Die Rebecca im „Tatort“: Paraderolle für Gro Swantje Kohlhof

Gro Swantje Kohlhof mit Ermittler Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) im Konstanzer „Tatort“.
Gro Swantje Kohlhof mit Ermittler Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) im Konstanzer „Tatort“.
Foto: SWR/Stephanie Schweigert
Was wir bereits wissen
„Rebecca“ lautete der Titel des Konstanzer Tatorts. Gespielt wurde die Titelfigur von einer 21-jährigen Hamburgerin mit großem Talent.

Konstanz/Hamburg.. Wer den „Tatort“ regelmäßig verfolgt, könnte Gro Swantje Kohlhof noch in Erinnerung haben. Es war im März vergangenen Jahres, als die Bremer Ermittler Inga Lürsen und Nils Stedefreund mit einer Figur zu tun bekamen, die Kohlhof spielte: Ein Mädchen mit pink gefärbten Haaren, das sich als seit zehn Jahren verschwundene Tochter einer verzweifelten Mutter ausgab, in Wahrheit jedoch eine andere war.

Die Parallelen zu ihrer Titelrolle in der Konstanzer Folge „Rebecca“ sind offensichtlich: In beiden Fällen stand sie im Zentrum und verwies die Kommissare mehr oder weniger an den Katzentisch der Erzählung – auch wenn es, ja, für Klara Bluhms Assistenten im aktuellen „Tatort“ mehr Aufmerksamkeit gab als sonst. Und sowohl Rebecca als auch Fiona (die eigentlich Elena hieß) waren zutiefst beschädigte Charaktere, verloren und unberechenbar.

Ein großes Talent für das deutsche Fernsehen

Dass sie solche Rollen reizen, hat die erst 21-jährige, in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg geborene Schauspielerin in Interviews betont. Und dass sie ein Talent dafür hat, hat sie gestern wieder mit Nachdruck bewiesen: Sie beherrscht die irrlichternden Blicke und die hysterischen Ausbrüche eines traumatisierten Mädchens ebenso gut wie den plötzlichen, fast autistischen Rückzug. Sie vermag ihrer Sprache etwas Stockendes zu geben, hinter dem sich immer etwas Ungesagtes, Furchtbares zu verbergen scheint. Und sie weiß all diese Anklänge ans komplett Gestörte gut zu dosieren. In Gro Swantje Kohlhof hat das deutsche Fernsehen ein großes Talent gefunden – nur sollte sie aufpassen, sich nicht zu früh auf ein bestimmtes Muster festlegen zu lassen.

Nach dem Abitur in Hamburg begann sie 2014 mit dem Schauspielstudium an der Berliner Universität der Künste. Zuvor hatte sie immer wieder Workshops an der Schule des Theaters „Zeppelin“ in Hamburg besucht und schon 2007 ihren ersten Fernsehauftritt in der NDR-Kinderserie „Die Pfefferkörner“. Ihre Stärken wurden für ein breiteres Publikum erstmals im ARD-Film „Der Hafenpastor und das graue Kind“ sichtbar. Äußerlich fügte sich die Rolle in das Muster: Sie spielte die 16-jährige Tochter einer Alkoholikerin, die sich um ihr Baby kümmern musste. Und doch war ihre Paloma an der Seite von Hafenpastor Stefan Book (Jan Fedder) aus einem anderen Holz als Rebecca und Elena: lebenstüchtig und willensstark, auch unter den schwierigsten Umständen. Sie lässt hoffen, dass wir von Gro Swantje Kohlhof noch Überraschungen zu erwarten haben.