Cordula Stratmann wird Hobby-Detektivin
30.06.2009 | 07:54 Uhr 2009-06-30T07:54:00+0200
Xanten. Die Kabarettistin und Komikerin Cordula Stratmann ("Annemie Hülchrath", "Schillerstraße") hat zum ersten Mal eine Rolle in einem Fernsehfilm übernommen. In der Krimikomödie "Ein Fall für Fingerhut" spielt sie die Hobby-Detektivin Carla Fingerhut . Eine ganz schön ernste Angelegenheit.
Das Leichte ist die schwerste Sache der Welt. Komiker arbeiten Nächte durch, nur um die Pointen sicher zu machen. Bei den Comedians hingegen denkt man: Die können immer, und das einfach so. Cordula Stratmann zum Beispiel.
Der Witz, das Lachen – sie gehören zu ihr wie die Annemie Hülchrath, von der es heißt, sie wurde auf einer Karnevalsfeier erfunden. Doch es gibt Momente, da fällt Frau Stratmann das Schenkelklopfen schwer.
Das sind die Momente, in denen sie ernst wirkt. Trotzdem beendet sie jeden Satz mit einem Lacher. Warum nur? Vielleicht weil es zur Profession gehört. Man hat den Eindruck, dass diese so häufig preisgekrönte Frau ihren Job sehr ernst nimmt.
Der Tag war hart
Cordula Stratmann dreht einen Film. Jetzt hat sie Drehpause. Der Tag war hart. Morgens früh schon bei der Polizei. Immer wieder ist sie mit dem Rad durch die putzige niederrheinische Stadt Xanten gestrampelt. Ja, alle waren nett. Ja, ja. Hierin, dorthin. Abends spät noch einen Dreh auf der Bowlingbahn. „Es macht total Spaß”, sagt sie. Und man weiß nicht: Meint sie das ernst?
Man sucht die Antwort in ihrem Gesicht. Und findet zwei Wahrheiten. Das Lachen, das große Zähne zeigt. Die Augen, die sehr ernst schauen. Ein bisschen streng?
Muss Lachen eigentlich von Herzen kommen? So eine Frage stellt man nicht. Man hat überhaupt ein bisschen Angst, falsche Fragen zu stellen. Angst, von diesem blonden Redetalent in die Schranken gewiesen zu werden. Angst, dass einem so etwas entgegnet wird wie „Das weiß doch jedes Kind!” – so lautet der Titel ihrer großen Unterhaltungs-Show. Auch wenn sie gelernte Sozialarbeiterin und nicht Lehrerin ist, verfügt sie über Zeigefinger-Autorität.
Jetzt dreht sie ihren ersten Film
Jetzt aber dreht sie einen Film. Einen Krimi. Eine Krimikomödie. „Ein Fall für Fingerhut”. Sie spielt eine Hobbydetektivin. Warum man sich den Film angucken sollte? „Weil er Spaß macht.” Mehr sagt sie nicht. Nicht wirklich. Kollege Götz Schubert, der den Kommissar spielt, justiert nach. Sagt etwas von schwarzem Humor, skurrillem Humor, von hintergründigem Witz.
Cordula Stratmann, so scheint es, hat den Kopf nicht frei fürs Quatschen, was schon, so scheint auch das, eine neue Erfahrung ist. Die Protagonistin wirkt ein wenig genervt. Wenn der Wind im Haar das Foto stört. Wenn drei klebrige Flecken auf dem Tisch nicht sofort weggewischt werden. Holla, dann kann sie aber Befehle erteilen.
Cordula Stratmann ist eine kleine zarte Frau mit einer großen Klappe. Auch wenn sie schon 46 Jahre alt ist, Mutter eines drei Jahren alten Sohnes, sagt sie Wörter wie „geil” und „angepisst”. Berufsjung? Schämen wir uns nicht fremd, schieben wir es auf den Stress am Set.
Humor ist eine Hilfe
Der Produzent, der Redakteur, ihr Kollege – alle zeigen ihr, dass sie sie mögen. Sie war die Wunschbesetzung für Carla Fingerhut, die Gärtnerin, die schlauer ist als die Polizei erlaubt. Gärtnern könne sie gar nicht, sagt sie. Und ob sie die Krimirolle kann? Da überlegt sie schon sehr. Sie hat sich einen Coach genommen, mit dem hat sie geübt. „Sonst hätte ich das nicht gemacht.” Das Genre fordert ihr Respekt ab. Extra habe sie sich keine Miss-Marple-Filme angeschaut. Und ob sie überhaupt Krimis liest? Hm. Ob sie überhaupt liest? Ja, wenn es gut ist.
Gut – das ist ein Stempel, der ihr gefällt. Auch für ihr Privatleben. Gut ist, dass der dreijährige Emil von Papa versorgt wird. „Es sollte für alle Väter selbstverständlich sein.” Und was ist, wenn der Papa keine Zeit hat? „Dann nimmt man sich eine Kinderfrau.” Gibt doch genügend Angebote, um das Leben zu organisieren. Das weiß doch jedes Kind.
Der Humor gehört zu ihr
Cordula Stratmann war nicht immer Comedian. Acht Jahre hat sie als Familientherapeutin gearbeitet. Wenn sie das erzählt, lacht sie weniger. Man sieht die strenge Falten zwischen Nase und Mund. Der Humor, sagt sie, hat ihr bei der Arbeit sehr geholfen. Humor sei eine Hilfe, Distanz zu schaffen.
Warum, wieso? Keine Zeit, der Film will weitergehen. Sie muss weitermachen. Sie klopft noch ein paar Sätze nach, dass Humor zu ihr gehöre und so. Und dass sie ihn so gut wie nie verliere. Höchstens beim Autofahren, wenn einer nicht blinkt. Aber darüber will sie nicht reden. Weil sie sich jetzt auf ihre Aufgabe konzentriere, die Krimikomödie. Das Leichte ist ein schweres Geschäft.
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