: ARD Degeto/Gülnur Kiliç
Was wir bereits wissen
Der türkisch-deutsche Schauspieler Erol Sander sieht gut aus, ist nett, er verkörpert den ewigen Charmeur. Nur: Sind das etwa Eigenschaften eines Fernsehpolizisten?

Essen.. Der Mann ist einfach nett, sogar zu Ganoven. Wenn Erol Sander als Mehmet Özakin einen Verdächtigen zur Strecke bringt, ist sein Hemd auch nach dem Kampf blütenweiß: Der Angreifer flüchtet durchs Treppenhaus, Özakin greift zum Feuerlöscher, wirft ihn dem Mann hinterher, es schäumt, der Böse rutscht aus und lässt sich widerstandslos festnehmen...

Dieser Mehmet Özakin ist auch auf Verbrecherjagd ein ewig smarter Gentleman. Das Problem ist: Will man einem Fernsehpolizisten zusehen, der zwar richtig nett ist, aber charismatisch wie ein Katalogmodel für Herrenanzüge?

Die Masche der Betrügerklingt sehr nach Enkeltrick

„Der Broker vom Bosporus“ heißt der neue Fall der „Mordkommission Istanbul“, Özakin und sein Assi Mustafa Tombul (Oscar Ortega Sánchez) ermitteln in einer durchaus relevanten Angelegenheit. Der erste Schauplatz des Films ist die belebte Galatabrücke – Istanbul wird wie stets von seiner besten Seite gezeigt, blauer Himmel, glitzerndes Meer, ein Häusermeer in warmen, leicht verwitterten Farben. Unter dieser Brücke also finden Angler eine im Wasser treibende Männerleiche. Wer war der Tote im Designeranzug? Auf den Zeitungsaufruf der Polizei meldet sich Türkischlehrerin Selin (Sophie Dal). Ergan Gül war ihr Schüler in der Sprachschule, ein in Deutschland aufgewachsener Türke. Nur, wieso verschweigt sie, dass er auch ihr Freund war?

ARD-Krimi Die Ermittlungen führen die Polizisten in ein Hinterzimmer – von dort zocken halbseidene Callcenter-Menschen arme deutsche Rentner ab. Die Masche geht so: Skrupellose, psychologisch geschickte Betrüger rufen bei älteren Leuten an und überreden sie, getürkte Wertpapiere zu kaufen. Klingt nach Enkeltrick und Co., und das ist wohl auch beabsichtigt.

Damit die Zuschauer auch alles verstehen, fasst Özakin das Geschehen in einem Gespräch mit der Staatsanwältin plakativ zusammen: „Er sitzt in ‘nem Sozialbau in Istanbul, und sein Gegenüber glaubt, er telefoniert mit einem Broker in Manhattan.“ Der Kommissar ist sich sicher: „Dahinter steckt eine weitverzweigte Callcenter-Mafia, die sicher auch nicht vor Mord zurückschreckt.“ Anweisung der Staatsanwältin: „Finden Sie die Hintermänner!“

Quotenstarke Reihe

„Mordkommission Istanbul“ ist eine quotenstarke, durchaus hochwertig produzierte Reihe: Bekannte Schauspieler, viele Außenaufnahmen an Originalschauplätzen – das Team wohnt während des Drehs wochenlang in der Türkei im Hotel. Billig sieht anders aus.

Für die zwölfte Folge hat die ARD mit Thomas Jauch zudem einen echten Krimispezialisten als Regisseur verpflichtet – der hat von Schimanski bis „Notruf Hafenkante“ schon viele Ermittler in Szene gesetzt. Ein Mann also, der weiß, wie Spannung geht. Leider merkt man der neuen Episode davon nichts an – Handlung, Charaktere, sogar die Tonspur, alles kommt behäbig daher. Ein bisschen Dynamik täte dem Film gut. Ein Krimi für Leute, denen der „Tatort“ schon zu aufregend ist.

Fazit: Wahrlich keine Krimiperle. Aber Istanbul und Erol Sander sind echt schön.

ARD, Donnerstag, 14. Mai, 20.15 Uhr