Bei X-Factor singt sich David Pfeffer mit Tränendüsen-Auftritt ins Finale

David Pfeffer, Nica & Joe and Raffaela Wais stehen im Finale von X-Factor bei Vox.
David Pfeffer, Nica & Joe and Raffaela Wais stehen im Finale von X-Factor bei Vox.
Foto: Vox/Ralf Jürgens
Was wir bereits wissen
Mit einem Tränendüsen-Auftritt hat es David Pfeffer ins Finale der Vox-Castingshow X-Factor geschafft. Der Duisburger Polizist polarisiert zwar in Internet-Foren mit seinem Balladen-Gesang. Letztlich riefen genug X-Factor-Fans für David Pfeffer an. Rausgeflogen ist im Halbfinale Rufus Martin.

Essen.. Er hat es wieder getan. David Pfeffer, hauptberuflich Polizist aus Duisburg, singt seit einigen Wochen in der Vox-Castingsshow X-Factor. Und dort verzaubert er regelmäßig Jury, Publikum und am allerwichtigsten – die Menschen an den Telefonhörern. So ist es auch an diesem Dienstag.

Damit diese so oft wie möglich anrufen, lag die Entscheidung im Halbfinale von X-Factor allein in den Händen von “Votingdeutschland“ (Twitter-O-Ton). Die Jury aus Sarah Connor, Das Bo und Till Brönner hatte, anders als in den vorangegangenen Sendungen, keinen Einfluss darauf, wer ins Finale einzieht. Schon 45 Minuten vor Beginn der Live-Show wurde das Vox-Programm von X-Factor-Werbung dominiert, eine große Sache also, das Halbfinale.

Nur noch vier Acts sind im X-Factor-Halbfinale

Um 20.15 Uhr begrüßt Jochen Schropp die Zuschauer mit den „emotionalsten Momenten“ der letzten Sendung. Nur noch vier Acts von mal 25.000, mal 20.000 Bewerbern haben es ins Halbfinale geschafft. Das Klassikduo Nica und Joe, die 22-jährige BWL-Studentin Raffaela Wais aus Berlin, Rufus Martin aus München und natürlich David Pfeffer, 29. Sie singen je zwei Songs. Einen, den sie sich selbst gewünscht haben und einen, den ihr Jury-Mentor für sie aussuchte. Denn jeder Juror hat eine Art Rennstall, seine Kandidaten, mit denen er übt, für die er wirbt und die er gegen die anderen verteidigt.

David Pfeffer hat sich im X-Factor-Halbfinale für „Angel“ von Sarah McLachlan entschieden, eine Ballade, die ihm die Tränen in die Augen treibt. Im Netz reichen die Kommentare, wie bei Balladen wohl üblich, von „Ich heul gleich“ und über „zum Gähnen“ bis „grauenvoll“. Die Jury dagegen ist zufrieden, auch wenn Sarah sich ein bisschen weniger altbewährten „Pfeffer-Style“ wünscht.

„Die Steigerung von Rufus ist An-Rufus“

Nach den romantischen Nummern von Rufus Martin und Nica und Joe bringt Raffaela Wais mit „All the Single Ladies“ von Beyoncé Knowles wieder etwas Tempo in die Show. „Die Steigerung von Rufus ist An-Rufus“ - so bewirbt Schropp zuweilen die Kandidaten.

Dann tritt Jason Derulo auf. Der R´n´B-Sänger aus Florida liefert ein Medley seiner größten Disco-Hits, das vor allem über die Tanz-Performance funktioniert. Schweißüberströmt wird er von Schropp moderiert. Zum Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Künstlern – bzw. der Frage wer besser ist – möchte Derulo um der Sympathiewerte willen wohl nichts sagen. Schropp möchte wohl auf diese Weise Stimmen für Rufus Martin, der ursprünglich aus den Vereinigten Staaten kommt, sammeln. Klappt aber nicht. Daraufhin wird Derulo mit einem kleinen Klischee verabschiedet. Die Deutschen könnten sich niemals so gut bewegen wie der dunkelhäutige Sänger, versucht sich Schropp an einem letzten Kompliment.

Sechs Duisburger sind derzeit dabei mit Castingshows berühmt zu werden

In der Werbepause zeigt die Internetrecherche, dass auch Duisburger wie Pfeffer für ein Klischee gut sind. Mit Sebastian Runde, der von der ARD als „klügster Deutscher“ gekürt wurde, Benny Martell, der es nach DSDS nun auch bei „The Voice“ versucht und einer Duisburger Band namens „True Fame“, die ihre wirkliche Berühmtheit durch die RTL-Show „Das Supertalent“ erreichen wollen, sind derzeit sechs Duisburger (Pfeffer inklusive) dabei, ihre Heimatstadt mit Castingerfolgen bekannt zu machen. Ob Casting-Shows in Duisburg bald den gleichen Stellenwert wie Fußball in Rio de Janeiro haben, wird unter anderem im Finale von X-Factor entschieden.

David Pfeffer jedenfalls wird schon jetzt per Public Viewing in seiner Duisburger Heimatkneipe gefeiert. „Ein komisches Gefühl“ sei das, denn normalerweise schaue er dort in Ruhe Fußball. Das könnte bald schwierig werden. Vor allem da Pfeffer sich noch nicht entschieden hat, wie es mit dem Polizeidienst weitergehen soll. „Ich bin Polizist und bleibe das auch“ sagt er in der Show. Doch die Musik soll ebenso weiter zu seinem Leben gehören, er will Menschen mit seinem Gesang berühren. Das gelingt ihm auch mit seiner zweiten Nummer. „Yellow“ von Coldplay begeistert Saal, Jury und Twitter-Gemeinde – selbst Sarah Connor, die hier „die Kritische“ gibt, ist nach dem Song überzeugt. „David, ich seh dich im Finale“.

Bei Stargast Tim Bendzko vergisst der Moderator Justin Bieber

Überhaupt sind die Juroren den ganzen Abend über sehr nett zu den Kandidaten. Nach jedem Lied, auch nach der ziemlich unsauberen Alanis-Morisette-Einlage von Rufus Martin, findet die Jury auffällig warme Worte für die Kandidaten – und lobende für sich selbst. Was sie hier an Starqualität zusammengebracht hätten, sei atemberaubend, heißt es immer wieder. „Ich bin stolz, dabei gewesen zu sein“ sagt Till Brönner und die anderen sprechen es ihm nach.

Als zweiter Stargast tritt der Singer-Songwriter Tim Bendzko (26) auf, auch er spielt ein Medley seiner größten Hits. „Wenn Worte meine Sprache wären“ bekommt einiges an Applaus und veranlasst den Moderator Jochen Schropp zu der Aussage „bei keinem anderen Star sind sie so durchgedreht wie bei dir“, was Bendzko zwar schmeichelt, aber nach dem Auftritt von Teenie-Star Justin Bieber vor zwei Wochen nicht der Wahrheit entspricht. Dutzende korrigieren den Fehler auf Twitter.

Rufus Martin fliegt raus – Pfeffer auf Siegkurs?

Das Interview auf Deutsch gelingt Schropp dafür besser. Er bekommt von Bendzko die wahrscheinlich recht aufrichtige Antwort, letztes Jahr um diese Zeit habe der Künstler nur auf sein Album gewartet und vorwiegend nichts getan. „Was sehr schön war“, sagt Bendzko. Wenn es nach dem jungen Musiker geht, soll die hübsche Raffaela Wais „X-Factor“ gewinnen.

Die Chance dazu hat auch sie. Am Schluss kommt Raffaela, gemeisam Nica und Joe, die mit „A moment like this“ von Leona Lewis ihre Stimmen perfekt in Szene setzten, weiter. Rufus Martin musste gehen – David Pfeffer dagegen ist der dritte Act im Finale von X-Factor. Er wird sich wohl bald entscheiden müssen, ob er weiter Polizist in Duisburg bleiben möchte.