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Drei Tote und viele offenen Fragen

12.02.2012 | 17:07 Uhr

Essen   Mit "Vater, Mutter, Mörder" zeigt das ZDF am Montagabend einen atmosphärisch dichten, gut besetzten Film, der versucht zu ergründen, was mit Betroffenen nach einer Bluttat passiert. Regisseur Niki Stein setzt eher auf Psychodramatik als auf Action.

Die Luft riecht nach Ärger. Am Ortseingang ihres Dorfes sehen Pressefotograf Tom Wesnik (Heino Ferch) und seine Frau, Tiertherapeutin Esther (Silke Bodenbender), eine Polizeisperre. Von einer Geiselnahme ist die Rede, später von Mord, einem Dreifachmord. Wesnik fotografiert die Szenerie professionell. Doch schnell wird er vom Betrachter zum Betroffenen. Sein Sohn ist der Täter.

„Vater, Mutter, Mörder“ (ZDF, 20.15 Uhr) von Regisseur und Drehbuch-Autor Niki Stein ist kein Action-Film. Vielmehr treiben zwei Fragen die Handlung. Wie kam es zu der Bluttat? Und: Was passiert mit den Betroffenen, allen voran dem Täter und seinen Angehörigen?

Der Sohn der Wesniks (Merlin Rose) tötete seinen besten Freund und die Eltern des Mädchens, um das beide offenkundig konkurrierten. Lukas Wesnik überlebt, schwer verletzt. Auch innerlich traumatisiert, kann er sich zunächst an nichts erinnern.

Bald stellt sich heraus, dass der junge Mann eben kein Problemjugendlicher ist, obwohl der Jugendliche ein Problem hat, ein psychisches Problem. Das spricht für den atmosphärisch dichten, gut besetzten Film.

Schuld und Sühne

Gegen ihn spricht, dass die Mechanik des Films so berechenbar schnurrt wie ein Dieselmotor. Das Dorf schneidet die Wesniks, die Tochter kommt ins Internat nach England, das Haus der Familie wird verkauft, natürlich unter Wert.

Auch die Eltern verhalten sich nach wenig überraschenden Mustern. Die emotionale Mutter Wesnik stärkt ihrem Sohn den Rücken, sein zumindest oberflächlich cooler Vater fremdelt zusehens. Bereits in der ersten Krankenhaus-Szene deutet sich mit einem Moment gefühlter Ewigkeit an, wie schwer es Tom Wesnik fällt, seinem Sohn, dem Mörder, nahe zu sein, seine Hand zu halten.

Publikum wird mit einem halberlei guten Gefühl in den Restabend entlassen

Der Film konzentriert sich bei der Frage nach Schuld und Sühne immer mehr auf das Vater-Sohn-Verhältnis, zumal Tom Wesnik die Tatwaffe zugänglich aufbewahrte. Zugleich brechen Konflikte zwischen den Eheleuten auf, die lange schwelten. Trennung liegt in der Luft. Am Ende deutet Stein Versöhnung an, zwischen Vater und Sohn, aber auch zwischen Mann und Frau. Das wirkt angesichts der nicht wirklich aufgearbeiteten Konflikte wie Wunschdenken, entlässt aber das Publikum mit einem halberlei guten Gefühl in den Restabend. Wichtiger ist die psychologische Ebene, die Frage nach der Schuldfähigkeit.

Dabei fällt im Film der Satz, dass Psychiatrie für Mörder keineswegs die mildere Variante ist. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Gefängnis und Forensik: Bei Straftätern ist, vorausgesetzt sie haben eine gute Sozialprognose, ein Ende der Haft abzusehen.

Jürgen Overkott

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