"Der Immobilenfürst" verkauft eigentlich unverkäufliche Häuser
19.11.2009 | 08:06 Uhr 2009-11-19T08:06:00+0100
Essen. Wenn selbst Tine Wittler am Ende ist, dann kommt er. Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein (55). Weil der Name aber für eine TV-Sendung zu lang ist, wurde er für Kabel Eins „Der Immobilenfürst”. Ab 24.11., soll er in der neuen Doku-Soap Häuser verkaufen, die keiner kaufen will.
Treppe rauf, Treppe runter. „Das ist nicht gut”, sagt der füllige Mann mit dem güldenen Schlips und dem langen dunklen Zweireiher. Vieles ist steil, manches zu klein. „Schwierig”, sagt der Fürst schwer atmend. „Trotz der guten Lage ein ganz harter Brocken.”
"Wirtschaftskrise und so"
Das haben Fabian und Nicole Witzler mittlerweile auch gemerkt. Vor zwei Jahren erst sind sie eingezogen, in das ehemalige Zechenhäuschen im Essener Süden. 120 Quadratmeter auf drei Etagen. Viele Flure, noch mehr Treppen. „Uns hat es gefallen”, sagt Nicole. Eigentlich gefällt es ihnen noch immer. Aber die Familie ist größer geworden. Und das verwinkelte Häuschen damit zu klein. „Wir wollen verkaufen”, sagt Fabian. Aber keiner will kaufen. „Wirtschaftskrise und so.”
Das ist im Ruhrgebiet kaum anders als im Sauerland, in Hessen nicht besser als in Niedersachsen. Zehn Problem-Immobilien hat die Produktionsfirma aufgetan. Nun soll der Fürst es richten. Und der platzt vor Optimismus. „Unverkäuflich gibt es nicht.”
Jedenfalls nicht für ihn. Geboren in München und geadelt per Adoption war er lange Auktionator und hat dann Villen auf den Balearen gekauft, umgebaut und wieder verscherbelt. Damit hat er offenbar so viel Geld gemacht, dass schon mal ein TV-Team für die Sendung „Das Leben der Superreichen” vorbeischaut. Mit Immobilien kennt er sich jedenfalls aus. Deshalb hat er auch sofort zugesagt, als der Sender angefragt hat. Und weil er gerne hilft. „Man kann ja nicht immer nur da sitzen und aufs Meer gucken.”
"Verschleudert wird nichts"
Der Fürst ist kein Makler. „Verkäufer” nennt er sich. Einer von der Sorte, der Eskimos am Nordpol einen Kühlschrank verkauft, sagt er. „Selbst wenn die keinen Strom haben.” Aber trotzdem ehrlich, sagt er. Weil alle glücklich sein sollen. „Das ist mir wichtig.” Aber es ist nicht einfach. „Viele Hausbesitzer haben völlig unrealistische Preisvorstellungen. „Die muss ich erst mal aus ihren Luftschlössern holen.” Zumal manche dieser Luftschlösser stark sanierungsbedürftig sind. „Verschleudert wird aber nichts.”
Das macht den Witzlers Hoffnung. Gleich mehrere Interessenten sind erschienen. Um sie zu locken, hat Heinz Handzettel im Essener Kinocenter verteilt. In anderen Fällen hat er auch schon mal im Fußballstadion zum Mikro gegriffen. „Man muss trommeln”, sagt der Fürst. „Sonst hört einen keiner.”
Früh am Nachmittag ist der Klang der Trommel verhallt. Ein Interessent nach dem anderen ist abgesprungen. Die Treppen. Die engen Durchgänge. „Nichts für uns,” Der Fürst nickt. „Es gibt Argumente, denen kann selbst ich mich nicht verschließen.” Eine junges Paar bleibt übrig: „Wollen noch mal drüber schlafen.”
Dann sitzen sie in der Küche der Witzlers. „Wird noch”, sagt der Fürst. Vielleicht nicht innerhalb der Drehzeit. Aber „wird noch”. Falls nicht, gehört auch das zu Show. „Man kann nicht sofort jedes Haus verkaufen”, räumt Sayn-Wittgenstein ein.
„Das kann keiner.”
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