Arte-Doku zeigt, wie holperig der Start von Star Trek war

In unendlichen Weiten: Captain Spock (Leonard Nimoy, li.), Captain James T. Kirk (William Shatner) (2.v.l.), Dr. Leonard McCoy (Kelley DeForest, 2.v.r.) und Sybok (Laurence Luckinbill, re.)
In unendlichen Weiten: Captain Spock (Leonard Nimoy, li.), Captain James T. Kirk (William Shatner) (2.v.l.), Dr. Leonard McCoy (Kelley DeForest, 2.v.r.) und Sybok (Laurence Luckinbill, re.)
Foto: ©Paramount Pictures
Was wir bereits wissen
Derzeit fliegt sie wieder, die Enterprise und der zwölfte Kinofilm der„Star Trek“-Reihe ist dabei, alle Rekorde zu brechen. Vor 50 Jahren, als die Idee zur Serie entstand, hätte das niemand gedacht. Denn dieser Anfang war schwer, wie Arte in der Doku„True Stories - Star Trek“ (So. 22.20 Uhr) zeigt.

Straßburg.. Sternzeit April 1964. In den Desilu Studios in Los Angeles, US-Staat Kalifornien, bekommt der Produzent Herb Solow Besuch von einem Drehbuchautoren namens Gene Roddenberry. Er habe, schwärmt Roddenberry, da eine tolle Idee für eine Serie. Science Fiction, Weltall, Abenteuer. Ein Raumschiff namens U.S.S. Forester unterwegs in Richtung unendliche Weiten, kommandiert von einem Captain mit Namen April und mit einem Ersten Offizier, der vom Mars kommt und aussieht wie Satans kleiner Bruder. „Originell“, sagt Solow. Aber zunächst kaum an ein Studio zu verkaufen.

Die einstündige Doku „True Stories - Star Trek“ (So. 22.20 Uhr) auf Arte zeigt, wie schwer der Anfang für die Star Trek-Reihe vor 50 Jahren war.

Zunächst am Freitagabend

Zwei Pilotfilme sind nötig, um die Fernsehgesellschaft NBC von der „Star Trek“ getauften Serie zu überzeugen. Und selbst dann muss das Raumschiff am partyträchtigen Freitagabend abheben.

Dementsprechend niedrig sind die Einschaltquoten. Nach jeder Staffel von Absetzung bedroht, wird die Reihe am 3. Juni 1969 eingestellt – sieben Wochen bevor der erste Amerikaner den Mond betritt.

150 TV-Sender zünden zweite Stufe

Doch dann geschieht ein kleines TV-Wunder. Rund 150 lokale Fernsehstationen erwerben die Zweitrechte an der Serie und lassen Kirk und die Enterprise, wie Captain und Raumschiff mittlerweile heißen, zur besten Sendezeit erneut abheben. Und plötzlich wächst die Fan-Gemeinde schneller, als Spock eine Augenbraue hochziehen kann. Auch weil „Star Trek“ ein positives Bild von der Zukunft zeichnet.

Science Fiction In der Hochphase des Kalten Krieges setzt Roddenberry mit Chekov einen Russen an Steuer des Sternenkreuzers. Während Martin Luther King am Boden gegen die Apartheid in den USA kämpft und Frauen mehr Gleichberechtigung fordern, schiebt mit Lieutenant Uhura im All bereits eine Farbige Dienst in gehobener Position. Und irgendwann küsst sie sogar den weißen Captain – was für einen Skandal in vielen Teilen Amerikas sorgt.

Fans machen Druck

So groß wird der Druck der Fans, dass die Serie zurückkommt. Erst mit der alten Crew ins Kino, in den 1980ern mit neuer Besetzung, der „Next Generation“, auch wieder ins Fernsehen. Später öffnet die Raumstation „Deep Space 9“ ihre Pforten, fliegt die „Voyager“ durch das All und darf auch Kirk-Vorgänger Captain Jonathan Archer den Weltraum erkunden. Und mit Büchern, Postern und Fanartikeln jeglicher Art werden Milliarden umgesetzt.

Die Arte-Doku konzentriert sich fast ausschließlich auf die 60er-Jahre-Serie – auf die Classics, zeigt Interviews mit Herb Solow, Spock-Darsteller Leonard Nimoy oder Roddenberrys Sohn Rod. Aber sie blickt dabei nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. Und stellt fest: Vieles, was damals noch utopisch war, ist mittlerweile Alltag geworden. Nur mit dem „Beamen“ und dem „Warp-Antrieb“ klappt es leider noch nicht richtig.

Als Kinderserie eingestuft

Was die Sendung nicht erzählt, sind die Probleme, die Kirk & Co. in Deutschland hatten, das die Enterprise erstmals 1972 anfliegt. Von den ZDF-Oberen damals als Kinderserie eingestuft, muss die Crew zunächst gegen einen weitaus stärkeren Feind als Romulaner oder Klingonen antreten. Denn parallel zu den unendlichen Weiten, kommt Günter Netzer in der ARD-„Sportschau“ aus der Tiefe des Raums. Gegen König Fußball ziehen selbst die Weltraumpioniere in vielen Familien lange Zeit den Kürzeren.