Ein Bulle sieht schwarz – Król verlässt Frankfurter "Tatort"

Hat im "Tatort" aus Frankfurt als Kriminalhauptkommissar Frank Steier seinen letzten Auftritt: Joachim Król.
Hat im "Tatort" aus Frankfurt als Kriminalhauptkommissar Frank Steier seinen letzten Auftritt: Joachim Król.
Foto: Bettina Müller/HR/Degeto
Mit Nina Kunzendorf war Joachim Król ein Dream-Team. Nach ihrem Ausstieg schrumpfte der Frankfurter "Tatort" zu solidem Standard. Dennoch lohnt der letzte Fall. Mit dabei: Armin Rohde.

Frankfurt.. Was schiefen gehen kann, geht schief. So lautet Murphys Gesetz. Der Frankfurter Tatort "Das Haus am Ende der Straße" illustriert es mit einer Kette von Pleiten, Pech und Pannen. Joachim Króls letzter Auftritt als Depri-Bulle Frank Steier ist ein Krimi-Blues.

Eine Routine-Befragung gerät zur Katastrophe: Es kommt zu einer Schießerei, ein Mädchen stirbt. Es kommt für Steier noch dicker: Er kennt zwar den Todesschützen. Doch verurteilt wird der junge Täter Nico (Maik Rogge) nicht. Steiers Alkohol-Problem macht den Fahnder als Zeugen unglaubwürdig.

Dass Recht und Gerechtigkeit zweierlei Dinge sind, gilt als Binse. Doch Steier zieht persönliche Konsequenzen: Ein Bulle sieht schwarz. Kommissar Kaputtnik wirft entnervt hin, will wieder – ironische Verbeugung vor einem Werbeplakat – „Held in seinem eigenen Film“ werden. Das klingt nach einem „Bad Lieutenant“ mit schmutzigen Rache-Fantasien. Es soll anders kommen.

Armin Rohde mischt kräftig mit

Mit unerbittlicher Konsequenz drehen Regisseur Sebastian Marka sowie das Drehbuch-Duo Erol Yesilkaya und Michael Proehl das Rad der Katastrophen weiter. Nico, sein kleiner Bruder Robin (Vincent Krüger) und seine Drogen-Freundin Lisa (Janina Schauer) erweisen sich als Trio infernal. Bei einem gemeinsamen Einbruch wird der Hausbesitzer getötet.

Beobachtet werden sie von Nachbar Poller (grandios zwischen Sadismus und Fürsorglichkeit: Armin Rohde). Er setzt das Trio im Keller seines Hauses fest, Steier inbegriffen, weil Poller ihm nicht abnimmt, zufällig zum Tatort gekommen zu sein.

Poller ist, wie Steier, ehemaliger Polizist. Der Verlust seines drogenkranken Sohns – Schuldgefühle inklusive – warf ihn aus der Bahn. Doch aus Poller will wieder „Held in seinem eigenen Film“ werden – in einer komplett anderen Version als Steier.

Steiers letzter Fall wird zum Duell zweier Verlierer

So wird Steiers letzter Fall zum Duell zweier Verlierer, die an allem zweifeln: an sich selbst, an ihrem Beruf und nicht zuletzt an der ganzen Welt. Der Krimi ist ein Kammerspiel mit Schauspielern, die alles geben, weil sie in drangvoller Enge alles geben müssen.

Konsequenterweise ist die Kamera von Armin Alker stets nah dran. Ebenfalls konsequent ist die düstere Farbgebung des Krimis noir, der durchweg die hässliche Seite der vielerorts glänzenden Finanzmetropole Bankfurt zeigt.

Damit der Sonntagabend nicht in kollektiver Traumatisierung des "Tatort"-Publikums endet, entpuppt sich der Krimi, der anfänglich von der Rache der Entnervten erzählt, letztlich doch als Ballade von der moralischen Verantwortung. Steier entsagt dem Alkohol, und zugleich beginnt er, den Schaden in fast aussichtloser Situation zu begrenzen.

Nina Kunzendorf fehlt an allen Ecken und Kanten

Am Ende wird der Cop, der niemals lachte und den keiner mochte, von seinen Kollegen ordnungsgemäß verabschiedet. Er wird in seine eigene Abschiedsparty genötigt. Seine Kollegen tragen Steier-Masken. Die starke Szene wird mit galligem Humor aufgelöst. Steier scheitert mit Würde.

Was bleibt? Gemeinsam mit Nina Kunzendorf (43) war Joachim Król (57) als "Tatort"-Duo kaum zu schlagen. Als Conny May zog sie den selbstmitleidigen Menschenfeind Steier mit handfestem Straßen-Charme ins Leben zurück. Doch nach Kunzendorfs Ausstieg schrumpften die Krimis aus Mainhattan zu solidem Standard.

Fazit: In Frankfurt nichts Neues, aber Ensemble spitze.

Sonntag, 22. Februar, 20.15 Uhr, ARD

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