"Besser als du" - Christoph Maria Herbst in Doppelrolle

Herbst im Doppelpack: Als abgebrannter Schauspieler Tom (rechts) pumpt er seinen Bruder Matthias an.
Herbst im Doppelpack: Als abgebrannter Schauspieler Tom (rechts) pumpt er seinen Bruder Matthias an.
Foto: Wolfgang Ennenbach/ARD Degeto
Was wir bereits wissen
Christoph Maria Herbst brilliert in einer Doppelrolle. In "Besser als du" treffen Zwillingsbrüder aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Eine bekannte Thematik, die zu einer der unterhaltsamsten Komödien der letzten Monate zählt.

Essen.. Zunächst ist es mal ein Morgen wie viele. Immer wieder hat sich Matthias Pretschke (Christoph Maria Herbst) auf der Fahrt zur Arbeit eingeredet „Ich bin entspannt und gelassen“. Doch kaum hat er eingeparkt vor seiner Logopädie-Praxis, da ist es mit beidem nicht mehr weit her. Denn als er schaut, wer denn da gerade an die Tür seines soliden Schweden-Kombis geklopft hat, sieht er sich selbst. Obwohl da gar kein Spiegel ist.

„Das ist ‘ne Überraschung Alter, was?“, fragt sein kaugummikauendes Gegenüber, das sich Tom Senger nennt. Und dann ist man auch schon mittendrin in dieser Komödie über Zwillinge, die unterschiedlicher nicht sein können, als sie sich nach gut 50 Jahren erstmals wiedersehen.

Geschicktes Drehbuch, clevere Dialoge

Natürlich wissen erfahrene TV-Zuschauer an dieser Stelle, wie es weitergeht. Und wahrscheinlich liegen sie da anfangs auch nicht völlig falsch. Denn selbstverständlich tauschen die Zwillinge – wenn auch nicht ganz freiwillig – ihre Rollen. Wie sie das aber machen, und was anschließend mit ihnen passiert, das macht diesen ARD-Freitagsfilm "Besser als du" zu ei­ner der unterhaltsamsten Komödien der letzten Monate.

Kino Das ist zum einen das Verdienst des Drehbuches, das oft Gesehenes so geschickt variiert, dass es überraschend wird. Die Dialoge sind oft witzig ohne albern zu werden. Die Geschichte ist komisch, bleibt aber stets weit weg von der Klamotte, die man vielleicht befürchtet.

Das liegt auch daran, dass Figuren, die man anfangs nicht besonders mag, so clever angelegt sind, dass man sie im Laufe der Zeit immer sympathischer findet. Vor allem aber liegt es an Christoph Maria Herbst, der über 90 Minuten eine Zwei-Mann-Show abliefert, wie man sie lange nicht gesehen hat im deutschen Fernsehen.

Weit weg von "Stromberg"

Gang und Gestik, Mimik und Marotten, Herbst versteht es, zwei optisch völlig identische Figuren, durch Kleinigkeiten zu zwei unterschiedlichen Charakteren zu machen. Und keiner von beiden verkommt dabei zum Klischee oder erinnert zu aufdringlich an Herbsts Paraderolle „Stromberg“. Herbst setzt nicht auf großes Geschrei, bevorzugt die leisen Töne und hat das perfekte Timing.

Und so ist es ein echter Spaß, zu sehen, wie Tom die eingefahrene, kurz vor der Scheidung stehende Ehe seines biederen Bruders zu retten versucht und dabei mit einfachsten Mitteln sogar Zugang zum stotternden Sohn findet, den Matthias nie heilen konnte.

Und wie der stets rational denkende Familienvater im Gegenzug die brach liegende Karriere Toms durch ungewöhnliche Leistungen beim Vorsprechen wieder in Gang bringt. Ulrike C. Tscharre als an der Ehe zweifelnde Ehefrau und Sophie von Kessel als Kollegin und Ex-Geliebte des Schauspielers können da schon drehbuchbedingt nicht mithalten, sind aber in ihrer Rollen ideal besetzt und runden das Vergnügen ab.

Natürlich ist das am Ende alles doch weit weg von der Realität. Schließlich ist es Freitagabend, und wir sind bei der ARD. Aber so unterhaltsam war es schon ewig nicht mehr, diesen Sender an diesem Wochentag einzuschalten.

Fazit: Bekannte Thematik, gut variiert und mit einem überragenden Hauptdarsteller. Soll noch ei­ner sagen, das deutsche Fernsehen könne keine Komödie.

Freitag, 17. April, ARD, 20.15 Uhr