ARD-Tatort nimmt Fall Dominique Strauss-Kahn als Vorlage

Lena Odenthal (Mitte) und ihr Kollege wollen der jungen Frau den Anblick der Toten ersparen
Lena Odenthal (Mitte) und ihr Kollege wollen der jungen Frau den Anblick der Toten ersparen
Foto: SWR
Was wir bereits wissen
Lena Odenthal klärt im ARD-Tatort „Roomservice“ den Mord um ein Zimmermädchen auf. Der unsympathische Spitzenpolitiker Sattler steht unter Verdacht.

Essen.. Diesem Mann traut man so einiges zu. Wie er da in der luxuriösen Hotelsuite steht, den Gürtel des Bademantels nur nachlässig gebunden, der Blick dieses alternden Schwerenöters sextrunken – ein Unsympath auf ganzer Strecke, dieser Sattler. Doch ist er auch der Mörder?

Diese Frage stellt sich, weil in dem Viersternehotel ein Zimmermädchen die Treppe heruntergestoßen wurde. Dass die Ermittler aus Ludwigshafen in „Roomservice“ (20.15 Uhr, ARD) einen Mordfall wittern, liegt daran, dass die junge Dame von alleine so nicht hätte fallen können, aber vor allem daran, dass sie keine Strumpfhose mehr trug.

Dominique Strauss-Kahn als Vorbild für Tatort-Rolle

Sattler gerät unter Verdacht, da er eine Affäre mit dem Zimmermädchen hatte. Der EU-Kommissar ist nicht nur zwanghafter Fremdgeher, nein, er will Karriere machen und ist darin geübt, seine Seitensprünge vor der sensationslüsternen Öffentlichkeit zu vertuschen.

Tatort Ein Vorbild hat Sattler in der Realität: Dominique Strauss-Kahn, ehemaliger Leiter des Internationalen Währungsfonds, war 2011 die Vergewaltigung eines Zimmermädchens vorgeworfen worden. Ein Spitzenpolitiker verstrickt in Zuhälterei und Sexpartys – bester Filmstoff allemal.

Der EU-Kommissar Joseph Sattler ist ein Widerling

Ganz in diesem Sinne ist Joseph Sattler also ein ausgemachter Widerling. Peter Sattmann spielt ihn großartig: Eben nicht mit dem Restcharme eines alternden Playboys, sondern böser, zynischer. Es geht um Sex als Machtspiel. Um die Zwanghaftigkeit eines Machtbesessenen, auch wenn er schon so aussieht, als sei seine körperliche Macht nur noch per Pillen herstellbar.

Eine schillernde Figur mit starken Momenten: Peter Sattmann ist ein Baumeister der äußeren Fassade, die immer mehr Risse erhält. Nach und nach blickt der Zuschauer in einen Abgrund und erkennt nicht nur die Lebenslügen des charakterlosen Egoisten, sondern auch eine tiefe Leere. Denn Sattler ist auch ein Getriebener seiner Ehefrau und Anwältin, ebenfalls glänzend von Suzanne von Borsody gespielt. Ihr geht es nur um eins: Sie will ihren Mann an die Spitze der Politik bugsieren. Mit ihrem Leitthema, das ausgerechnet um die Stärkung der Rechte der Frauen geht. In wenigen Tagen soll der EU-Kommissar die Frauenquote für Vorstandsetagen auf den Weg bringen. Perfider geht es nicht.

Tatort Zickenkrieg im Kommissariat

Kommissarin Lena Odenthal, dienstälteste „Tatort“-Ermittlerin. übernimmt den Fall in einer Phase ihrer Neuorientierung. Die Reha nach ihrem Nervenzusammenbruch ist beendet, jetzt zieht sie aus der WG mit ihrem Kollegen Kopper (Andreas Hoppe) aus, um Beruf und Privatleben stärker zu trennen. Sie ist gut drauf. Doch ihre Stimmung und auch die Qualität des Films erhält einen Dämpfer, als sie im Hotel auf die Ermittlerkollegin Stern (Lisa Bitter) trifft. Der Zoff unter den Kolleginnen nimmt dem Film ein wenig den guten Lauf.

Fazit. Ungewöhnlicher Fall, starke Schauspieler, die deutlich über dem Durchschnitt liegen. Schade, dass man nicht auf den faden Zickenkrieg der Ermittlerinnen verzichtet hat.

Montag 25. Mai, ARD, 20.15 Uhr