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Das sind die Gehörlosen hinter dem „Tatort“ aus Saarbrücken

24.01.2016 | 21:42 Uhr
Die gehörlose Tänzerin Kassandra Wedel verdrehte Kommissar Stellbrink in der „Tatort“-Folge „Totenstille“ den Kopf.Foto: SR/Manuela Meyer

Berlin.  „Tatort“-Regisseur Spirandelli konnte für die Folge „Totenstille“ auf die Hilfe vieler Gehörloser zählen – nicht nur vor der Kamera.

Nun haben wir ihn also in seinem fünften Fall gesehen, den eigenwilligen Kommissar Jens Stellbrink alias Devid Striesow. Die Folge war kein Höhepunkt der Serie, aber sie spielte in einem liebevoll und realitätsnah gestalteten Milieu – dem der Menschen ohne Gehör, von denen es nach Angaben des Deutschen Gehörlosen-Bundes etwa 80.000 in Deutschland gibt. Weil in diesen Wert die 16 Millionen Schwerhörigen im Land nicht eingerechnet sind, liegt die Zahl der Menschen höher, die auf Gebärdensprache angewiesen sind. Er wird mit 220.000 beziffert.

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Regisseur Zoltan Spirandelli konnte bei dieser „Tatort“-Episode auf die Mithilfe vieler gehörloser Menschen bauen. So schrieb die Bloggerin Julia Probst am Drehbuch mit – die deutschlandweit sicher bekannteste Aktivistin für Barrierefreiheit und die Inklusion hörbehinderter Menschen. Julia Probst twittert sehr lesenswert unter @EinAugenschmaus über ihr Lebensthema – und erlangte Bekanntheit unter anderem dadurch, dass sie Fußballprofis und -trainern von den Lippen abliest, was sie sich während des Spiels zurufen.

Wesentliche Rollen vor der Kamera mit Gehörlosen besetzt

Aber auch wesentliche Rollen dieses „Tatorts“ waren mit Gehörlosen besetzt – was leider in solchen Fällen immer noch eine Ausnahme darstellt. So wurde die Rolle des Erpressers Ben Lehner mit Benjamin Piwko besetzt, der in Hamburg-Ottensen eine Kampfsportschule betreibt und es als Sportler zu einiger Bekanntheit gebracht hat.

Die Tänzerin Kassandra Wedel, die Kommissar Stellbrink gleich den Kopf verdrehte, war auch mit von der Partie – wie Jessica Jaksa, die Bens Geliebte Ambra Reichert spielte und von Geburt an gehörlos ist. Und auch die Gebärdendolmetscherin Kaiser, die Stellbrink bei seinen Recherchen behilflich war, kannte sich gut aus: Sie heißt im wirklichen Leben Mira-Esther Weischet und ist Gebärdensprachdolmetscherin in Berlin.

„Totenstille“ am Tatort in Saarbrücken

Felix Müller

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Das sind die Gehörlosen hinter dem „Tatort“ aus Saarbrücken
Das sind die Gehörlosen hinter dem „Tatort“ aus Saarbrücken
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2016-01-24 21:42
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