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Charlotte Roche auf Abfalltour

01.10.2008 | 07:47 Uhr
Charlotte Roche auf Abfalltour

Duisburg. Sie kann auch anders. In Duisburg war sie mit Müllmännern für ihre neue 3sat-Reihe "Charlotte Roche unter..." unterwegs.

Ein "charmanter Aufprall" zwischen Abfalleimer und Aufnehmer: Charlotte Roche hilft dem Duisburger Müllmann Michael "Michi" Wolski bei der Arbeit. (c) ZDF / Jochen Schmitz)

"Der Michi? Ja, der is' da hinten!" Der Mann in Orange grinst. Schließlich haben die Duisburger Müllmänner wohl nicht oft Besuch von einer solch jungen und auch hübschen Berühmtheit. Doch wer jetzt einen neuen Angriff der Banalitäten auf Gehirn und Nerven der deutschen TV-Allgemeinheit fürchtet, liegt daneben. Es ist Charlotte Roche, Grimmepreis-dekoriert, die frühmorgens im verregneten Ruhrpott nach Müllmann "Michi" fragt, um mit ihm und seinen Kollegen gemeinsam auf Abfalltour zu gehen. Und das macht sie so geradeheraus und doch so höflich, dass es einen vergessen lässt, wer hier eigentlich vor der Kamera steht: Deutschlands einstige Musikfernseh-Ikone und immer noch Vorzeige-Provokateurin.

Kontrastprogramm zu später Stunde

Charlotte Roche im Caritas-Altenzentrum St. Heribert. (c) ZDF / Jochen Schmitz

"Charlotte Roche unter..." heißt die fünfteilige 3sat-Reihe, in der Roche, die sich gerade erst mit ihrem Skandalroman "Feuchtgebiete" in aller Munde geschrieben hatte, ab heute, allerdings erst auf spätem Sendeplatz, dazu eine Art telemediales Kontrastprogramm auffährt.

Dabei klingt das Konzept gar nicht neu: Roche mischt sich als "Praktikantin" unter Leute, deren Jobs jeder kennt, über die aber keiner so genau Bescheid weiß. Ganz "unverfälscht" soll so ein Berufsbild vom Müllmann, vom Bestatter, vom Jäger, vom Trucker oder vom Altenpfleger entstehen, ohne Regie, ohne Drehbuch, ohne Regeln.

Aber andere Berufsreportagen haben eben nicht eine Charlotte Roche. "Es geht letztendlich darum, was zwischen mir und den Vertretern dieser Berufe in unserer gemeinsamen Zeit passiert", sagt die gebürtige Britin über ihre neue Reihe und spricht vom "charmanten Aufeinanderprall".

Und der funktioniert, weil Roche Roche ist. Natürlich, so gibt die 30-Jährige zu, "kaspere" auch sie ihre Vorurteile ab. Aber Roche versteht es, ihr Interesse so nett, lustig, direkt und doch mit allem gebotenen Ernst rüberzubringen, dass man ihr so manches Augenklimpern aus den großen Reh-augen und die fragende Kleinmädchenstimme verzeihen mag. Das soll persönlich und nah am Zuschauer sein - zumindest ist es aber authetisch. Man nimmt es ihr ab, wenn sie in der ersten Folge heute Bestatter Ferdinand Pfahl gegenüber gesteht: "Ich bin aufgeregt und habe Angst", und dieser sie ganz galant beruhigt: "Der Tote tut doch keinem was!"

Einst ein wildes Mädchen

Charlotte Roche mit dem Bestatter Ferdinand Pfahl Honorarfrei. (c) ZDF / Jochen Schmitz

Das "Ohne Regeln" und keine Scheu vor schwierigen Fragen sind aber das einzige, das Roche aus ihrer bewegten Vergangenheit mitgenommen zu haben scheint. Denn derlei braves Fernsehschaffen schien lange undenkbar. Charlotte Roche hat wilde Zeiten hinter sich.

Geboren in der Nähe von London, kam sie mit vier Jahren nach Deutschland und lebte in der Nähe von Viersen. Mit 15 gründet sie eine Punk-Band, mit 20 ist sie Moderatorin beim damaligen Musiksender "Viva 2". Mehr noch: Mit ihrer Sendung "Fast Forward" wird sie zur Ikone einer Generation von Fans der Alternativ-Musik. "Viva 2" gibt's schon seit 2002 nicht mehr und zum TV hatte Roche lange Zeit ein eher zwiespältiges Verhältnis: "Mit dem Fernsehen habe ich irre schlechte Erfahrungen gemacht", lässt sie heute verlauten.

Auch die Gesichtspiercings, einst Roches Markenzeichen, sind längst verschwunden. Die Zeit ist reif für einen neuen Anlauf, so scheint es. Das einstige Girlie ist nicht nur Mutter einer Tochter, sondern auch erwachsen geworden. Und das steht ihr richtig gut. Aus Deutschlands beliebtester Rotzgöre ist eine durchaus ernstzunehmende Marke geworden. (NRZ)

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Maren Giese

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