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Psychologie

Einmal Biene Maja sein ist gut für die Seele

15.02.2010 | 07:19 Uhr
Einmal Biene Maja sein ist gut für die Seele

Essen.In diesen Zeiten gibt es nicht nur Menschen, die sich in Pinguine, Mönche oder Raubritter verwandeln. Es gibt auch Menschen, die denen einen Vogel zeigen, die sich mit Krönchen als „Eure Hoheit” ansprechen lassen. Komplett bekloppt? Von wegen. Psychologen sind davon überzeugt, dass die Kostümierung genau das Gegenteil bewirkt.

Schlichte Verkleidung

„Die Möglichkeit, in eine andere Rolle zu schlüpfen, ist rein psychologisch etwas sehr Gesundes”, sagt Karnevals-Experte und Kinderpsychologe Wolfgang Oelsner aus Köln. Weil das Rollenspiel weit über eine schlichte Verkleidung hinausgehe. Wer sonst braver Bank-Angestellter ist und dann plötzlich als Colt schwingender Cowboy aufkreuzt, verändere nicht nur sein Äußeres.

Oelsner: „Wir bewegen uns anders, wir haben eine andere Stimme.” Man kennt sich selbst nicht wieder. „Und, ganz wichtig, wir gehen ganz anders auf andere Menschen zu.” Das Allerwichtigste aber seien die anderen: „Wie reagieren die auf meinen Cowboy?”

Die Verkleidung lässt der Seele neuen Raum. Was gerade für gestandene Herrschaften ein Segen sei. „Irgendwann im Leben entscheidet man sich eben dafür, wie man ist. Und legt sich fest.” 99 Prozent des Verhaltens erfolge nach bereits bekannten Mustern. Aber irgendwo in uns schlummern wohl noch ein paar Facetten, die nie ans Licht kommen. „Kinder spielen täglich. Wir aber spielen gar nicht mehr.”

Und wenn, dann immer nur Pirat oder Frankenstein, was soll denn daran gut sein? „Oh, das ist ein Irrtum. Es gibt auch Fantasiekostüme. Oder man schlüpft in die Rolle von Medienfiguren.” Und schon sprechen wir von der therapeutischen Qualität einer Paris Hilton, eines Guido Westerwelle? „Sagen wir so: Es schadet der Seele nicht.”

Natürlich klingt das den Skeptikern wieder viel zu küchenpsychologisch. Die Vorwürfe kennt der Psychologe schon. Aber die Seele ist wie der ganze Mensch – bisweilen ganz schön einfach gestrickt. Und deshalb bleibt der Fachmann dabei: Wer die Kostümierung als puren Mumpitz abtue, laufe Gefahr, „eng und, ja, verbiestert zu werden”.

Wichtig allerdings sei zu erkennen, dass der Klamauk nur dann die Seele stützt, wenn er begrenzt ist. „Nur der ständige Wechsel von Normalität und Ausnahme führt zum seelischen Gleichgewicht.” Wer das nicht begreift, wer den Hokuspokus als Dauerzustand versteht, tut nichts Gutes, „sondern geht einzig und allein anderen auf den Keks”. Symptom Betriebsnudel – Gefahr für die Seele.

Wolfgang Oelsner: „Fest der Sehnsüchte – Warum Menschen Karneval brauchen – Psychologie, Kultur und Unkultur des Narrenfestes“, Marzellen-Verlag, 19.90 Euro.

Petra Koruhn

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