"Der Metzger" - Schräger Krimi-Spaß in der ARD

Robert Palfrader ist in Österreich Kult mit der Comedy "Wir sind Kaiser". Im Ersten brilliert er jetzt als "Der Metzger".
Robert Palfrader ist in Österreich Kult mit der Comedy "Wir sind Kaiser". Im Ersten brilliert er jetzt als "Der Metzger".
Foto: dpa/ARD
Was wir bereits wissen
Schräg, schräger, "Der Metzger": Österreichs Kult-Comedian Robert Palfrader schult um auf Restaurator. Im Ersten enttarnt er schlimme Finger.

München/Wien.. Der Donnerstag war im Ersten bisher der Tag für die ganz leichten Angebote. Mal sprang Kai Pflaume den Rosenthal in der „Dalli Dalli“-Neuauflage „Das ist spitze!“, mal klärte Fritz Wepper einen „Mord in bester Gesellschaft“. Seit kurzem jedoch strahlt die ARD ausgerechnet auf dem Seicht-Sendeplatz Filme aus, die buchstäblich für Aufsehen sorgen. Der Krimi „Begierde“ mit Melika Foroutan war so einer, und jetzt folgt „Der Metzger und der Tote im Haifischbecken“.

Die Vorlage lieferte der Wiener Autor Thomas Raab mit bisher sechs Bestsellern. Seine Figur ist Österreichs Antwort auf Miss Marple: ein Restaurator, der nebenher Kriminalfälle klärt. Allerdings kultiviert der Mann mit dem gewollt altertümlichen Namen Willibald Adrian Metzger keine Alpin-Idylle, sondern enttarnt das exakte Gegenteil: Zu den äußeren Klüften der Bergwelt kommen die inneren menschlichen Abgründe. Das Ganze wird dargeboten mit der raffinierten Bosheit des Wiener Schmähs.

Nonne mit Blut an den Händen

Eine profilierte Vorlage ist für Film und Fernsehen eine Herausforderung (Hitchcock setzte deshalb lieber Schlicht-Schinken in Szene). Andreas Herzog nahm sie an. Der Regisseur hat sich nach vorn gearbeitet – etwa mit dem dritten Dortmunder „Tatort“. Auch für die Umsetzung der literarischen Vorlage in ein Drehbuch setzte die ARD mit Holger Karsten Schmidt auf einen der Besten der Branche.

Gleich mit dem ersten Bild stimmen sie das Publikum auf einen Krimi der schrägen Art ein: Eine Nonne steht während eines Unwetters betend vor einem riesigen Stromtransformator. Doch an ihren Händen klebt Blut.

Tolle Film-Musik

Unter kaum weniger grotesken Umständen werden die beiden Hauptfiguren des Krimis eingeführt. Metzger trifft in einem Wellnesshotel droben an der Grenze zwischen Bergwelt und Steinwüste seine Jugendliebe Danjela wieder – und dabei entdecken sie einen abgehackten Finger mit Ehering.

Beide Rollen sind top-besetzt. In doppelter Hinsicht: Erstens sind die beiden Schauspieler Robert Palfrader und Dorka Gryllus unverbrauchte TV-Gesichter. Zugleich sind beide mehrfach prämiert.

In dem ersten von bisher zwei „Metzger“-Krimis kommt Palfrader als eigenbrödlerische Handwerker mit Fahrrad, aber ohne Führerschein daher. Von Autoritäten lässt er sich nicht beeindrucken. Flirts indes verunsichern den Liebhaber von Rotwein. Dabei gibt sich Gryllus alle Mühe, ihn mit Klein-Mädchen-Charme zu umgarnen. Immerhin gibt es eine Ebene, wo die beiden prächtig harmonieren: bei der Aufklärung des Falls.

Etwas aus der Zeit gefallen

Am Ende wirkt der Fall – trotz allerlei bizarrer Umstände – etwas aus der Zeit gefallen. Patriarchalische Familienstrukturen spielen eine Rolle, und auch an einem altertümlichen Kirchen-Verständnis arbeitet sich der Krimi ab.

Modern wird der Film durch seine messerscharfen Dialoge – und seine Form. Herzog betont das Groteske durch extreme Weitwinkel und Farb-Verfremdungen. Zudem setzt er zu Recht auf die Magie der Film-Musik. Sie wirkt wie ein fernes Echo von Folk und Country; sie macht den Krimi richtig rund.

Fazit: Klasse! Unbedingt gucken!

Donnerstag, ARD, 20.15 Uhr. Der zweite Fall „Der Metzger muss nachsitzen“ folgt eine Woche später, Donnerstag, 19. Februar, 20.15 Uhr.