Deftige Worte von Annette Frier beim Fernsehpreis
10.10.2010 | 16:44 Uhr 2010-10-10T16:44:00+0200
Köln.Der Deutsche Fernsehpreis hat sich neue Kategorien verpasst. Bei der Filmbranche sorgte das für Unmut bis zum Boykottaufruf. Bei den Stiftern geht es jedoch um einen Kompromiss, um den Preis als ganzen für die Branche zu erhalten.
Es ist gut, dass die Sat.1-Serie „Danni Lowinski“ beim Deutschen Fernsehpreis am Samstagabend in der Kategorie „Beste Serie“ geehrt wurde. Denn zum einen handelt es sich dabei um ein herausragendes Fernsehformat: Es kommt bei Publikum und Kritik gleichermaßen an. Zudem war kürzlich aus den USA zu hören, dass man an einer amerikanischen Adaption der Serie aus deutschen Landen arbeite. Eine kleine Sensation. Zum anderen hatte Danni Lowinski alias Annette Frier durch ihre Ehrung Gelegenheit, der Branche in ihrer Dankesrede die Leviten zu lesen und nicht wenigen im schwelenden Streit um den neuen Modus des Fernsehpreises aus der Seele zu sprechen.
Mit einem neuen Kategoriensystem haben die Stifter des Fernsehpreises – ARD, ZDF, Sat.1 und RTL – in diesem Jahr für Unmut unter den Kreativen aus Film und Serie gesorgt. Ausgezeichnet werden hier nur noch Schauspieler und das jeweils beste Werk. Einzelleistungen wie Regie und Kamera wurden – bis auf die freie Kategorie „Besondere Leistung Fiktion“ – in die Werkskategorien integriert. Ein Dilemma: Die Filmschaffenden sehen sich nicht mehr ausreichend gewürdigt, die Stifter indes sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Gewichtung des Fernsehspiels in der Fernsehlandschaft mittlerweile eine andere ist, als noch vor einigen Jahren.
Verbände drohten in den vergangenen Wochen mit einem Boykott der Veranstaltung. Der allerdings fiel eher vereinzelt aus. Die ganz Großen der Fernsehszene sieht man in der Regel ohnehin nur auf der Veranstaltung, wenn es einen Preis entgegenzunehmen, oder zu überreichen gilt. Das gilt auch für Vertreter anderer Disziplinen. Moderatoren wie Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Harald Schmidt oder Johannes Kerner gehören eher nicht zu den Stammgästen der Gala.
Der ersehnte Seitenhieb kam von Annette Frier
Als Zeichen des Protests heftete der Schauspielerverband den Vertretern der Zunft bereits auf dem roten Teppich Anstecker mit der Aufschrift „Ich bin preiswert“ ans Revers, T-Shirts mit der Aufschrift „Restnominerte“ waren zu sehen. Anwältin Lowinski alias Frier forderte in ihrer kurzen, aber deftigen Ansprache „die Parteien auf, ihren beleidigten Arsch an einen Tisch zu setzen, um für die Preisverleihung 2011 eine konstruktive Lösung zu finden, so dass wir uns nächstes Jahr wieder alle gemeinsam besaufen können“. Es war der von vielen ersehnte Seitenhieb.
Vor allem bei den Vertretern der Fiktion war der Unmut auch während der Party im Anschluss an die Preisverleihung zu spüren. „Die Stimmung könnte ein bisschen euphorischer sein“, sagte Annette Frier gegenüber DerWesten. Ihr Vorschlag für die Zukunft: „Wir sollten uns ein Beispiel an Amerika nehmen. Da sind die Oscar-Verleihungen stundenlang und gesendet wird ein Best of.“ Friers Protestnote während der Preisgala blieb nicht der einzige Seitenhieb, wenn auch der eindrucksvollste. So berief sich Christoph Bach, der als Bester Schauspieler geehrt wurde, auf Studentenführer Rudi Dutschke – für dessen Darstellung im ZDF-Film „Dutschke“ er geehrt wurde. Auch in der Dankesrede des Filmteams der „Tatort“-Episode „Weil sie böse sind“ mit Ermittlerduo Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf kam die missliche Lage kurz zur Sprache.
Privatsender kommen vermehrt zum Zug
Die Stifter des Fernsehpreises haben einen Spagat zu bewältigen. Mit dem Zusammenstreichen bei den fiktionalen Kategorien sollte auch Platz für Neues geschaffen werden, um die derzeitige TV-Landschaft besser abzubilden. Zum Beispiel mit einem Publikumspreis, der an die ARD-Dauerserie „Sturm der Liebe“ ging. Die Zuschauer hatten im Netz über ihr Lieblingsprogramm abgestimmt. Die ARD-Telenovela konnte sich gegen „Anna und die Liebe“ (Sat.1) und „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ (RTL) durchsetzen. Produzentin Bea Schmidt erklärt sich den Erfolg so: „Wir wollten unsere Zuschauer von Anfang an nur unterhalten“, sagte sie in ihrer Dankesrede.
Das Programm der Privatsender – die ebenfalls viel Geld in die Veranstaltung stecken – fand unter anderem mit der neuen Kategorie „Bestes Dokutainment“ Niederschlag. Als „’ne Infosendung, wo der Zuschauer nicht sofort einpennt“, erklärt Comedien Cindy aus Marzahn als Laudatorin das Genre. Der Preis ging hier an Sternekoch Christian Rach, der mit seinen RTL-Sendungen „Rach – Der Restauranttester“ und „Rachs Restaurantschule“ angehenden und angeschlagenen Gastronomen auf die Sprünge hilft. Stefan Raab räumte mit seiner Castingsendung „Unser Star für Oslo“ gleich doppelt ab. Die Sendung wurde in der Kategorie „Beste Unterhaltung“ geehrt, Raab selbst bekam als „Bester Entertainer“ die in diesem Jahr neu eingeführte Ehrung für eine Besondere Leistung Unterhaltung.
Piel: Es gelte, alle vier Sender an einem Tisch zu halten
Die Auseinandersetzung zwischen den Filmschaffenden und den Stiftern in diesem Jahr macht einmal mehr deutlich, welcher diplomatische Kraftakt hinter dem Deutschen Fernsehpreis steht. Man habe sich im Stifterkreis einhellig auf das neue Kategoriensystem geeinigt, betonte dessen Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel gegenüber DerWesten. „Wenn wir das nicht getan hätten, hätte es vielleicht keinen Fernsehpreis mehr gegeben“, sagte sie. Es gilt, alle vier Sender an einem Tisch zu halten. Angesichts dessen bleibt Piel gegenüber der Drohung eines alternativen Preises durch die Verbände der Filmschaffenden gelassen. „Ich hätte überhaupt nichts dagegen“, sagte sie. Es es sei nun einmal so, dass die Menschen, die einen Preis stiften auch das Recht haben, über die Kategorien zu befinden. „Sonst könnten sich die Verbände den Preis als Stifter und Jury gleich selbst überreichen“, so Piel im Gespräch.
NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann hofft für die Zukunft auf Geschlossenheit der Branche. Er wünscht sich „keine weitere Vereinzelung, sondern die Stärkung der Marke Deutscher Fernsehpreis“. Auch Schauspielerin Annete Frier fände es schade, wenn es zum Bruch käme. Allerdings sagte sie auch: „Wenn jetzt gar keine Bewegung ins Spiel kommt, dann muss man über so eine Alternative natürlich nachdenken.“ Der von Serien-Anwältin Lowinski geforderte Gesprächtermin ist bereits anberaumt.
14:27
@ #5 darkblu2006: Vielen Dank für diese Zeilen, daß sind genau meine Gedanken und Worte!!
14:13
Das ganze ist sowieso überflüssig wie ein Kropf.
Reine Selbstabfeierei auf Kosten der Gebührenzahler.
Also in Zukunft weg damit.
13:37
Ich dachte immer Danni Lowinski wäre von Erin Brokovich abgekupfert...oder baue zumindest darauf auf.
13:30
Deutscher Fernsehpreis ein Skandal!
Was hat sich die ARD nur dabei gedacht? Peinlicher hätte der 12. Deutsche Fernsehpreis in Köln nicht werden können. Allem voran das Moderatoren Duo Sandra Maischberger und Kurt Krömer. Wollte man mit dummen Sprüchen und einem lächerlichen Auftritt lustig wirken? Der Schuss ging wohl nach hinten los. Beleidigungen und Kommentare, die weit unter der Gürtellinie waren konnten weder bei den geladenen Gästen noch bei den Zuschauern im heimischen Wohnzimmer für Erheiterung sorgen. Großes Kopfschütteln aber auch bei den meisten Presiträgern. Da gewinnt eine Serie, die nach 5 Wochen abgesetzt wurde, Lena singt völlig abgenervt ein Medley ihrer vermeindlichen Hits und ach so witzige einstudierte Parodien der Laudatoren verfehlten ihr Ziel völlig. So ist es auch zu erklären, dass Showgrößen wie Günter Jauch und Thomas Gottschalk der Veranstaltung fern blieben.
Gut gefallen dagegen hat mir der Auftritt der ZDF Moderatorin Dunja Hayali, die in einem klasse Outfit erschien und ihre Parternin dabei hatte. Außerdem freute es mich das Stefan Raab und Christian Rach für ihre Arbeit ausgezeichnet wurden.
13:10
Die neue Kategorie „Bestes Dokutainment“ ist der Niederschlag für eine Seriöse TV-Landschaft und der dazugehörigen Preisverleihung.
Bei Computerspielen gab es diese Diskussion doch schon, vorgespielte Wirklichkeiten die die Zuschauer für blöd verkaufen und Klischees und Hass schüren.
Der Unterschied= Computerspiele sind Spiele und für Jeden ersichtlich keine Wirklichkeit auch wenn die Politiker was anderes meinen,
Dokutainments sind hingegen, bei den meisten Menschen die Wirklichkeit bzw. Infosendung
10:35
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10:10
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09:35
- sinnlose Verschwendung von GEZ-Abgaben
- nur Selbstdasteller und product-placement
- es besteht kein Interesse wirkliche Leistungen zu ehren
- offenbar zeigt sich auch hier die Vertrauenskrise in die momentan herrschenden Seilschaften und deren sellbstherrliche arrogante Selbstbedienung
09:15
Das es für eine dieser drei Serien überhaupt einen Preis gab ist doch schon ein Witz .Laiendarsteller nerven nach komplett verblödeten Drehbüchern.Sturm der Liebe“„Anna und die Liebe“ (Sat.1) und „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ (RTL) sind das schlimmste was Fernsehen so zu bieten hat .
08:32
Ich wüsste nicht, was bei uns im Fernsehen überhaupt zu preisen ist. Auf jedem Sender der gleiche Mist seit Jahren. Die einzigen, die das auszeichnungswürdig empfinden, sind die Macher selbst. Das Prädikat Made in Germany ist auf TV Seite mehr als lächerlich, genauso wie die Selbstbeweihräucherung der Stars. Während die öffentlichrechtlichen sich auf die Generation Ü60 eingeschossen hat, versuchen die die privaten das Volk zu verdummen.
Da wären eine Menge goldene Himbeeren nötig, um mal einen Gegenpol zu schaffen.