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Bauer sucht Frau

Bauer sucht Frau - Inka Bauses verlorene Landlust

09.10.2012 | 07:14 Uhr
Hat Moderatorin Inka Bause keine Lust mehr auf "Bauer sucht Frau"? So wirkt es jedenfalls manchmal.Foto: RTL

Essen.  Seit acht Jahren moderiert Inka Bause die RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“. Eine lange Zeit, in der sich nicht nur die Wortspiele wiederholen, sondern auch die herablassende Haltung gegenüber den Kandidaten.

Wüsste man nicht, dass Inka Bause im Fernsehen arbeitet, man würde sie in einem schlechten Pflegeheim vermuten. Dort, wo die Patienten sehr alt sind und sich oft wiederholen. Wo das Personal morgens die Jalousien hochzieht, „Wie geht’s uns denn heute?“ sagt und vor der Antwort im nächsten Zimmer verschwindet. Ähnlich motiviert wirkt Inka Bause in „Bauer sucht Frau“. Acht Jahre moderiert sie die ländliche Kuppelshow inzwischen . Da fällt es schon mal schwer, Interesse für „sensible Schweinewirte“, „heitere Hühnerbauern“ und „einsame Wendländer“ aufzubringen.

Dem Zuschauer geht es ähnlich. Nicht, weil die Landwirte so schlimm wären, sondern weil hier ein Witz ausgereizt ist. Mag sein, dass der Mix aus Groschenroman, Forsthaus Falkenau und Freakshow in der ersten Ausgabe einen gewissen Trash-Charme hatte. Nach der siebten Staffel ist „Bauer sucht Frau“ nur noch Malen nach Zahlen.

Die Motive, man kennt sie. Da ist der hilflose, aber patente Geflügelbauer in seinem Einsiedlerhof – auf der anderen Seite die Besucherin, deren ach-so-prekären Vorstadtberuf (Nageldesignerin) man zur Sicherheit 20 Mal einblendet, damit auch der letzte Zuschauer kapiert: Hier prallen Welten aufeinander. Da sind die belegten Brötchen und der Bohnenkaffee, die tickenden Wanduhren und die bemühten Schwiegermütter in ihren 50er-Jahre-Schürzen.

Einfallslosigkeit bei der achten Staffel

Und dann ist da Inka Bause mit ihrem Teleshop-Lachen. Neben der Leipzigerin sähe selbst Mitt Romney authentisch aus. Fröhlich und keck soll sie rüberkommen. Dabei will sie nur eines: weg. „Den Rest kannst du dir ja alleine anschauen“, sagt sie zu Kandidat Dieter, nachdem sie mit ihm einen von zehn Liebesbriefen überflogen hat. Auch bei den nächsten Teilnehmern ist der erste Brief – so ein Zufall! – gleich ein „Volltreffer“.

Landwirte suchen die Liebe

 

Wenig später lädt ein schwuler Bauer zu Kaffee und Kuchen. Bause bleibt gerade so lang, bis sie den Witz vom „Liebesknochen“ (Éclair) auf dem Teller losgeworden ist. Schwuler Bauer, Liebesknochen. Ob das jeder verstanden hat? Bause ist sich nicht sicher. Lieber ein zweites Mal wiederholen. Dann ist die Szene im Kasten. Die Moderatorin verabschiedet sich, wie man sich von Partys verabschiedet, auf die man von vorne herein keine Lust hatte: Danke, ich bring mich selbst zur Tür. Macht euch keine Umstände! Zurück bleibt der „liebevolle Lausitzer“ mit seinem Gedeck.

Am Ende fällt bei „Bauer sucht Frau“ vor allem eines auf: Dass die vermeintlichen „Kultelemente“ dieser Sendung – die Babysprache gegenüber den Kandidaten, die Zwangsalliterationen, Photoshop-Panoramen und der Kitsch-Soundtrack – nicht Teil einer unbeholfen-charmanten Inszenierung sind, sondern Lust- und Einfallslosigkeit, gepaart mit Herablassung.

 

Ingo Juknat



Kommentare
12.10.2012
22:23
Bauer sucht Frau - Inka Bauses verlorene Landlust
von AnnetteP | #7

Und früher war im TV alles besser.

Da gab es Zum blauen Bock, Flipper, Dalli Dalli, Isar 12 und vieles mehr.

Ja und Heutzutage gibt es N-TV, 3 Sat, Arte, ZDF Kultur, oder auch Cubavision . Aljazeera englisch, China TV und weitere 10000 Programme die man per Satellit oder Internet sehen kann.

"Jeder soll nach seiner Façon selig werden". (König Friederich II)

Niemand wird gezwungen RTL zu schauen.

10.10.2012
13:57
Bauer sucht Frau - Inka Bauses verlorene Landlust
von feierabend | #6

Inka Bause ist mit Sicherheit in der Krankenkasse privat versichert! Meine Versicherung oder privat versicherte Menschen würden mir derlerlei verbieten.............

10.10.2012
13:55
Bauer sucht Frau - Inka Bauses verlorene Landlust
von feierabend | #5

Ich bin froh darüber, dass WAZ einen ehrlichen Artikel über unehrlichen Schwachsinn schreibt! Nur so begreifen Menschen wie wir, was wir eigentlich konsumieren. In Zeiten wo allgemein das Geld knapp wird ist schon erstaunlich, wieviel Geld für eine elitäre eingebildete Frau da ist, die sich für intelligenter hält als alle anderen, die sich über Menschen und ihre Gefühle hinweg setzt im Namen der Menschlichkeit und des Anstand, die präsentiert wird wie eine Glucke den Küken und die bereit ist für Geld zu kuppeln und zu lügen. Wie früher die alten Römer, im Namen des Reichtums. Heute fürs Kapital.

09.10.2012
15:37
Dieser Artikel ist
von unfassbar | #4

sehr gut, witzig und geistreich geschrieben.
Herr Juknat, bin stolz auf Sie.

09.10.2012
15:36
Bauer sucht Frau - Inka Bauses verlorene Landlust
von Eduard79 | #3

Inka Bause wirkt mittlerweile so künstlich und überzeichnet, dass man sie für ihre eigene Parodie hält. Gestern dachte ich beim reinsehen "Das ist doch Martina Hill von Switch reloadad!".

09.10.2012
10:40
Bauer sucht Frau - Inka Bauses verlorene Landlust
von Vatta | #2

Herr Juknat. Sie haben in allen Bereichen vollkommen Recht was dieses Thema angeht. Jedoch: Wo ist die Neuigkeit? Hat sich zwischen der ersten und der jetzigen Staffel irgendwas geändert? Ist vielleicht der Anspruch der RTL-Zuschauer auf ein bisher nicht bekanntes Niveau gestiegen, vom dem man vor 8 Jahren noch keine Ahnung hatte? Kommt daher nach 8 Jahren diese Kritik bzw. Unzufriedenheit?

Davon abgesehen: RTL zeigt das was die Leute sehen wollen. Stimmt die Quote, wird weiter produziert. Immer im Trend zu produzieren endet im Mainstream - Fernsehen. Die Printmedien sind jedoch keinen Deut besser, denn sie schreiben ja auch, was Ihre Leser lesen wollen und nicht das was Querdenker oder Kritiker meinen. Ich bin kein Freund von Trash-TV, aber solange die Printmedien nicht mit ihrer gemütlichen Einheits-Schreiberei aufhören, sollten sie nicht privaten Fernsehsendern langweilige und herablassende Sendungen vorhalten.

09.10.2012
08:12
Bauer sucht Frau - Inka Bauses verlorene Landlust
von gronf | #1

..und wenn etwas so ausgeleiert, uninteressant, menschenverachtend und vorallem schwachgeistig ist, nimmt sich die Redaktion der WAZ die Zeit, einen Artikel darüber zu schreiben, wo man doch besser schweigen sollte.
Da kann man (aber sowas von stark) an der Intention des Herrn Juknat zweifeln, den Niedergang dieses Medienmachwerkes herbeizurufen, denn er hat es ja gerade wieder geweckt.

Merke: Auf Beerdigungen ist es nicht zweckmäßig, nochmal an der Leiche herumzuzupfen, um zu sehen, ob sie wirklich verblichen ist.
Einfach liegenlassen..

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