„Die Höhle der Löwen“: Fünf Investoren für einen Erfinder aus Essen

Jochen Schweizer testete den „eBall“ vom Essener Erfinder Uli Sambeth.
Jochen Schweizer testete den „eBall“ vom Essener Erfinder Uli Sambeth.
Foto: VOX / Bernd-Michael Maurer
Was wir bereits wissen
Ein Erfinder aus Essen hat bei „Die Höhle der Löwen“ den Deal seines Lebens ergattert: Fünf Investoren stiegen in sein Start-up ein.

Berlin.. Die kritischen Löwen zu überzeugen, ist nicht leicht. Das mussten die Gründer, die sich in „Die Höhle der Löwen“ wagten, am Dienstag wieder mal am eigenen Leib erfahren. Von sechs vorgestellten Unternehmen und Ideen konnten nur zwei gänzlich überzeugen. Eine magere Quote. Doch nicht immer war das Produkt Schuld an der ausbleibenden Investition.

Die Deal-Ablehner

Das Duo Philippe Singer und Timo Müller konnte mit „Joidy“ durchaus für Begeisterung sorgen. Dabei handelt es sich um eine App, mit der sich Geschenke versenden lassen – auch wenn man die Adresse des zu Beschenkenden nicht parat hat. Eine tolle Erfindung, lobten die „Löwen“. Die Unternehmensbewertung gefiel ihnen allerdings nicht. „Joidy“ ist gerade einmal acht Wochen am Markt, dennoch riefen die 24-jährigen Gründer eine Zwei-Millionen-Bewertung auf. Viel zu hoch, urteilten sowohl Carsten Maschmeyer als auch App-Spezialist Frank Thelen.

Müller und Singer hielten vehement dagegen und versuchten ihre Bewertung zu verteidigen. Sie glaubten eben an ihr Produkt. Jochen Schweizer machte ihnen letztendlich ein Angebot: 200.000 Euro für 25,1 Prozent am Unternehmen. Die Hälfte der Investition bot er allerdings als Wandeldarlehen an. Das bedeutete, dass die 100.000 Euro nach einer gewissen Zeit entweder in weitere Anteile umgewandelt werden oder eine Rückzahlung erfolgen muss.

Für die Gründer war da schnell klar: Das ist keine Option. Sie verzichteten auf den Deal mit „Löwe“ Schweizer und versuchen ihr Glück lieber weiter allein.

Das unausgereifte Produkt

Bei „Joidy“ scheiterte es an den finanziellen Vorstellungen, bei „Nutriday“ hingegen an der Unausgereiftheit des Produkts. Es ging wieder einmal um Gutes für den Vierbeiner. Thomas Löbke (37) stellte sein natürliches Nahrungsergänzungsmittel für Hunde vor. Verzweifelt versuchte er die Inhaltsstoffe von „Nutriday“ anzupreisen: Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aus Gemüse, Obst und Kräutern – ohne künstliche Zusatzstoffe. Doch die Sinn- und Notwendigkeit des Produkts wollte sich den „Löwen“ dennoch nicht erschließen.

Ob es eine wissenschaftliche Studie zu dem Thema gebe, wollte Jochen Schweizer wissen. Bislang nicht, musste Löbke einräumen. Aber bei der Entwicklung habe man sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert. Doch warum der Hund nun ausgerechnet etwas wie Schafgarbe oder Erbsen fressen sollte, blieb den „Löwen“ auch weiterhin schleierhaft. Investieren wollte in das Start-up niemand. Es sei einfach zu unausgereift. Etwas Lob gab es aber dennoch: Von Löbkes Hund waren die Investoren mehr als begeistert.

Nischenprodukt für Hipster-Jungs

Ebenfalls auf der Liste der durchgefallenen Kandidaten: „GØLD’s“. Allerdings nicht, weil das Produkt nicht für gut befunden wurde. Die Inhaltsstoffe des Bartpflegeöls der Gründer Johannes Keppler (27), Martin Ganskow (26) und Martin Kroll (27) überzeugten durchaus. Doch letztendlich war „GØLD’s“ den Investoren einfach zu nischenorientiert.

Dabei hatten die drei so sehr auf die Beauty-Expertin der Runde als Investorin gehofft. Doch Williams schätzte den Markt für Bartprodukte nicht als massiv genug ein. Somit müssen sich die vollbärtigen Gründer auch künftig allein um Vertrieb und Vermarktung kümmern. In Hipster-Kreisen sollten sie damit aber vermutlich keine Probleme haben …

Super-Deal durch Machtwort

Ein Produkt sorgte für besonders viel Interesse – und für eine Premiere. In den „eBall“ investierten am Ende alle „Löwen“. Dabei sah es kurzzeitig ganz anders aus. Denn als Uli Sambeth (48) aus Essen sein Fortbewegungsmittel, den „eBall“, vorstellte, winkten vier von fünf Investoren erst einmal ab.

Das Gerät funktioniert ähnlich wie ein Segway – allerdings nicht auf zwei Rädern, sondern auf einer Kugel. In die Erfindung, an der Sambeth seit Jahren tüftelt, steckt nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld. Mit der geforderten Finanzspritze in Höhe von 500.000 Euro wollte er die Vermarktung voranbringen und weiter in das „Feintuning“ investieren. 12,5 Prozent seines Unternehmens wollte er dafür abgeben. Wieder mal eine Bewertung, die den Investoren deutlich zu hoch war.

Die Herren zogen sich nach und nach zurück – trotz großer Begeisterung. „Sie haben eine echte Erfindung gemacht, das kann eine echte Revolution werden“, lobte Carsten Maschmeyer sogar. Am Ende blieb nur noch Judith Williams übrig. „Das finde ich viel cooler, als alles, was da draußen rumfährt“, schwärmte sie. Doch investieren wollte auch sie nicht. Allerdings appellierte sie noch einmal eindrücklich an den Investorengeist ihre Kollegen.

Und gesagt, getan. Nach kurzer Beratung kamen die „Löwen“ zu einer noch nie dagewesenen Lösung: Jeder von ihnen wollte 100.000 Euro investieren. Dafür verlangten sie allerdings insgesamt 50 Prozent der Unternehmensanteile. Lange überlegen musste Sambeth da nicht. Er willigte ein.

„Kinderleicht“ zum Dümmel-Deal

Mit „Die kinderleichte Becherküche“ sollen auch die Kleinsten selbstständig backen können – auf kinderleichte Weise eben. So sieht es zumindest das Produkt von Erzieherin Birgit (36) und Stefan Wenz (43) vor. Die beiden haben Rezeptbücher für Kinder mit ausführlichen und bebilderten Anleitungen entwickelt, die mit einem Messbecher-Set daherkommen. Das Besondere: Jeder Becher hat eine andere Farbe und ist unterschiedlich groß. Damit sollen bereits Kinder ab vier Jahren einen Kuchenteig anmischen können.

Die Investoren zeigten sich beeindruckt. Judith Williams hatte sogar ein schlechtes Gewissen, den Gründern für 20 Prozent am Unternehmen nur 100.000 Euro zu geben. Ralf Dümmel sah darin hingegen kein Problem. Im Gegenteil. Er wollte dem Ehepaar mit 30 Prozent sogar noch ein wenig mehr abknöpfen. Für Familie Wenz kein Hindernis. Bei dem Deal schlugen sie zu.