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ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf

08.01.2013 | 08:12 Uhr
Der ARD-Markencheck zeigt, wie Rewe und Edeka die Kunden hinters Licht führen. Und ein bisschen schämt sich als Verbraucher für seine Dummheit.Foto: Reuters

Essen.  Wohlfühlen sollen sich die Kunden beim Einkauf bei Rewe und Edeka. Dafür zahlen sie gerne auch mal mehr. Das lohnt sich allerdings nicht immer, wie der „ARD-Markencheck“ jetzt zeigt. Hinter dem schönen Schein verstecken sich nämlich allerlei Verkaufstricks, die manchmal an die moralische Grenze gehen.

Der schöne Schein versteckt sich im Kittel des Verkäufers hinter der Fleischtheke, auf dem Boden neben dem Salatkopfsortiment und vor allem auf Augenhöhe eines jeden Regals. Doch obwohl diese Psychotricks schon lange bekannt sind, wundert sich der Kunde darüber, wie leicht er zu manipulieren ist. Besonders die Kunden der Supermarktketten Rewe und Edeka. Jetzt hat ARD diese beiden Geschäfte im „Markencheck“ genau unter die Lupe genommen.

Sie dürfen O-Saft schlürfen und Käsewürfelchen naschen: Die Testpersonen für den Verkaufsmaschen-Test haben die ARD-Redakteure dieses Mal in der Essener Innenstadt gefunden. Es wundert nicht, dass der Orangensaft und der Käse, die beide aus einem niederländischen Supermarkt stammen, den Probanden nicht immer gleich schmeckten. Stand Rewe oder Edeka auf der Herkunftstafel , war der Saft auf einmal „fruchtig, aber nicht zu süß“ und der Käse „würzig und nicht zu weich“. Im Grunde genommen aßen die Essener Passanten keine Lebensmittel, sondern nur ihre Vorstellung davon. „So funktionieren Marken“, erklärt Marketingexperte Achim Fringes. Ein ernüchterndes Ergebnis, das auch in den anderen Versuchen belegt wird. Ein bisschen schämt man sich hier für seine Dummheit.

Wie Rewe und Edeka die Kunden hinters Licht führen

Verführung oder Lüge – der Grad ist schmal. Im Grunde genommen haben Edeka und Rewe ein erfolgreiches Kunststück gemeistert : Den Kunden das Gefühl geben, dass ihre Waren mehr wert sind. Daran ist nichts Verwerfliches. Und doch fühlt man sich als Kunde – gelinde gesagt – hinters Licht geführt.

Dummerweise sind die Produkte der beiden Supermärkte laute der ARD-Testergebnisse nicht qualitativ hochwertiger als die ihrer günstigeren Discounter-Konkurrenten Lidl oder Aldi . Der Feldsalat gammelt im gleichen Tempo vor sich hin und auch die braunen Stellen an den Zucchini sind nach fünf Tagen alle gleich groß. Im Geschmackstest, bei dem ein Sternekoch Gerichte aus Produkten der jeweiligen Anbieter kredenzt, liegt sogar Aldi vorne.

ARD-Markencheck zieht Vergleich mit Aldi und Lidl

Glücklicherweise ist ein Besuch bei Rewe oder Edeka nicht zwangsläufig teurer als im Discounter. Vorausgesetzt man lässt sich beim Schlendern durch die angenehm ausgeleuchteten Gänge nicht von diversen Sonderangeboten verführen. Das taten nämlich die Testkäufer, angeblich sogar ganz bewusst. Greift man auf die Hausmarkten „Gut und Günstig“ oder „Ja!“ zurück, kommt man sogar auf den Cent genau so günstig weg wie bei einem Besuch bei Lidl oder Aldi.

Denn dort, so erklärt Edeka-Kaufmann Heinz Wilhelm Paschmann im ARD-Markencheck , seien die Filialen an den Discounterpreis gebunden. Sprich: Wird die Butter bei Aldi billiger, wird sie es ein paar Stunden später auch bei Rewe und Edeka. Die meisten Produkte der günstigen Eigenmarken sind übrigens dieselben wie die der edlen Eigenmarken. Hier kann man als Zuschauer und höriger Kunde ganz kurz aufatmen bis die ARD-Redaktion zum Fairness-Test überleitet .

Schlimme Bedingungen bei der Produktion

Und obwohl in Punkto Fairness kein Großkonzern einen leichenlosen Keller hat, wundert man sich hier aufs Neue. Rewe wirbt mit dem „Pro Planet“-Logo dafür, dass sich das Unternehmen bei den Erzeugern der Lebensmittel, hauptsächlich in Spanien, für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzt. Ob man es eine Verbesserung nennen kann, wenn Lohnarbeiter in Wellblechhütten mitten auf den Gemüseplantagen wohnen? „Hier drin lebt man wie ein Sklave, nachts werden die Tore geschlossen und man kommt nicht raus“, erzählt ein Betroffener.

Auch die Erntehelfer, die in einen Haus mit vier Wänden wohnen, berichten Schlimmes von den Bedingungen in den Produktionen: Sei jemand krank, werde er entlassen, ebenso, wenn man zu lange auf der Toilette sei. Fairness sieht anders aus. Und wieder erlebt der Zuschauer einen Pressesprecher, der sich nur unzureichend rausreden kann.

Hinter dem Supermarktregal versteckt sich eben doch eine ganze Menge "Dreck"

Aber mal ehrlich: Spanien ist doch weit weg. Sofern die Angestellten der beiden Supermarktketten Rewe und Edeka hier in Deutschland gut behandelt werden, ist doch alles in Ordnung. Nur leider trifft auch das nicht immer zu. Der Kochschinken beim Rewe-Zulieferer Wilhelm Brandenburg werden von rumänischen Leiharbeitern mit Werksverträgen für 7,50 Euro die Stunde gewürzt. Verkäuferinnen in Filialen berichten im ARD-Markencheck davon, dass sie vertraglich zu unbezahlten Überstunden verpflichtet sind . Hinter dem angenehm beleuchteten Supermarktregal versteckt sich eben doch eine ganze Menge Dreck. Kann uns aber doch egal sein, solange der Preis stimmt.

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Kommentare
08.01.2013
17:54
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von Riffralf | #25

Zitat:"Kann uns aber doch egal sein, solange der Preis stimmt."

Kann uns nicht nur egal sein, sondern muss es auch, denn in anderen Läden, Ketten, Märkten geht es auch nicht anders zu und letztendlich ist die Politik hier wie da für das globale Desaster verantwortlich. Den Schuh ziehe ich mir nicht an.

08.01.2013
16:55
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von dkmmaal | #24

Ich will nur eins: schnell, frisch, gut und preiswert einkaufen. „Preiswert“ nicht „billig“, denn ich bin meinem Geld nicht sooo böse, dass es weg muss.

Einkaufen sehe ich nicht als Event, ich will und muss dabei nicht bespaßt werden.

Wenn ich „Ambiente“ haben will, gehe ich in meine Wohnung, oder ins Museum, oder ins Theater, oder, oder, oder… Da habe ich Ambiente soweit mein Auge reicht.

08.01.2013
14:31
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von micha9721 | #23

Ich find die Meinungen über Aldi/Lidl Käufer erschreckend. Ist das Bild der Gesellschaft immer noch so: Aldi/Lidl = asozial und dreckig?

Rewe/Edeka = bessere Menschen?

Da lach ich mich doch kaputt über soviel Ignoranz und Dummheit!

Der schlimmste Laden bei uns in der Ecke ist Rewe - der ist gammelig bis zum abwinken. Aldi und Lidl sind modern, wenn auch spartanisch. Und der Edeka bei uns ist dermaßen zugestellt, das man mit dem Einkaufswagen kaum durchkommt auch die Kassendamen könnten bei jedem Schneckenrennen einen guten Mittelfeldplatz belegen.

Für mich muss es eine gesunde Mischung geben, das nennt sich dann WETTBEWERB. Der funktioniert aber nicht, wenn die Menschen nicht vernünftig bezahlt werden. Das muss doch zu verstehen sein?

08.01.2013
14:30
Dieser Grat (!) war zu schmal, und zwar für den unerfahrenen Autor
von WhatDoesItAllMean | #22

Man glaubte zunächst, bekittelte Verkäufer bei EDEKA und REWE zögen neuerdings wie Hütchenspieler den Kunden über die Theke oder ihm im Gespräch heimlich das Geld aus der Tasche, doch nichts, was die Überschrift versprach, wird im Text gehalten.

Der Autor verhält sich mit seinem Artikel in genau dem üblen Sinn gegenüber seinen Lesern, den er glaubt, bei besagten Lebensmittelhändlern beklagen zu müssen: Er führt sie mit einer marktschreierischen Überschrift hinters Licht, um im Text aber lediglich über eine jahrzehntelange und keineswegs auf EDEKA und REWE beschränkte, sondern weltweit verbreitete Praxis zu berichten. Empfohlen sei dem unerfahrenen Vertreter seiner Zunft die Lektüre von Vance Packards „Die geheimen Verführer“ von 1957 (ja, ja, diese Jahreszahl gab’s mal wirklich).

Der Shitstorm als journalistisches Prinzip und der Mangel an journalistischem Augenmaß wären viel eher einmal einen Artikel wert.

1 Antwort
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von Eduard79 | #22-1

Ein inhaltlich sehr guter Kommentar!

Und mit jeder Minute, die der "Grad" unkorrigiert im Artikel stehen bleibt, wird es für denWesten peinlicher. Wenigstens, wenn die Forums-User das Korrekturlesen übernehmen, könnte man Artikel mal überarbeiten.

08.01.2013
14:24
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von bloss-keine-Katsche | #21

Ick find ett ekelhaft bei Aldi zu kaufen,
schöne Regale, bisschen Gestaltung des Ladens, datt iss mir schon die Mark mehr wert.
Aber Bio oder so kaufe ich lieber dort wo Bio echt ist,
genauso Kaffee & Co dort, wo er fair gehandelt wird, dass kann dann auch im kirchlichen Eine-Welt-Laden sein

08.01.2013
14:14
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von scouti | #20

Die Preise stabil halten und so einen preisgünstigen Einkauf suggerieren um die Kunden zu halten oder neue zu gewinnen, funktioniert auch durch Anpassung der Verpackungsgrößen (hier Reduzierung). Eine Konservendose enthält nur noch 800 ml anstatt vorher 850 ml. Flüssigseife anstatt 300 ml nur noch 250 ml. Hauptsache der Preis bleibt.

08.01.2013
14:03
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von dkmmaal | #19

Also, ich kaufe aus Überzeugung beim Aldi – zumindest den Haushaltsgrundbedarf.

Dort wird viel Ware umgesetzt und schnell neu aufgefüllt.
Es steht nix so lange in den Regalen wie beim Real, bzw. Rewe in unserer Nachbarschaft (Meiderich & Hamborn). Dort fand ich schon Pfifferlinge 1 Jahr über Datum, Adventskalender im Mai und - absolut eklig = Staub und klebriger „Knuster“ auf Konserven oder Tetrapak. Zum Normalpreis, versteht sich…

Die Preise sind angemessen, der Umtausch geht problemlos (sollte mal was sein).

Ich muss nicht 2 Jahre „Haarshampoon“ studiert haben, wenn ich mir die Haare waschen möchte. Will sagen, mich nervt die übergroße Auswahl in anderen Geschäften.

Markenware gibt es dort auch, sie heißt nur anders.
Die Ware steht immer gleich (Suchen entfällt somit), kassiert wird schnell, Preise sind kontrollierbar, Mitarbeiter freundlich – was will man mehr.

08.01.2013
13:32
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von VfL-Torpedo | #18

Warum ich nicht zu Discountern gehe ?
-Erbärmliches Ambiente
-Überall liegen Kartons in den viel zu engen Gängen herum
-Ständig muss man um ein- und auspackendes Verkaufspersonal herumjonglieren
-Viel zu große Packungsgrößen, die offensichtlich dazu da sind um den Profit über die Menge zu machen aber mir zu Hause nicht verbraucht werden und dann weggeworfen werden.
-Will man mal ein bisschen Auswahl oder mal einen etwas anderen Käse, Öl oder Essig, dann hat man bei Aldi und Co schlechte Karten.
-Und zu guter letzt für alle Sozialromantiker unter uns: Ich muss mir diese Gestalten bei meinen Mitkäufern und der Bedienung wirklich nicht antun.

4 Antworten
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von zickzackzick | #18-1

Die Gestalten sind wohl durch Ihr entsprechendes Wohnumfeld begründet, zu dem Sie auch gehören - ansonsten ein ziemlich sinnfreies Geschwafel.

ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von scouti | #18-2

Die Kartons und unaufgefüllte Regale durch Mitarbeiter von externen Firmen (s. auch Beitrag in "Hart aber Fair"/Werkverträge) gibt es auch in SB-Warenhäusern anderer Untenehmen. Die Beschäftigten haben oftmals mehr als nur einen Minijob.

ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von nulpe2 | #18-3

-Viel zu große Packungsgrößen, die offensichtlich dazu da sind um den Profit über die Menge zu machen aber mir zu Hause nicht verbraucht werden und dann weggeworfen werden-
was ist das denn für ein argument
kleines toastbrot 0,99 ct-großes toastbrot 1,09 euro
mayo tube klein 1,39 mayo tube groß doppelte menge 1,79
cola 1,0 l 7,49 euro 12 flaschen.....24 x 0,2 l glasflasche im kasten 12,29 = 2,56 pro liter
da gerade cola ist die einen tag offen nicht mehr schmeckt kauf ich doch die große menge und werfe den rest weg obwohl es aus der glasflasche besser schmeckt

ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von Eduard79 | #18-4

Hier fühlt sich jemand als etwas besseres, weil er es "nicht nötig hat" beim Discounter einzukaufen.

Ich kenne keinen Discounter, wo ständig Kartons rumliegen. Und wer in den letzten 1-3 Jahren mal bei einem Discounter war, der hat auch mitbekommen, dass diese schon seit längerer Zeit auf helle, freundliche und aufgeräumte Läden setzen.

Wenn jemand immer noch meint, in jedem Discounter würde es aussehen wie in einem Aldi vor 25 Jahren (Palettenverkauf usw.) dann weiß er schlicht und einfach nicht, was Sache ist.

Was die Packungsgrößen angeht:

Ein Pfund Kaffee ist immer ein Pfund, ein Liter Milch immer ein Liter, in einer Packung Toilettenpapier sind (gewöhnlich) immer 8 Rollen - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Von welchen Produkten reden Sie!?

08.01.2013
13:25
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von micha9721 | #17

Und weil keiner mehr bereit ist, ordentliche Preise zu zahlen, MÜSSEN die meisten zum Discounter. Da gibt es kaum eine Alternative zu.

Wenn von den Arbeitgebern wieder Fairness angeboten wird, die Tarifverträge nicht mit Leiharbeitern oder ähnlichen Tricks unterwandert werden, ist man auch wieder in der LAGE, bei REWE oder Edeka oder wie auch immer sie gerade heißen mögen, einzukaufen.

08.01.2013
13:04
ARD-Markencheck deckt die Verkaufstricks bei Rewe und Edeka auf
von flummi1974 | #16

@ SchauDichSchlau: Auch einem Minijobber (400/450 € Kraft) stehen Urlaubsgeld, Krankengeld, sowie Urlaubstage zu. Während des Urlaubs muß der Lohn ohne Arbeitslaistung weitergezahlt werden. Es gilt bei Edeka und der Rewe der Tarifvertrag des Einzelhandels.
Der bettet seine Mitarbeiter aber auch nicht auf Gold, aber es ist heute auch keiner mehr bereit ordentliche Preise zu bezahlen.

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