Die gespaltene Persönlichkeit Adolf Sauerland
14.02.2012 | 08:09 Uhr 2012-02-14T08:09:52+0100
Duisburg. Der WDR hat den ehemaligen Oberbürgermeister Duisburgs für die Reportage „Der Fall Adolf Sauerland“ mehr als ein Jahr lang bis zu seiner Abwahl begleitet. Eine Dokumentation über einen Politiker und Menschen, der weder für sich und seine Familie, noch für seine Stadt bereit war, moralische Verantwortung zu übernehmen.
Wollte Adolf Sauerland abgewählt werden ? Wollte der Mensch Sauerland, dass die öffentlichen Auftritte mit Buh-Rufen, Beleidigungen, Ketchup-Attacken, die Drohungen gegen ihn und seine Familie endlich aufhören? Die WDR-Dokumentation „Der Fall Adolf Sauerland“ zeigte am Abend nach dem Abwahlverfahren , dass es zwei Adolf Sauerlands gibt, mit jeweils unterschiedlicher Antwort auf diese Fragen. Über ein Jahr lang hat der WDR Adolf Sauerland mit der Kamera begleitet. Der Fernsehbeitrag zeigt einen Menschen und Politiker, dessen Persönlichkeit seit der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 gespalten ist. Auf der Pressekonferenz am Tag nach der Katastrophe , da habe er versucht, keine juristischen Fehler zu machen. „Aus Angst vor den juristischen Konsequenzen, habe ich die moralische Verantwortung vergessen“, sagt Sauerland. Bis zu seiner Stellungnahme am Abend der Abwahl, scheint sich daran nichts geändert zu haben.
Adolf Sauerland und seine Familie erhielten Morddrohungen
Moralische Verantwortung, die hatte Sauerland auch für sich und seine Familie. Morddrohungen haben Sauerland und seine Familie laut eigener Aussage erhalten. In ihr Ferienhaus ist die Familie Sauerland vorübergehend geflüchtet – eine Flucht vor der eigenen Stadt, vor den Bürgern, die Adolf Sauerland gewählt haben.
Der Beitrag zeigt die Anfeindungen, die Verschmähungen und wie der Oberbürgermeister diese immer wieder mit großen hilfesuchenden Augen übersteht. Trotz dieser für den Zuschauer sichtbaren Qualen hat Sauerland offenbar nie an einen Rücktritt gedacht , nie die juristische Ebene verlassen und die moralische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe und seine ganz persönliche Katastrophe übernommen.
Adolf Sauerland blieb bis zur Abwahl unbeirrbar
Doch selbst als im September 2011 mehr als 70000 Unterschriften für das Abwahlverfahren gesammelt waren, wollte Sauerland nicht aufgeben. „Ich glaube nicht, dass es 70000 Leute sind“, sagt er mit der gleichen Überzeugung, mit der er eine persönliche Verantwortung der Loveparade-Katastrophe auf der Pressekonferenz am Tag nach der Loveparade verneinte.
Artikel, Fotos, Videos und ausgewählte Beiträge zur Loveparade in Duisburg und den Folgen – etwa zur Abwahl von Adolf Sauerland als OB und dem politischen Neuanfang in Duisburg – finden Sie auf unseren fünf Spezialseiten.
War Sauerland wirklich so verblendet und unbeirrbar, und hat er das alles aus persönlicher Überzeugung durchgestanden? Acht Wochen nach der Loveparade sagt Adolf Sauerland dem WDR: „Ich kann zurzeit nicht so sein, wie ich bin“.
Die Abwahl könnte den Menschen Adolf Sauerland nun wieder auf die moralische Ebene zurückgebracht haben. Nach der Bekanntgabe des eindeutigen Abwahlergebnisses war Sauerlands erster Schritt der Griff zum Handy und ein Anruf bei seiner Familie, um diese zu erlösen: „Sag der Oma, dass ich jetzt öfter frühstücken komme“, sagt Adolf Sauerland.
22:36
Glückwunsch an die Stadt Duisburg und alle Bürger Duisburgs !
Endlich seid ihr diesen Schandfleck los !
Er konnte nicht anders, denn wenn es von allein gegangen wäre, würde er ja nicht seine vollen Gehälter/Bezüge weiter kassieren. Das sind monatlich, glaube ich, zwischen 8 und 10.000 Euro !
Auch die Hinterbliebenen der Opfer haben haben diese Abwahl verdient, auch wenn das Ihre Liebsten nicht zurück bringt ! Es ist trotzdem ein gutes Gefühl.
Ich bin der Stadt Bochum, in der ich geboren und aufgewachsen bin, unserer Oberbürgermeisterin (SPD) und den Verantwortlichen der Stadt echt dankbar, das diese die Größe hatten zu sagen, "wir schaffen das nicht...rein logistisch und auch anderweitig, sind wir sind nicht in der Lage eine solche Menschenmenge gefahrlos zu kontrollieren." und dabei u.a. auch auf eine Menge Geld verzichtet haben, obwohl unsere Stadt auch pleite ist.
Nochmals Glückwunsch Duisburg und alles Gute für die Zukunft. Auf das mal auch wieder an etwas anderes, Positives, denken kann, wenn man den Namen Duisburg hört, als die Loveparade.
Liebe Grüße aus Bochum und
Glückauf...
16:56
Nun ja,
er wird auch einiges wegen Wulff mit abbekommen haben!
Aber, sein Spruch nach dem Abgang:
"Gott schütze Duisburg!"
hat deutlich gemacht, wie wichtig es war ihn abzuwählen.
Zum Kommentar weiter unten, er hat viel bewegt, will ich nur sagen,
dass eine Innenstadt- oder Innenhafenplanung weit länger zurücreicht als 10 Jahre!
10:18
wie ihn gewählt haben, ist das sehr eindeutig. Sein Mitleidsgeheische ist da einfach nur unwürdig und ein Schlag in das Gesicht der Opfer und deren Angehörige,
Statt dieses unwürdige Spiel fortzusetzen, sollte sich die CDU Duisburg Dorf besser nach geeigneten Persönlichkeiten umsehen, die der CDU auch in Duisburg ein menschliches Gesicht wiedergeben.
Die die jetzt noch immer Sauerland schönreden wollen sind definitiv dafür ungeeignet.
10:16
es gibt leider noch etliche die vor Wut schäumen, besonders CDU-Sympathisanten oder CDU-Mitglieder, das ist kontraproduktiv merken die das nicht?-in den CDU-Hochburgen waren 2/3 Ja und 1/3 Neinstimmen, das spricht doch für sich....
H. Sauerland, der die politische Verantwortung für 21 Tote und 500 Verletzte der Love-Parade hatte und auf Druck sich erst nach einem Jahr bei den Angehörigen der Menschen entschuldigte und die moralische Verantwortung übernahm ist heute mit ca. 130.000 Stimmen (das Quorum war 91.250) abgewählt worden und in Duisburg kann ein Neuanfang mit Wahlen gemacht werden
(21.000 stimmten für ihn)
Ich glaube wir lernen langsam von der Schweiz und ich bin happy!!!
Ps. Ich hatte ihn gewählt weil ich die verfilzte SPD weghaben wollte....sie sollte aber aufpassen sich nie wieder zu verfilzen, sonst geht es ihr wie H.Sauerland
23:13
Als Duisburger gingen und gehen mir nach der Abwahl höchst unterschiedliche Gedanken durch den Kopf.
Zum einen hat Herr Sauerland für die Stadt viele positive Sachen geleistet, oder zumindest angeschoben. Wenn ich mir Innenstadt und Innenhafen ansehe, dann denke ich, er war auf dem richtigen Weg.
Wie einige Kommentatoren schon schrieben, hat auch die Presse ein gerüttelt Maß an Anteil am "Fall Sauerland" Wenn ich mich wie ein Geier auf Beute stürze, darf ich mich nicht wundern, wenn gerade diese Beute sich wehrt und manchmal in einer Art und Weise reagiert, die gerade mal nicht "politisch korrekt" ist. Was da von Seiten der Medien (nicht nur in diesem Fall) momentan abgeht und abgegangen ist gereicht höchstens den rosa Tieren mit Ringelschwanz zur Ehre. Anders kann ich diese ständige sensationslüsterne Wühlerei im Dreck nicht beschreiben.
Allerdings erwarte ich von meinem Bürgermeister, dass er gerade in Krisensituationen Größe zeigt und die Karre aus dem Dreck führt/ fährt. Und das ist Herrn Sauerland nicht nur nicht gelungen, er hat es viel mehr exquisit verbockt.
Ihr Krisenmanagement Herr Sauerland war unter aller Kanone und nur deshalb habe ich sie abgewählt.
20:57
blieben in ihrer Hetze unbeirrbar.
Eigentlich gehören alle auf die Couch:
der abgewählte OB und seine Menschenjäger.
19:50
sehr richtig!
Es haben am Sonntag knapp 130.000 Menschen den Oberbürgermeister Sauerland abgewählt - zurecht! und aus den hinlänglich bekannten Gründen.
Es fand am Sonntag keine Abstimmung über die BI Neuanfang für Duisburg statt.
Ich persönlich habe am Sonntag aus tiefster Überzeugung mit Ja gestimmt - aber nicht wegen, sondern trotz der BI (die für mich durch ihr intransparentes Gekungel mit den Parteien jegliche Glaubwürdigkeit verspielt hat).
16:33
Es ist doch nicht das Problem, dass Neunafnag für Duisburg finanziell von den Parteien unterstützt wird, wenn sie ein gemeinsames Abwahlbündnis schließen.
Das Problem ist doch viel mehr: Wieso mischt Neuanfang nun Augenhöhe bei den etablierten Parteien überhaupt mit? Auf Grund welcher demokratischen Legitimation suchen die Herren Hüsken und Steegmann als Volksvertreter einen unabhängigen Kandidaten mit aus?
Man benötigt für ein Bürgerbegehren Sprecher. Wozu immer ein Sprecher legitimiert ist, mit der Abgabe der Unterschriften endet seine Legitimation.
Es mag Herrn Steegmann ja gefallen, die mitreißende Leitfigur zu spielen, aber Neuanfang ist kein Sprecher der Duisburger Bürger.
16:26
Nach dem Bericht kann man Aussagen von Leuten wie "Wäre mein Kind unter den Toten der Loveparade, wäre Sauerland schon längst in der Hölle" nachvollziehen - wenn auch keinesfalls billigen! An Sauerlands Stelle würde ich mir allerdings schon Gedankenm machen wo und wie lange ich meine "üppige Pension" noch geniessen könnte. Sicherlich weit weg von Duisburg!
15:23
Haben Sie mal auf die Augen von Herrn Sosic geachtet, noch ziemlich am Anfang, als AS sagt, er habe nie an Rücktritt gedacht ??