Bodensee-"Tatort" mit Eva Mattes dümpelt dahin, als läge er unter Alk-Nebel

Der Weinexperte und die Polizei: Felix Manteuffel und Eva Mattes.
Der Weinexperte und die Polizei: Felix Manteuffel und Eva Mattes.
Foto: Martin Furch/SWR
Was wir bereits wissen
Ein leicht benebelter "Tatort" mit historischen Anklängen: "Château Mort" mit Eva Mattes als Kommissarin Blum ist ein arg betulicher Bodensee-Krimi.

Konstanz.. Einen Rekord immerhin stellt der Bodensee-Tatort "Château Mort" ganz gewiss auf: Klara Blums Kollege Perlmann klärt ganz nebenbei in einem Weinkeller einen 166 Jahre alten Mord aus den Tagen der badischen Revolution auf – das dürfte so schnell keiner überbieten.

Allerdings hilft die ausgesprochen hübsche Idee, einem Mordfall von 2015 historische Dimensionen zu verleihen, dieser doch sehr betulichen Folge kaum auf die Sprünge.

Blum (Eva Mattes) und Perlmann (Sebastian Bezzel) müssen den gewaltsamen Tod eines jungen Obdachlosen untersuchen, dessen Leiche aus dem Bodensee gezogen wird. Im Rucksack stecken ein paar Flaschen sündhaft teuren Rotweins. Etwa der Hochzeitswein der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die in den 1848er Wirren vergeblich auf ihren geliebten Revoluzzer wartete?

Kriegerische Szenen zwischen Soldaten und Aufständischen

Autor Steffen Dähnert und Regisseur Marc Rensing schalten um auf eine Zeitreise. Die kriegerischen Szenen zwischen Soldaten und Aufständischen erinnern allerdings in ihren bescheidenen Mitteln an die spielerischen Einsprengsel in Dokumentarfilmen, denen man etwas mehr Leben einhauchen will. Der Anführer wird eingemauert; der Hochzeitswein bleibt in den Flaschen.

ARD-Krimireihe Was ist nun in den gefundenen Flaschen? Da kommt der Weinpapst ins Spiel, den Felix Manteuffel zu einem wunderbar snobistischen Genussmenschen veredelt. Wie er mit Blum und dem hinzugezogenen Schweizer Kollegen Matteo Lüthi (Roland Koch) etwas später in schweren Sofas den uralten Tropfen, immerhin ein vermeintliches Beweisstück, gemeinsam wegsüffelt, das ist gewiss die schönste Szene in diesem Film.

Die Suche nach dem Täter wird zum zähen Unterfangen

Der wie immer etwas zu forsche Lüthi ist dazugestoßen, weil er gegen Schweizer Auktionshäuser ermittelt, die Steuerbetrügern helfen, ihre Millionen im Ausland zu verstecken und unter anderem auch in historische Luxusweine zu investieren. Ähnlich wie Manteuffel legt auch Sibylle Canonica ihre durchtriebene Auktionspatin fast schon ein wenig komödiantisch an.

Tatort Was weniger Freude bereitet ist die Tatsache, dass der Krimi selbst dahindümpelt, als läge er unter einem leichten Alkoholnebel. Die am Bodensee sonst ja durchaus stimmige Entschleunigung wird diesmal auf die Spitze getrieben; die Suche nach dem Täter wird zum zähen Unterfangen.

Wer Blums (un)heimliche Lust auf den kantigen Lüthi schon seit Jahren verfolgt, der wird immerhin mit einer originellen Geburtstagsszene zwischen den beiden getröstet, an dessen Ende sogar ein zarter Kuss steht. Gottlob siezt man sich am nächsten Tag wieder. Noch drei Fälle lang, denn dann machen Mattes, Koch und Bezzel Schluss. Vielleicht wird es auch Zeit.

Fazit: 2015er Tatort, Herkunft Bodensee, Hersteller Marc Rensing. Liebliche Noten im ersten Moment, aber im Abgang doch leider ziemlich schal.

ARD, Sonntag, 8. Februar, 20.15 Uhr