Doris J. Heinze, Marie und ein toller Dreh
23.09.2009 | 20:09 Uhr 2009-09-23T20:09:00+0200
Essen. Drehbücher bieten mehr als das Leben. Heißt es. Doch wir haben leise Zweifel. Jedenfalls kann man sich den Film "Die Freundin der Tochter" nicht unbefangen ansehen wenn man weiß, dass die geschasste NDR-Fernsehfilmchefin Doris J. Heinze ihrem Alter Ego Marie Funder dafür Geld zahlte.
Und da lag schon wieder eines dieser spannenden, ambitionierten, hintersinnigen und ungemein gekonnten Drehbücher vor ihr. Doris war außer sich vor Begeisterung. Das m u s s t e man verfilmen! Sie seufzte. Es war ein sehr zufriedenes Seufzen.
Dabei galt Doris (60), die blonde Fernsehfilmchefin eines norddeutschen Riesensenders, mit ihren blaugrauen Rassekatzenaugen als strenge Richterin über Gut und Böse. Sie nahm nicht alles. Nie!
Doch dieses Drehbuch, ja, sie räkelte sich auf dem gemütlichen Designersofa, ja, dieses war wieder mal grandios. Diese Marie Funder-Donoghue – 1981 geboren, Juristin, mit ihren Kindern an der irischen Ostküste lebend – die war einfach ein Riesentalent! Und für solche Frauen musste man als einflussreiche Medienmacherin im 21. Jahrhundert etwas tun. Ja, man konnte gar nicht anders, als eine Ausnahmebegabung zu fördern. Vielleicht, dachte Doris und nippte an ihrem Lieblingswhisky, einem 1974er Ardbeg, vielleicht könnte man sich beim Sender sogar für einen Erstlingszuschlag stark machen...
Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
Wir verlassen an dieser Stelle, wo es doch eigentlich heimelig und wohltätig zugleich zu werden scheint, den fiktiven Schauplatz und wenden uns dem rauen Leben zu. Das zeigt uns sein wahres Gesicht zumindest im Abspann des Filmes „Die Freundin der Tochter”, den die ARD ausstrahlt.
Dort steht nicht mehr Marie Funder als Autorin einer durchaus respektablen Story, in der ein Ehemann treulos wird und das Ganze auf beklemmende Weise in der Familie bleibt. Dort steht jetzt: Doris Heinze. Denn Heinze – dies sei der Vollständigkeit halber erinnert – w a r Marie Funder. Doris, inzwischen suspendierte NDR-Fernsehfilmchefin (unseres Wissens kein Amt, das öffentlich-rechtliches Prekariat bedeutet), hatte sich ein schönes Zubrot erdacht. Sie schickte sich selbst (Wer bin ich und wenn ja wie viele?) Skripte zu, fand sie super und ließ sie entsprechend honorieren. Außerdem winkte sie wohlwollend eingereichte Drehbücher ihres Mannes durch. Auch er schrieb unter anderem Namen – und zwar als eine so menschenscheue Persönlichkeit, dass niemand zu ihm Kontakt haben konnte.
Starke Augenblicke und lange Viertelstunden
Zu Ende nun all das: die Gaunerei einer Frau, der das übliche halbe Honorar für Drehbücher von Redakteuren einfach nicht genügte. Insider hatten es lange geahnt – allein ihre Angst, bei der Entscheiderin in Ungnade zu fallen, hat Heinze lange geschützt.
Und so möchte man sich einer mit Edgar Selge und Katrin Sass hochkarätig besetzten Ehe-Elegie widmen, denkt aber doch Szene für Szene nur an jene üble Tricksereien, die Heinzes Anwalt zum Verstoß gegen Dienstanweisungen kleinredet. „Die Freundin der Tochter”, Variationen über die Liebe und was von ihr übrig bleibt, hat starke Augenblicke und lange Viertelstunden. Um es anders zu sagen: Das halbe Honorar hätte es auch getan.
Mittwoch, 23. September, 20.15 Uhr ARD
14:06
Mann kann doch argumentieren, dass dem NDR garkein Schaden dadurch zugefuegt wurde. Das ist eher eine moralisch-kulturelle Sache, denn der Zuschlag haette andere Talente foerdern koennen. Der ganze Vorfall wird jetzt natuerlich von den Medien hochgebauscht, das haette man sicher auch intern regeln koennen.
00:30
Tja, Joseph von Westphalen schrieb, was im Artikel nicht steht. In der Zeitung aus dem Süden.
Auch woher die H. das Ideechen zum Buch hatte.
Muß im Westen aber niemand wissen.
Zur Not erzählt der Juk auch nichts>>
Kultur fertig!
19:31
Aus obigem Artikel: Um es anders zu sagen: Das halbe Honorar hätte es auch getan.
Herrlich auf den Punkt gebracht.
:-)