Daniel Day-Lewis kämpft als "Lincoln" gegen die Sklaverei

Für seine Darstellung des Abraham Lincoln wurde Daniel Day-Lewis bereits zum dritten Mal mit dem "Oscar" als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Für seine Darstellung des Abraham Lincoln wurde Daniel Day-Lewis bereits zum dritten Mal mit dem "Oscar" als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Foto: imago
Steven Spielberg erzählt mitreißend von Abraham Lincolns Kampf gegen die Sklaverei. Daniel Day-Lewis liefert als "Lincoln" eine grandiose Vorstellung.

Berlin.. Wie kann man einer Ikone der amerikanischen Demokratie gerecht werden? Es gibt etliche Spielfilme, Dokumentationen und eine Unmenge Biografien über Abraham Lincoln (1809-1865), den 16. und wohl bedeutendsten Präsidenten der USA. 2012 stellte Regisseur Steven Spielberg ihn in den Mittelpunkt seines Spielfims "Lincoln", der an diesem Donnerstag (9. Juli) um 22.45 Uhr im Ersten läuft.

Spielberg hebt die Titelfigur nicht in den Olymp der Staatsmänner, sondern zeigt einen Politiker, der in einer entscheidenden Phase der US-Geschichte hartnäckig für seine Überzeugungen kämpft - nicht mit Waffen, sondern mit Worten, Witz und Argumenten.

Das Drama beschränkt sich klug auf die vier Monate im Leben Lincolns, als der Bürgerkrieg seinem Ende entgegenging und der Präsident die gesetzlichen Grundlagen für die Abschaffung der Sklaverei schaffen musste. Es ging ganz profan darum, eine Mehrheit für dieses Ziel zu organisieren, eine Herkulesaufgabe angesichts der Mehrheitsverhältnisse.

Daniel Day-Lewis brilliert

Lincoln betreibt Realpolitik, bindet frühere Konkurrenten in sein Kabinett ein, und übt sich nach dem Ausspruch von Max Weber im "Bohren harter Bretter". Demokratie als mühsames, unglamouröses Geschäft. Für die "New York Times" entfaltet der Film "eine Lektion in Staatsbürgerkunde, energisch und mit moralischer Verve inszeniert".

Das pointierte Drehbuch des Pulitzerpreisträgers Tony Kushner ("Angels in America") zeigt Lincoln als liebenswürdigen, etwas kauzigen Hinterwäldler, ein Provinzanwalt aus Springfield, Illinois, der für sein Leben gern Geschichten erzählt, dies meisterhaft beherrscht, und seinen politischen Scharfsinn und Ehrgeiz mit einer hart antrainierten Schrulligkeit tarnt.

Daniel Day-Lewis ("Gangs of New York") hat sich diese Figur bis in die letzten Bartspitzen angeeignet. Für diese Ausnahmeleistung wurde er mit einem Oscar als "Bester Hauptdarsteller" ausgezeichnet. In "Lincoln" gibt er neben dem Politiker einen fürsorglichen Vater, der seinen ältesten Sohn Robert (Joseph Gordon-Levitt) vor dem Krieg bewahren will, sich rührend um seinen jüngsten Spross Tad kümmert und im Dauerclinch mit seiner streitsüchtigen Ehefrau Mary (Sally Field) liegt.

Keine trockene Geschichtsstunde

Das Ensemble wird komplettiert von einer Riege großartiger Mitstreiter und Widersacher, angeführt vom bärbeißigen Sklaverei-Hasser Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones), dem gewieften Parteistrategen William Seward (David Strathairn) und dem alten Haudegen Preston Blair (Hal Holbrook).

"Lincoln" ist aber trotz des Fokus' auf die Politik keineswegs eine staubtrockene Geschichtsstunde geworden, sondern brilliert als opulent in Szene gesetztes Kostümdrama, in erlesenen Braun- und Grau-Tönen eingefangen von Spielbergs langjährigem Kameramann Janusz Kaminski.

Da kann man Bärte und Frisuren bestaunen, prächtige Sommerhäuser, Kutschen und gediegene Interieurs, selbst die vom Kanonenrauch verdüsterten Schlachtfelder des Bürgerkrieges leuchten in erlesener Melancholie wie Gemälde von Caspar David Friedrich. (dpa)

ARD, Donnerstag, 09.07., 22.45 Uhr