Der Anfang vom Ende - Doku über den Überfall auf Polen
18.08.2009 | 15:42 Uhr 2009-08-18T15:42:00+0200
Essen. Am 1. September 1939 überschreiten 1,5 Millionen deutsche Soldaten die Grenze zu Polen. Eindringlich schildert die ARD-Dokumentation "Der Überfall" den Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Es war ein Freitag vor 70 Jahren. In den frühen Morgenstunden des 1. September 1939 überschreiten 1,5 Millionen deutsche Soldaten die Grenze zu Polen. Etwas mehr als einen Monat sollen die Kämpfe dauern, dann ist sie dahin, die nach dem Ersten Weltkrieg so mühsam erstrittene und von den Siegermächten von 1918 garantierte polnische Unabhängigkeit.
Was folgt, sind fünf Jahre Besatzung. Fünf Millionen Menschen, darunter drei Millionen polnische Juden, sollen diese Zeit nicht überleben. Zum 70. Jahrestag des Angriffs auf Polen zeigt die ARD am Dienstag, 18. August, um 22.45 Uhr die Dokumentation „Der Überfall”.
Nichts soll dem Zufall überlassen werden
Hitler hat alles bis ins kleinste Detail durchgeplant. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Bevor auch nur ein Schuss vom Linienschiff Schleswig-Holstein auf das polnische Munitionsdepot Westerplatte bei Danzig abgegeben wird, hat die Wehrmacht Kameras in Stellung gebracht, die das Gefecht medienwirksam für die deutsche Wochenschau aufnehmen sollen. Das Kriegsschiff befindet sich - nach offiziellen Angaben - zum Freundschaftsbesuch in Danzig, die als Stadt mit vornehmlich deutscher Bevölkerung einen Sonderstatus genießt. Danzig ist damals ein kleiner, eigener Staat. Und Hitler ist dieser Zustand ein Dorn im Auge.
Der Überfall auf Polen beginnt nicht mit dem Beschuss der Westerplatte, sondern mit einem Bombenangriff. Hitlers „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen” erfahren die Bürger der polnischen Kleinstadt Wielun nahe der Grenze zu Deutschland bereits eine Stunde früher. Sturzkampfbomber nehmen das Stadtzentrum ins Visier. Eugeniusz Kolodziejczyk erinnert sich. „Papa, ich höre 'was. Flugzeuge. Papa, es fallen Bomben”, sagt er zu seinem Vater. Der junge Pole sieht später auf der Straße ein Mädchen liegen. Er läuft hin, hebt das Kind auf. Ihr Gesicht ist voller Blut. „Sie war vielleicht das erste Opfer des Zweiten Weltkriegs”, sagt Kolodziejczyk. Der Renter ist nur einer der vielen deutschen und polnischen Zeitzeugen, die Knut Weinrich in seiner Dokumentation zu Wort kommen lässt.
Keine Funktionsträger, „einfache” Menschen, die den Beginn des Krieges aus ihrer Sicht darstellen. Mit eindringlichen Schilderungen, die betroffen machen, das Leid, das die Deutschen der polnischen Bevölkerung zufügen, aber nur erahnen lassen.
Von Anfang an ein Terrorkampf
1200 der rund 16 000 Bewohner kommen in Wielun, beim ersten Bombenangriff des Zweiten Weltkriegs, ums Leben. Das schreckliche Ereignis ist bezeichnend für den gesamten Polen-Feldzug der Wehrmacht. Angegriffen werden nicht nur militärische Ziele, Luftwaffe und Heer nehmen vor allem die Zivilbevölkerung ins Visier. Der Krieg ist von Anfang an als Terrorkampf geplant. Um den Widerstandswillen der Polen zu brechen. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen folgen die Verhaftungswellen.
Erschießungskommandos nehmen Rache. Weil etwa Beamte in der polnischen Post in Danzig einen Tag erbitterten Widerstand leisten. Originalaufnahmen von damals dokumentieren das Geschehen, wechseln sich in der ARD-Doku ab mit Zeitzeugen-Interviews und Experten-Kommentaren - typisch für historische Dokumentationen jüngster Zeit.
Polens Schicksal ist besiegelt. Auch weil Großbritannien und Frankreich nicht Wort halten. Anstatt, wie in Verträgen festgehalten, Deutschland von Westen aus anzugreifen, bauen die Briten ihre Luftverteidigung aus, graben sich die Franzosen an der Grenze zu Deutschland ein. Keiner will sich dem Deutschen Reich erneut gegenüberstellen, zu groß ist das Trauma des Ersten Weltkriegs mit seinen Millionen Toten. Hätten Franzosen und Briten entschiedener gehandelt, so der polnische Historiker Ryszard Kaczmarek von der Universität Kattowitz in der NDR-Doku, hätte sich der Krieg nicht zum Weltkrieg auswachsen können. „Wir wissen doch, wie das Kräfteverhältnis auf beiden Seiten war. Deutschland war 1939 absolut nicht auf einen Kampf an zwei Fronten vorbereitet. Wir können davon ausgehen, dass ein Zwei-Fronten-Krieg zur Niederlage Deutschlands geführt hätte.”
Totale Ausbeutung und Unterjochung
Hitlers Nichtangriffpakt mit der Sowjetunion markiert nach dem Versagen der West-Alliierten Polens endgültigen Zusammenbruch. Nach nur 36 Tagen ist der Kampf vorbei, das Land wird aufgeteilt zwischen Deutschland und der Sowjetunion, so wie es Hitler und Stalin vorher in geheimen Gesprächen vereinbart haben.
Die Folge ist die totale Ausbeutung und Unterjochung der Polen – ein Vorgeschmack auf das, was der Sowjetunion und anderen Staaten Ost- und Südosteuropas danach drohen sollte. Der Anfang vom Ende eines freien Europas.
Dienstag, 18. August, 22.45 Uhr, ARD.
13:33
Meine Mutti Helga, geb. 1933 in Danzig hat damals als Kind alles live miterlebt. Ich suche einen Sendemitschnitt.
10:19
aus der geschichte lernen, heißt fürs leben lernen ...
offensichtlich entscheiden momentan lernunwillige,
über den einsatz deutscher soldaten, im afghanistankrieg ...
für soziale gerechtigkeit und gegen krieg -> mein herz schlägt links ...
17:12
Falls M.M. gemeint ist: ich habe kein schlechtes Gewissen, aber ich schäme mich für die Untaten meiner Vorväter.
M.M.
16:02
Leider beginnt die Geschichtsdokumentation meist mit dem III. Reich.
Die Wurzel allen Übels lag im WWI, im Versailler Vertrag ud der Alleinschuld für der I. Weltkrieg und der Last der Reparartionszahlungen...von den Demütigungen der Siegermächte(Ruhrgbietsbesetzungen etc.) ganz zu schweigen.
Das war eine große Ungerechtigkeit, welches das deutsche Volk seinerzeit auch so empfand. Ein Thema für Parteien der Weimarer Zeit. Aus diesem Niedergang des Kaiserreiches und chaotischen Nachkriegszeit entstand eine breite anti-demoratische Bewegung, die mit dem Sieg der Rechten endete. Nach dem Ende des II. Weltkrieges haben sie es in diesem Punkt im Westen besser gemacht.
Leider wird immer so getan als hätten die Deutschen den Nationalismus erfunden...so ein Quatsch.
Naja das Hoheitsrecht auf Geschichtsauslegung gebürt dem Sieger (Allierten) und findet Eingang in die Geschichtsbücher.
Wer jedenfalls die dt. Geschichte nur darauf focusiert und sich als Nachgeborener mit einem schlechten Gewissen quält hat selber schuld.
15:42
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15:32
@flo,
Ohne Sie beleidigen zu wollen, aber Sie können nicht „Normal“ sein. Ein ganzes Volk definiert sich über den Antisemitismus. Eine solch unsinnige Aussage habe ich noch nie gehört. Vielleicht sollten sie sich einmal mit den damaligen Gegebenheiten auseinandersetzen, ansonsten könnten Sie genauso gut behaupten, dass sich alle ehemaligen DDR Bürger über den Kommunismus definiert haben. Vielleicht hilft Ihnen das beim Nachdenken über Ihren Text.
14:37
@#6:
Das ist totaler Quatsch. Es waren nicht die paar ganz Oben die das alleine zu verschulden haben.
ES WAR EINE GANZE NATION!
Ja auch dein Opa war höchst warscheinlich Faschist. Vielleicht hat er ja auch den Nachbarn angeschwärzt weil der um 10 Ecken mit einem Juden verwannt war.
Eine ganzes Volk hat ich nicht nur mit Rassenwahn und Antisemitismus indentifiziert, nein sie haben sich darüber DEFFINIERT.
Wie ich schon in einem anderen Kommentar schrieb:
Meiner Meinung nach hätten (wär es möglich gewesen) zig über zig tausende auf die Anklagebank der Nürnberger Prozesse gehört.
Und DAS ist sehr wohl einzigartig. Ein ganzes Volk deffiniert sich über industriellen Massenmord. Auch wenn nicht absolut alle von den KZs wussten, Faschismus und Antisemitismus kann sich nahezu jeder von damals auf die Stirn schreiben. Den Schuldspruch beihilfe zu Mord, hätten MILLIONEN Deutsche nach 45 verdient.
Was die so oft umjammerten Anschuldigungen gegenüber den Allierten angeht....die hätten VIEL früher VIEL mehr Bomben werfen sollen!!!
14:26
Was Hitzler vor 70 Jahren gemacht hat, war nicht richtig. Aber ich wüsste nicht, warum ich mich schämen sollte. Ich habe Hitler nicht gekannt und kann nichts dafür, dass der ein an der Waffel hatte. Ganusowenig wie meine Kinder.
Andere Länder haben ebenfalls Kriege geführt und führen heute noch Kriege. Die schämen sich nicht.
13:28
Wenn der Begriff industrieller Massenmord fällt, habe ich erhebliche Probleme. Denn gerade diese Deutung erlaubt eine Flucht in eine Automatisation des Ungeheuerlichen, die es so halt nie gegeben hat. Stattdessen haben wir eine
Millionenfache Duldung der erniedrigenden und diskriminierenden Rassetrennung gehabt,
eine hunderttausendfache Wahrnehmung, und natürlich auch Profitierung des materiellen und physischen Leids der Verfolgten - Enteignung, Vertreibung, Kasernierung in besonderen Stadtteilen und Lagern, und
wir haben eine tausendfache aktive und individuelle Teilnahme an diesen Progromen, Schlägen und Morden, bishin zu der Einrichtung der riesigen KZ und Vernichtungslager.
Und auf jeder Ebene saßen Menschen, die sehr wohl wußten, was sie taten, und es dennoch machten.
Deshalb, kann ich mich mit diesen Begriff der Industriellen Vernichtung nicht anfreunden, - sie galt allenfalls für jene Programme, bei denen massenhaft Inhaftierte der verschiedensten Indrustrien zugeführt wurden, und dort schuften mußten, bis sie krepierten.
Doch das hat ebenfalls einen anderen Namen -
Vernichtung durch Arbeit!
Gruß
11:41
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