Das Drama "Unterm Eis" verbirgt bitterkalte Gefühle

Die Brüder Jonas (Lucas Prisor, li.) und Isak (David Rott) halten fest zusammen.
Die Brüder Jonas (Lucas Prisor, li.) und Isak (David Rott) halten fest zusammen.
Foto: ARD Degeto/Olaf Raymond Benold
Was wir bereits wissen
Ziemlich seichte Filme war der Zuschauer auf dem ARD-Sendeplatz am Freitagabend gewohnt. Doch mit "Unterm Eis" setzt sich der Änderungsprozess fort.

Berlin.. Herz-Schmerz-Geschichten wie "Utta Danella", "Lilly Schönauer" oder "Die Alpenklinik" haben über viele Jahre den ARD-Sendeplatz am Freitagabend um 20.15 Uhr geprägt. Doch seit einiger Zeit sind dort erfrischend andere, weil ernsthaftere Filme zu sehen wie "Die Zeit mit Euch" oder "Stille Nächte", die man eher am Mittwochabend vermuten würde. Nun folgt mit "Unterm Eis" ein Familiendrama, das an diesem Freitag (6. Februar, 20.15 Uhr, ARD) zu sehen ist - und das sich gut in diese neue Entwicklung einfügt.

Wir befinden uns in Norwegen, die Brüder Isak (David Rott) und Jonas (Lucas Prisor) machen einen Skiausflug in die Gletscher. Bei schönstem Sonnenwetter löst sich eine Lawine und begräbt beide unter den Schneemassen - Isak überlebt schwer verletzt und ist traumatisiert; Jonas' Rucksack wird später gefunden, doch seine Leiche kann nie geborgen werden. Bei Erhalt der schrecklichen Nachricht knetet die Mutter Ingrid (Renate Krößner) stumm in ihrem Kuchenteig weiter, der allmählich erblindende Vater Thore (Henry Hübchen) wird später etwas murmeln wie "Der Tod an sich ist ja schon schlimm. Aber das Zurückbleiben, das tut richtig weh."

Suche nach Daseinsberechtigung

Erst später kommen die Vorwürfe an Isak, der Jonas angeblich zu dem Ausflug gedrängt und seinen Tod in Kauf genommen habe - was natürlich völliger Unsinn ist. Im Gegenteil ist es so, dass sich die beiden Brüder immer sehr gut verstanden haben und beste Freunde waren. Während Jonas die Leitung der familiären Großschreinerei übernommen hat und mit seiner Frau Malin (Julia Hartmann) und seinen beiden Söhnen im Heimatdorf lebt, arbeitet Isak als Informatiker im 100 Kilometer entfernten Alesund und ist mit Stella (Friederike Linke) zusammen. Zur Taufe seines kleinen Neffen Eirik ist Isak erstmals seit langer Zeit wieder zu seinen Eltern gereist - auch, um sich mit dem Vater auszusprechen, der ihm seinen Weggang nie verziehen hat.

ARD-Talk David Rott (37) spielt diesen jungen Mann, der sich ungeliebt und nicht anerkannt fühlt und auf der Suche nach sich selbst ist, mit erkennbarer Zerrissenheit. "Als ich zum Drehort gereist bin, da habe ich angefangen, einfach eine Befragung mit mir selber zu machen: Wie stelle ich mich zu der Figur, wie würde ich mich verhalten. Das war ein spannender Prozess", sagte der Schauspieler der Deutschen Presse-Agentur. "Ich wusste auch nicht, wie man sich in so einem Fall adäquat verhält." Es gehe für Isak um die Suche nach seiner Balance und nach seiner Daseinsberechtigung.

Mehr ambitionierte Filme am Freitagabend

Genau das könnte man auch der ARD und ihrem geänderten Profil am Freitagabend zuschreiben. "Am Freitag Abend sind in der Tat mehr ambitionierte Einzelstücke geplant", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. "Filme, die unterhalten, aber auch relevante Geschichten erzählen sollen. Wir wollen generell unser Programm verjüngen, um damit auch beim Publikum unter 49 Jahren stärker zu werden."

"Unterm Eis" (Regie: Jörg Grünler) hat Elemente eines modernen Heimatfilms, aber vielmehr ist der Film ein psychologisch-hintergründiges Kammerspiel mit einem jungen, eher stillen Helden. Und das wird durch die großartige Landschaft in der Nähe des norwegischen Geirangerfjords (bekannt für seinen wunderschönen Wasserfall "Die sieben Schwestern") durchaus eindrucksvoll untermauert. (dpa)