Eine Chance für den Zuschauer
11.01.2009 | 08:56 Uhr 2009-01-11T08:56:00+0100
Essen. Vor 25 Jahren wurde die deutsche Fernsehlandschaft gründlich umgewälzt. Als zweiter Privatsender (nach Sat.1) ging RTL auf Sendung und sorgte mit bunten Krawallshows und eingekauften US-Serien für steigende Quoten. Zum Geburtstag feiert sich der Sender doppelt.
„Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.” Das sagte einst Helmut Thoma, der bis 1998 RTL-Geschäftsführer war. Unter seiner Regie fiel am 2. Januar 1984 in Luxemburg der Startschuss für RTL, ausgerechnet mit einer Nachrichtensendung! „RTL plus” konnten damals mit Hausantenne nur 200 000 Haushalte empfangen. Ab 1988 gab es RTL via Kabel für alle – und alle wollten den viel belächelten Sender haben, der laut Thoma „am Anfang kühn, aber erfrischend” war.
In „7 vor 7” moderierten Hans Meiser und Geert Müller-Gerbes in bunten Strickpullis die Nachrichten, anschließend konnte man im ZDF nachschauen, was bei RTL wieder falsch gelaufen war. Heute sind solche Peinlichkeiten passé. Peter Kloeppels „RTL aktuell” wird gar von Kritikern gelobt.
Allein die Quote entscheidet
Dennoch stand und steht RTL gänzlich für ein Ziel: Unterhaltung. Gesendet wird, was dem Zuschauer gefällt. Allein die Quote entscheidet. Mit Serien-Einkäufen in den USA eroberte der Sender treue, junge und damit werberelevante Zuschauer. Erinnern Sie sich an „Beverly Hills 90210”? Oder an „Knight Rider”?
Tutti Frutti
Mit einem gewissen Anarcho-Charme folgten eigenproduzierte Serien. Für Aufregung sorgte das barbusige Früchtchen-Ballett in Hugo Egon Balders „Tutti Frutti” oder dessen Tortenwurf-Orgien in „Alles Nichts Oder?” Mit Linda de Mols „Traumhochzeit” und Erika Bergers Erotik-Telefonberatung „Eine Chance für die Liebe” wurde Allerprivatestes im Fernsehen gezeigt – gemessen an heutigen Seelenstriptease-Formaten war das brav-biedermeierlich.
Trotz aller Kritik – RTLs Experimentierfreude brachte dem deutschen Zuschauer viel. Mit „Gute Zeiten – schlechte Zeiten” wurde die erste tägliche Soap begründet, „Wer wird Millionär?” löste den Quizboom aus. Mit „RTL Samstag Nacht” hielt die Comedy Einzug in viele Wohnzimmer. Heute fällt der Quoten-Kampf auch dem Privat-Platzhirschen schwer. Nur 11,8 Prozent der Zuschauer schauen die Nummer vier der beliebtesten Sender. Und dennoch garantiert RTL nach einem Vierteljahrhundert: Beständigkeit in Sachen Skandal, Trends und Innovationen.
11:43
25 Jahre Privatfernsehen scheinen an ihrer Redakteurin Susanne Schild nicht spur- und schadlos vorübergezogen zu sein. Anders lässt sich nicht erklären, dass diese ein fast schon peinlich anmutendes Hochlied auf RTL anstimmt und selbst in ihrem Kommentar jeden Ansatz von Kritik an den seichten, oft sinnentleerten und manchmal – Stichwort: DSDS, Big Brother und Dschungelcamp - gar menschenverachtenden Programmen der privaten Fernsehanbieter vermissen lässt. Altkanzler Helmut Schmidt sollte mit seiner aus dem Jahr 1979 stammenden Äußerung, die Einführung des Privatfernsehens werde für Deutschland schlimmere Folgen haben als die Nutzung der Kernenergie, Recht behalten. Viele Fernsehkonsumenten scheinen mittlerweile geistig so verstrahlt zu sein, dass sie gar nicht mehr mitbekommen, welcher Schwachsinn ihnen Tag für Tag, Abend für Abend vorgesetzt wird. „Brot und Spiele“, so lautete schon bei den Römern das Motto. Heutzutage sind an deren Stelle das (Privat-)Fernsehen und das Internet getreten.
22:57
Peter Scholl-Latour hat einmal gesagt : die Presse -u. Meinungsfreiheit in den sog, freien ,westlichen Gesellschaften ist die Freiheit der reichsten 1000 Leute in diesen Gesellschaften das in Ihren Medien zu sagen was sie für richtig halten.
Wo er recht hat ,hat er Recht.
20:42
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17:14
Den Wert eines Mediums kann man messen, an dem was gesendet wurde - und insbesondere daran, was nicht gesendet wurde.
15:31
Mir schon klar, dass Privatisierung nicht in allen politischen Kreisen gut ankomt. Und ein politisch kontollierbares Staatsfernsehen hat auch immer schon seine Vorteile gehabt. Gerade im Kampf gegen die Volksverdummung. Aber was will man machen? Die Weichen sind nun mal anders gestellt worden.
15:20
@alter_Schwede
Mach ich. Und ich ich bin dabei auch viel beruhigter, wenn ich weiß, dass es Leute wie dich gibt, die sich Gedanken darüber machen, wo die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit liegen und welche Sender und Programme verboten weden sollten.
15:18
Das ist halt mal das Bildungsniveau derer, die hier ansonsten stets rechte bis braune Thesen verbreiten.
14:39
Nichts hat Deutschland in den letzten 25 Jahren mehr zum Positiven Verändert als die Beseitigung des öffentlich-rechtlichen TV-Monopols. Die privaten Sendergruppen haben frischen Wind in die bis dahin recht spießige (Medien-)Landschaft gebracht und für einer nie dagewesene Programmvielfalt gesorgt. Heute ist das Angebot an guten Informations- und Unterhaltungssendungen hier in Deutschland beeindruckend und sucht weltweit Seinesgleichen. Das Comedy-Programm der Privaten hat den Humor in Deutschland nachhaltig geprägt und auch das Politik-Angebot von ntv und N24 lässt das oberflächliche Gequatsche in den öffentlich-rechtlichen Polit-Talksendungen weit hinter sich.
Ich möchte hiermit meine große Freude über diese Entwicklung zum Ausdruck bringen und Danke sagen.
14:11
Die Verdummung und Desorientierung der Bürger ist das Programm der Privaten. Von N24 und n-tv mal abgesehen. Die Privaten prägten auch den Verfall des Wertesystems. Primitivität ist Programm.
Das Fatale: Da allein die Einschaltquote zum Maßstab der Programmqualität erhoben wurde, hatte das auch eine Verflachung der Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zur Folge. Bildungsfernsehen und brisante politische Magazine wurden rapide gekürzt und auf die späten Abend- und Nachstunden verlegt.
Dabei soll aber die Perle des öffentlich-rechtlichen Systems, der Sender PHÖNIX nicht unerwähnt bleiben.
14:03
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