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Literatursendung

"Die Vorleser" als Einschlafhilfe

12.07.2009 | 08:20 Uhr
"Die Vorleser" als Einschlafhilfe

Essen. Mit Amelie Fried und Ijoma Mangold startete das ZDF die neue Literatursendung „Die Vorleser“. Bei der Premiere zeigte sich, dass 30 Minuten sehr lange sein können für einen Schlagabtausch mit argumentativen Wattebällchen.

Die gute Nachricht ist die schlechte: Sie mögen sich, die Amelie Fried und der Ijoma Mangold. Was die beiden sich an Gemeinplätzen von ihrer roten Couch zunickten, konnte gestern Abend beim Zuschauer nur Kopfschütteln und Langweile während der Premiere der neuen Literatursendung „Die Vorleser“ im ZDF auslösen.

Fried („dieses Buch finde ich richtig toll“) referierte brav den Inhalt ihrer Favoriten, Mangold unterstrich das Unstrittige mit nervösen Tai-Chi-Handbewegungen. Als die Luft im Studio nach den ersten beiden Büchern längst in hauchdünne Schichten filetiert war, ging der Literaturkritiker Mangold endlich in die Substanzoffensive – und fuchtelte dabei so wild mit dem Finger in der Luft herum, dass man sich glatt an den polternden Marcel Reich-Ranicki erinnert fühlte.

„Ich habe mich soooo gelangweilt“

Ijoma Mangold, Walter Sittler und Amelie Fried auf der Couch. (c) ZDF/Susanne Dittmann

Manch einer hätte in diesem Moment gern seine Fernsehgebühren freiwillig spontan um das Dreifache erhöht, nur um den Großvater aller telegenen Fernsehkritik auf das Konsenssofa nach Hamburg zu zaubern. Und sei es nur, damit Reich-Ranicki seinen berühmtesten Satz aussprechen kann: „Ich habe mich soooo gelangweilt.“

Doch der Reihe nach, denn eigentlich war nicht genug Zeit zum Langweilen da. Zur Begrüßung stellte die routinierte Moderatorin Amelie Fried im ehemaligen Hauptzollamt des Hamburger Hafens dem Publikum das „neue Fernsehgesicht“ Ijoma Mangold vor. Und dieser hatte zunächst auf sympathische Art und Weise Mühe, seine fliehenden Gesichtszüge im Zaum zu halten. Sein Blick verriet: Wohin mit den eigenen Augen, wenn so viele Augenpaare auf einen blicken?

Vorkoster im Hofe des Königs

Zum Glück hatte er aus der Reihe von Interviews, die er im Vorfeld geben musste, den Gedanken mit ins Studio genommen, dass „Die Vorleser“ strenggenommen Vorkoster im Hofe des Königs Zuschauer seien. Doch auch die an diesen Gedanken anschließende Binsenweisheit, nach der keine noch so schlechte Lektüre für den Leser „zu einem Gifttod führen könne“ hatte wenig Tröstliches. Denn, so die Erkenntnis nach 30 Minuten „Die Vorleser“, ein atemloses Sich-Buchinhalte-Nacherzählen kann tödlich langweilig sein. Ganz zu schweigen vom kurzen Videoeinspieler, der mit Statistik Stimmung machen wollte: Nur acht Prozent der Vorleser seien Väter. Kein Wunder also, dass so wenig Jungs zu einem Buch greifen. Ja, ja, da hörte man glatt das Zittern der Teetassen in den Schränken des Bildungsbürgertums.

Rettung deutete sich an, als sich die ZDF-Vorleser erstmals mit argumentativen Wattebällchen bewarfen. Anlass war das Werk von Per Olov Enquist, einem Autor, der seit Jahren für den Literaturnobelpreis gehandelt wird. Amelie Fried monierte in dessen „Ein anderes Leben“ einige Passagen, die zu lang seien. Mangold wollte aber genau diese Stellen nicht missen. Amelie Fried kritisierte, dass der Autor seiner Hauptfigur keinen Grund für seinen Absturz in die Alkoholsucht mit ins Glas kippt – Mangold empfand genau diesen Ansatz als gelungen. Oberflächliche Betrachter könnten an dieser Stelle auch eine Parallele zwischen den groben Blockstreifen auf Amelie Frieds Jackett und den feinen Nadelstreifen auf Mangolds Anzug ziehen.

Die Familie nervt

Walter Sittler und Ijoma Mangold. (c) ZDF/Susanne Dittmann

Das Spiel ging mit umgekehrten Vorzeichen in die Verlängerung, als die Ex-Talk-Masterin dem Zeit-Kritiker etwas von Joey Goebels „Heartland“ vorschwärmte. Sie: „Aber als Familienepos funktioniert es“, er: „Mich nervt diese Familie“. Nach diesem Schlagabtausch musste sogar Amelie Fried kurz und herzhaft lachen. Von diesem Moment an hätte es noch etwas werden können, doch die Dramaturgie der Sendung hatte anderes im Sinn. Also glitt Mangold mit den Worten „jetzt aber genug gepoltert“ ins Betuliche ab und der Gast des Abends kam.

Der bekannte Schauspieler Walter Sittler, dessen Papa Literaturprofessor war, durfte längst Bekanntes über Erich Kästner loswerden wie: „Er hat nie nur für Kinder geschrieben, sondern für alle“ – und dann hatte es sich schon ausgekästnert. Ijoma Mangold hechelte noch drei Kurztipps in den Äther, setzte sich – unbeabsichtigt oder nicht – auf Amelies Lesebrille und verabschiedete das Publikum an den Fernsehschirmen mit den Worten: „Hier im ZDF geht es jetzt weiter mit Lanz kocht“. Da musste selbst das Publikum im Studio lachen.

Nikolaos Georgakis

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Kommentare
12.07.2009
22:56
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von nymphensittich | #13

Bezüglich der Rechtschreib- und Grammatikfehler kann ich mich Verena nur anschließen, aber das Problem betrifft inzwischen a l l e Printmedien.

12.07.2009
12:37
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von Verena | #12

Da Lesen auch immer etwas mit Schrift und Geschriebenem zu tun hat, sollten Sie Ihren Artikel noch einmal auf die darin enthaltenen Schreibfehler gegenlesen. So macht das Lesen nämlich wenig Spaß!

12.07.2009
10:18
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von Psycholine | #11

War wohl nix mit Koch und ZDF:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,610051,00.html
Ich sehe übrigens im pubertären Privatfernsehen gerne Sendungen, die Wissen vermitteln, vielleicht ist aber auch mein Niveau zu niedrig, weil ich in der Kindheit und Jugend wenig fern sah und schon gar nicht diese Auswahl hatte.
Was mich allerdings auch zur Gegnerin zwanghafter Polarisierungsparolen machte.

12.07.2009
01:16
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von Tarkus | #10

bukowski schrieb: Glattgebügeltes Rentnerfernsehen

Na ganz toll. Kultur und insbesondere Literatur ist nur etwas für Rentner? Ob Rentner diese Sendung gut gefunden haben, kann ich nicht beurteilen - ich bin keiner!

Wie gut, dass es für Sie und Helli als Alternative das pubertäre Privatfernsehen gibt. Da kann man sich schön lustig machen über Leute die ihre Kinder nicht erziehen können, keine Gaststätte betreiben können, nicht renovieren können, keine Frauen anbaggern können, nicht singen können, von ihrem Einkommen nicht leben können, Frauen die nicht einparken können...

Die Premierensendung hatte offensichtlich ihre Schwächen, aber ich bin froh, dass man für WENIGER Geld (GEZ-Gebühr) als beim Pay-TV solche Formate bekommt!

11.07.2009
18:33
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von Schari Wari | #9

Walter Sittler hat man auch nur eingeladen, um die Einschaltquote zu verbessern, oder? Auf A. Fried war ich überhaupt nicht scharf, und den Mangold kannte ich nicht, aber der nervte mich schon von der 1. Minute an..
Von Sittler hat man auch nichts Neues erfahren, wie blöd muss er sich denn vorgekommen sein??

11.07.2009
14:34
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von LIT im TV NIE | #8

Gibt es eigentlich eine Vorschrift, die besaht, Fried MUSS immer irgendwo echt wichtig dabei sein?

11.07.2009
12:26
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #7

Warum muss ich als NRW-Gebühren-Zahler eigentlich das von Roland-Koch-in-Hessenkontrollierte ZDF sponsern?

11.07.2009
11:55
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von scorpionx | #6

diese frau hat mich bereits bei 3nach9, nahezu zu tode gelangweilt ...
besonders versch***** hatte sie bei mir, als sie auf eine, für mich total perfide
art, herrn peter scholl-latour zu diskreditieren und desavouieren versuchte ...

diese frau betreibt m. e. am liebsten nabelschau und dreht sich gern um sich selbst ...

http://www.readers-edition.de/2009/01/17/peter-scholl-latour-leiden-bei-3nach9/

gut, dass ich hunderte alternativsender habe und diese frau aus einem
format verschwunden ist, dass ich eigentlich immer gern gesehen habe ...

schade ist nur, dass sie auch weiterhin von meinen gebühren schmarotzt ...

hoffentlich verschwindet sie bad ins nirwana der medien(unter)welt ...

11.07.2009
11:48
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von nymphensittich | #5

Auf welchem Niveau befinden sich die Kommentatoren, wenn sie Heidenreich nachtrauern? Banaler und oberflächlicher geht es doch nicht.
Ich denke, das Format ist entwicklungsfähig, den obigen Artikel finde ich arrogant, unsachlich und zum Teil unangemessen zynisch.

11.07.2009
11:26
Die Vorleser als Einschlafhilfe
von Pnyce | #4

Schön das die totlangweilige Fried jetzt beim NDR weg ist und Platz für frisches Blut gemacht hat. Elke Heidenreich,wir vermissen Dich.

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