"DSDS"-Jurorin Mandy Capristo: "Ich will niemanden fertig machen"

Mandy Capristo wechselt die Seiten: Acht Jahre nach ihrem Durchbruch mit der "Popstars"-Band Monrose sitzt die Sängerin jetzt in der Jury der neuen Staffel der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar". Wie groß die Angst vor Chef-Juror Dieter Bohlen war, erklärt sie im Interview.

Mit der "Popstars"-Band Monrose ("Temptation") gelang Mandy Capristo (24, "Grace") 2006 der große Durchbruch, jetzt kehrt die Sängerin zu ihren Castingshow-Wurzeln zurück. Ab dem 7. Januar ist sie an der Seite von DJ Antoine, Heino und Pop-Titan Dieter Bohlen in der Jury der neuen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (danach immer samstags, RTL, 20.15 Uhr) zu sehen. Wie sehr sie mit den Kandidaten mitfiebert, wie die Stimmung in der Jury ist und warum vielen Casting-Gewinnern heute die große Karriere verwehrt bleibt, erklärt sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.


Liebe Frau Capristo, hatten Sie lange überlegt, bevor Sie den Juror-Job bei "DSDS" angenommen haben?


Mandy Capristo: Ehrlich gesagt, ja. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, möchte ich jemanden bewerten? Bin ich wirklich bereit, jemand völlig Fremden zu beurteilen? Die Jahre zuvor habe ich mich bei diesem Gedanken nicht wohl gefühlt. Ich habe mich aus dem Bauch heraus dafür entschieden. Es fühlt sich für mich richtig an und ich glaube, dass es sehr viel Spaß machen wird. Zudem nehme ich gerne Jobs an, die ein bisschen Abwechslung mit sich bringen.


Die Castings sind vorbei, zum Recall ging es an die Traumstrände Thailands - wie lautet Ihr erstes Fazit zu "DSDS"?


Capristo: Ich darf zwar noch nicht zu viel verraten, aber es war eine ganz tolle Erfahrung. Ich habe viele tolle Stimmen gehört und charmante Persönlichkeiten kennen gelernt. Allein wegen der Kandidaten und der Locations wird es sicherlich eine ganz tolle Sendung. Lassen Sie sich überraschen.


Wie ist denn so die Stimmung in der Jury?


Capristo: Es war von Anfang an erstaunlich harmonisch. Wir versuchen nicht, uns gegenseitig fertigzumachen. Wir gehen sehr respektvoll miteinander um und geben unser Bestes, um den Talenten wirklich zu helfen. Ich bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch und empfinde die Zusammenarbeit als sehr angenehm.


Mit wem verstehen Sie sich am besten?


Capristo: Das kann ich wirklich nicht sagen. Ich finde alle auf ihre Art und Weise super charmant. Wir haben sehr viel Spaß miteinander.


Einige Juroren sind in der Vergangenheit mit Dieter Bohlen aneinander geraten. Wie haben Sie den Pop-Titan erlebt?


Capristo: Wir sind gar nicht aneinander geraten. Viele hatten mich zu Beginn gefragt, ob ich Angst vor ihm hätte. Die hatte ich überhaupt nicht. Wir haben uns wirklich enorm gut verstanden. Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich nicht verstellen werde. Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch und wenn ich mir eine Meinung gebildet habe, bleibe ich auch dabei. Ich fand es total spannend zu sehen, wie die anderen Kollegen mit diesem Job umgehen. Es war alles total entspannt und wir haben uns oft miteinander kaputt gelacht. Schließlich gab es auch wieder den ein oder anderen Quatschkopf beim Casting.


Haben Sie diese Quatschköpfe genervt?


Capristo: Nein. Natürlich hofft man anfangs darauf, nur Talente zu Gesicht zu bekommen. Aber wenn man den ganzen Tag dort sitzt, ist es total erfrischend, wenn zwischendrin mal ein Quatschkopf hereinschneit. Das lockert die Stimmung auf und es ist angenehm, einmal nicht die Stimme bewerten zu müssen. Es gab sehr viele Kandidaten, die eine Mega-Stimme hatten, denen aber das Gesamtpaket fehlte.


Das heißt, Stimme alleine reicht nicht?


Capristo: Zu Beginn habe ich immer betont, dass ich die beste Stimme Deutschlands suche. Aber das hat sich mit der Zeit gewandelt. Klar höre ich als Sängerin in erster Linie auf die Stimme. Aber ich habe gelernt, dass auch das Gesamtpaket stimmen muss. Wenn du so viele Kandidaten bewertest, bleiben dir natürlich die Ausgefallenen im Kopf. Am Abend erinnert man sich nicht unbedingt mehr an den Kandidaten, der schön gesungen hat, sondern der uns total zum Lachen gebracht hat.


Wie sehr leiden Sie mit den Kandidaten mit, sind Sie nah am Wasser gebaut?


Capristo: Wenn man von unzähligen Kameras beobachtet wird, überlegt man es sich dreimal, ob man jetzt in Tränen ausbricht oder nicht. Aber natürlich sind auch mir die Tränen gekommen. Wenn man so viel Zeit mit den Kandidaten verbringt, fühlt man natürlich mit. Ich weiß schließlich selbst, wie es sich anfühlt, da vorne zu stehen und kann mich sehr gut in die Kandidaten hineinversetzen. Deshalb habe ich mir immer genau überlegt, wie ich was formuliere. Ich wollte niemandem mit einem schlechten Gefühl nach Hause schicken. Ich bin da, um zu helfen und nicht, um jemanden fertig zu machen.


Bedauern Sie es, dass es in dieser Staffel keine Live-Shows mehr geben wird?


Capristo: Überhaupt nicht. Die Live-Shows kennt man ja jetzt zur Genüge. Jeder weiß, was passiert, es ist immer dasselbe. In dieser Staffel werden die Kandidaten auf außergewöhnlichen Bühnen stehen, auf denen schon Stars wie Kylie Minogue performt haben. So eine Möglichkeit werden die Kandidaten nie wieder bekommen, außer sie werden zu absoluten Weltstars. Das ist ein absoluter Mehrwert für die Sendung und ich freue mich total darauf.


Im vergangenen Jahr wurde Aneta zum Superstar gekürt, ihre Karriere plätschert jedoch so vor sich hin. Warum verschwinden so viele Casting-Gewinner wieder in der Versenkung?


Capristo: Es gibt heute enorm viele Casting-Shows. Als wir mit Monrose durchgestartet sind, war der Markt noch nicht so übersättigt, zudem hat man sehr darauf geachtet, dass aus uns keine Eintagsfliegen werden. Aber in erster Linie liegt der Erfolg in der Hand des Künstlers. Viele Gewinner denken, nur weil sie jetzt die Sendung gewonnen haben, bleiben sie für immer Superstar. Aber genau da fängt erst die harte Arbeit an. Das unterschätzen die Leute. Ich habe mit Monrose damals so hart gearbeitet, dass mir schwindlig wurde. Wir hatten kaum Schlaf, kein Privatleben. Der Weg zum Erfolg war steinig und wenig glamourös. Wenn du keine Disziplin hast und nicht an dich glaubst, wirst du untergehen, bevor es angefangen hat.


Würden Sie rückblickend alles genauso machen?


Capristo: Ich würde gar nichts anders machen in meinem Leben. Ich war damals 16 und bin vom Land direkt ins Haifischbecken geschmissen worden. Klar habe ich da den einen oder anderen Schock erlebt. Es gab viele harte Momente, die ich mir damals anders vorgestellt habe, aber das gehört dazu. Der liebe Gott hat mir ganz tolle Erfahrungen geschenkt und mich hierhin in meinem Leben gebracht. Ich bin sehr dankbar für alles, auch wenn es keine einfache Jugend war. Das Einzige, was ich vielleicht ändern würde, wäre mir gewisse Dinge nicht mehr so zu Herzen nehmen. Das mache ich heute auch noch. Ich bin Halb-Italienerin und ein sehr emotionaler und leidenschaftlicher Mensch. Manchmal wäre ich gerne eine richtig kalte, abgebrühte Frau, dann würden mir manche Dinge nicht zu nahe gehen.