Christiane Seidel: Eine Deutsche mordet sich durch "Boardwalk Empire"

Mit ihrer Rolle in der Erfolgsserie "Boardwalk Empire" sorgt die deutsche Schauspielerin Christiane Seidel in Hollywood für Furore. Im Interview spricht sie über ihre deutschen Wurzeln, ihre roten Haare und spaßige Mordszenen.

Die deutsche Schauspielerin Christiane Seidel (29) hat es geschafft: Die Tochter eines in Texas stationierten deutschen Marine-Piloten schickt sich an, mit ihrer Rolle in der preisgekrönten HBO-Serie "Boardwalk Empire", in Deutschland bei Bezahlsender Sky zu sehen, in Hollywood Karriere zu machen. Im Interview mit spot on news spricht sie über ihre deutschen Wurzeln und verrät, was sie sich von ihrer ersten Gage gekauft hat.


Sind deutsche Wurzeln ein Vor- oder ein Nachteil, wenn man in den USA Karriere machen möchte?


Christiane Seidel: Ich denke, es ist ein Vorteil, denn die typisch deutschen Tugenden, wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit, werden sehr geschätzt. "Made In Germany" kommt ganz gut an. Nach dem Motto: Wer so gute Autos baut, der kann nicht schlecht sein. Aber da ich meine Kindheit in den USA verbracht habe, trete ich dennoch meist als Amerikanerin auf, damit ich nicht auf die europäischen Rollen reduziert werde.


Trotzdem wurden Sie in "Boardwalk Empire" als norwegisches Kindermädchen besetzt. Wie kam es dazu?


Seidel: Durch ein Casting. Ich war eine von vielen Bewerberinnen und hatte mit einem Coach den norwegischen Dialekt geübt. Warum ich das Rennen machte, kann ich gar nicht genau sagen. Im Nachhinein habe ich gehört, dass die Haar- und Makeup-Artisten wohl von meinem Look begeistert waren. Ich hatte mir die Haare dem Motto gerecht im 20er Jahre Stil geflochten.


Was braucht es, um in Hollywood Karriere zu machen?


Seidel: Es ist ein Mix aus Talent, Ehrgeiz, Glück und guten Kontakten. Was davon am wichtigsten ist, kann man gar nicht sagen, weil es bei jedem anders läuft. Die Tatsache, dass es keine richtige Formel gibt, kann einen manchmal in den Wahnsinn treiben, weil man einfach nie genau weiß, wo man ansetzen soll. Oft ist es einfach purer Zufall, der darüber entscheidet, was aus dir wird. Die einzige Regel lautet: Input ist nicht gleich Output!


Was tun Sie, damit es klappt?


Seidel: Ich gebe immer 150 Prozent, bin sehr ehrlich, bin offen für Menschen und bleibe stets dankbar und demütig. Und ich führe mir immer vor Augen, dass die Geschichte wichtiger ist als ich. Man darf nicht der in unserer Branche so verbreiteten Egomanie verfallen. Denn es geht immer um mehr, als nur um einen selbst.


Sind Ihre roten Haare ein Wettbewerbsvorteil?


Seidel: Sie können helfen. Als Kind habe ich sie gehasst, weil ich deswegen immer gehänselt wurde, aber heute bin ich happy damit aus der Masse herauszustechen. Das angeblich so typische rothaarige Temperament bringe ich auch mit.


Das war bestimmt von Vorteil, als Sie in der Serie einen Mann mit dem Fleischklopfer erschlagen mussten.


Seidel: Das schwierige an der Szene war vor allem, ihn nicht zu verletzen. Wir haben lange üben müssen, bis das gesessen hat. Aber es war lange nicht so anstrengend wie die Liebesszenen. Das finde ich viel schwieriger, weil sie intimer sind und sehr technisch ablaufen. Generell gilt: Mordszenen machen Mordsspaß.


Werden Sie in der fünften Staffel auch wieder zuschlagen?


Seidel: Das darf ich nicht verraten. Nur so viel: Wir machen einen Zeitsprung sieben Jahre in die Zukunft. Sigrids Ehe befindet sich im verflixten siebten Jahr und hat eine sehr interessante Entwicklung hinter sich. Es wird sehr speziell.


Haben sich für Sie zuletzt neue Türen geöffnet?


Seidel: Es sind Türen da, die vorher nicht da waren, aber durch die muss man trotzdem erst mal durch gehen. Und es gibt viele tolle Mitbewerberinnen, die da auch durch wollen. Aber ganz besonders habe ich mich gefreut, dass ich durch meine aktuelle Arbeit so viele beeindruckende und berühmte Kollegen, wie Steve Buscemi, Michael Shannon oder Martin Scorsese kennenlernen durfte. Außerdem gehöre ich durch die Serie jetzt zur großen HBO-Familie, war zu den Emmys eingeladen und durfte die Kollegen meiner Lieblingsserie "Game of Thrones" kennenlernen. Manchmal muss ich mich schon kneifen um zu glauben, dass das alles wirklich geschieht.


Warum ist in den USA alles viel größer und erfolgreicher als hierzulande?


Seidel: Weil die ganz andere finanzielle Ressourcen haben. Da schreiben viele verschiedene Autoren an einer Serie, es gibt sogar welche, die nur für einen Charakter zuständig sind. Das kann sich keine deutsche Produktion leisten. Außerdem gibt es eine sehr starke Gewerkschaft, die uns schützt und sich um die Krankenversicherung und die Buyouts kümmert. Man fühlt sich da als Schauspieler einfach sehr gut aufgehoben.


Was haben Sie sich von Ihrer ersten HBO-Gage geleistet?


Seidel: Ein Paar Jimmy Choo Schuhe, die ich schon immer haben wollte und mir nie leisten konnte.


Was kann man trotz Geld als Deutscher in New York nicht finden?


Seidel: Katjes und alkoholhaltigen Glühwein, die zwei Sachen, die ich hier am meisten vermisse. Ich klappere stets alle deutschen Weihnachtsmärkte und Bäckereien ab, aber das ist einfach nicht dasselbe.