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Bettina Wulff im Fokus bei Beckmann - ist Google böse?

14.09.2012 | 07:02 Uhr
Bei Reinhold Beckmann diskutierten Journalisten über die Verbreitung der angeblichen Rotlicht-Vergangenheit von Bettina Wulff.Foto: Getty

Essen.  Ist Google wirklich böse und Bettina Wulff das Opfer? Oder hat die ehemalige First Lady auch ihren Teil zu der aktuellen Diskussion um ihre Vergangenheit beigetragen? Bei Beckmann in der ARD suchten Journalisten nach Erklärungen. Doch auch sie sind Teil einer Maschinerie, die kaum zu stoppen ist.

Bettina Wulff, ihre umstrittene Autobiografie und ihre Klage gegen Google sind auch bei Reinhold Beckmann angekommen. Die Diskussion stand unter dem Thema „Cybermobbing“ und Rufmord im Internet. Eigentlich ging es aber weniger darum, wie man sich vor übler Nachrede im Netz schützen kann als vielmehr um die Frage: Will die ehemalige First Lady nur den Verkauf ihres Buches anfeuern oder ist sie womöglich wirklich ein Opfer? Und wenn ja, wer ist schuld daran? Womöglich wirklich Google?

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie erwarten hier hoffentlich kein wortgetreues Resümee der gestrigen Beckmann-Sendung, denn das werden Sie nicht bekommen. Wenn Sie dieses hier lesen, dann haben Sie die Talkshow sicher selbst gesehen, wenn Sie das nicht haben, können Sie sie jederzeit in der ARD-Mediathek anklicken und genießen. Sie werden dort zunächst drei Journalisten und Herrn Beckmann sehen, die sich fragen, wie ein Gerücht wie das über Bettina Wulffs angebliche Rotlicht-Vergangenheit sich so weit verbreiten konnte, dass sie jetzt dagegen klagt. Nur leider stecken die drei Journalisten, die Reinhold Beckmann zu Gast hatte, in diesem Prozess genauso drin wie Sie und ich auch. Würde ich anderes behaupten, Sie würden mich als Esel enttarnen, der einen anderen Esel Langohr schimpft. Also tun wir gar nicht erst so.

Jede Bemerkung ist Futter für Google, egal, von wem es kommt

Nun doch ein wenig zum Inhalt: Der freie Journalist Hajo Schumacher („Berliner Morgenpost“), TAZ-Chefredakteurin Ines Pohl und Ralf Wiegand von der Süddeutschen Zeitung  diskutieren darüber, wie sich die Gerüchte um Bettina Wulff und ihre Vergangenheit so haben verbreiten können, wie sie es schließlich getan haben. Wiegand erinnert sich daran, dass noch zu Vor-Präsidentschafts-Zeiten CDU-Politiker im Niedersächsischen Landtag vor Journalisten passende Andeutungen haben fallen lassen. Dann kam ein 88-jähriger Blogger aus Hamburg ins Spiel, der das Gerede erstmals im Internet veröffentlicht hat.

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Bettina Wulff klagt unter anderem gegen Google , weil dessen Autovervollständigung ihren Namen mit dem ältesten Gewerbe der Welt in Verbindung bringt und damit im Internet unwiederbringlich verbreitet wird. Google spiegelt in erster Linie aber das wieder, was die Leute wissen möchten. Und da sind die Medien – seien es Blogger, Zeitungen, Online-Portale oder Polittalk-Sendungen – ein wenig mit Schuld dran.

Wie Ralf Wiegand so schön sagt: "Ich finde es erschütternd, was wir zu einer Nachricht erheben! Anonymes Gequatsche!" Oder man schreibt darüber, dass andere etwas behaupten, wie die SZ. Oder man schreibt darüber, dass andere etwas von einem selbst behaupten, wie Frau Wulff . Alles ist Futter für Google, egal, von wem es kommt.

Und damit sind wir auch schon wieder bei diesem Text: Hier schreibe ich darüber, wie andere darüber reden, dass über etwas berichtet wurde, was jemand anderes nur gehört hatte. Sie bemerken den Schneeball-Effekt und die verworrenen Meta-Ebenen? Haben Sie eigentlich schon einmal "Bettina Wulff " in die Google-Suchmaske eingegeben? Hand aufs Herz. Oder sind Sie so vielleicht sogar auf diesen Text gestoßen?

Wie viel Schuld trägt Bettina Wulff an der Misere?

Nun ja, wir bemühen uns ja auch, es Google bei unseren Stichwörtern so einfach wie möglich zu machen.  Aber das wissen Sie ja. Wir können uns da alle nichts vormachen. Wir nutzen das Internet, Facebook, Google, und werden selbst davon benutzt. Werkzeug oder Waffe, Medizin oder Gift – aber genug davon, ich bin weder Kant noch Descartes und auch Sartre habe ich mir nie so ganz zu Gemüte geführt. Also Finger weg von der Philosophie.

Mit dem Buch "Jenseits des Protokolls" lässt Bettina Wulff tief blicken und feuert die Diskussion um ihre Person weiter an.Foto: dapd

Die lässige First Lady

Die Chance für Bettina Wulff, Google zu besiegen Vielleicht ist Bettina Wulff aber erstens selber schuld an ihrer Misere und zweitens nur darauf aus, ihr Buch zu vermarkten, wie die drei Journalisten bei Beckmann vermuten. „Das Buch ist auch wirklich schlecht“, findet etwa Ines Pohl. Gerade die Tatsache, dass die Politikergattin sich erst zwei Jahre nach dem Aufkommen der Gerüchte dagegen wehrt, spreche doch Bände, meint Hajo Schumacher: "Ich kämpfe doch nicht erst für mein Recht, wenn mein Buch rauskommt!" Einen Atemzug später wirft er noch den so trefflichen Begriff "Rufselbstmord" in die Runde.

und die brodelnde Gerüchteküche aus dem Netz zu löschen, hält der hinzugezogene Internet-Experte Christian Scherg übrigens für aussichtslos.

Cybermobbing kann noch immer jeden treffen

Sicher ist nur: Wir sind alle nicht sicher. Cybermobbing, ein Begriff, der sich in etwa so antiquiert anhört wie Chatroom, ist noch immer ein Thema. Es trifft auch Nicht-Prominente, wie etwa die Schülerin Sylvia Hamacher, die seit einigen Jahren mit dem Buch zu ihrer Leidensgeschichte durch die Talkshows tingelt und die Zuschauer ob ihrer Charakterstärke noch immer sprachlos macht. Sogar Reinhold Beckmann. Und wenn Bettina Wulff wirklich ein Opfer ist und keine gerissene Geschäftsfrau, dann sollten wir ihr Glück wünschen, dass sie die Gerüchte um ihre Person aus der Welt schaffen kann.

Tja, und jetzt ist es so, wie mit dem rosa Elefanten, an den Sie bitte NICHT denken sollten: geben Sie "Bettina Wulff" bei Google ein, sind Sie Teil dieser Rufmord-Kampagne. Übrigens: Was glauben Sie, was Google vorschlägt, wenn man nur "be" in das Suchfenster eingibt? Probieren Sie es aus oder lassen Sie es.

P.S. (Das ist angeblich der Teil eines Briefes, den man am häufigsten liest) Für diesen Text habe ich mich natürlich auch der Hilfe von Google bedient. Ich wollte zunächst wissen, wie Herr Beckmann mit Vornamen heißt (Reinhold, siehe oben), wie man Descartes schreibt (Französisch war in der Schule nie mein bestes Fach), wie das Sprichwort mit dem Esel und dem Langohr richtig heißt und wie sich Beckmanns Gäste korrekt schreiben. Und eben, während  die Sendung noch lief, hat mein Freund auf seinem Nicht-IPhone sofort "be" gegooglet. Schuldig im Sinne der Anklage.

 

Pia Mester

Kommentare
17.09.2012
15:05
Bettina Wulff im Fokus bei Beckmann - ist Google böse? Ist das Internet böse?
von Guntram | #25

Schade, ich hätte Frau Wulff in ihren noch recht jungen Jahren mehr Kenntnis über das Internet zugetraut. Es ist doch total albern, sich auf Google zu...
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2012-09-14 07:02
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