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Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl

27.09.2012 | 06:48 Uhr
Wie viel Ehre verdient Helmut Kohl? Darüber diskutierte Anne Will am Mittwochabend mit ihren Gästen.Foto: dapd

Essen.  Wiedervereinigung und Europa zeichnen ihn aus, aber der ungeklärte Parteispendenskandal lastet schwer auf seiner Vita. Wie viel Ehre verdient Altkanzler Helmut Kohl? Diese Frage wollte Anne Will am späten Mittwochabend diskutieren. Was dann passierte, gönnt man keinem lebendigen Menschen.

„Armer Helmut Kohl!“ – dieser Ausruf von Kohl-Biograf Heribert Schwan beschreibt bestens, was vielen Zuschauern der ARD-Talkshow „Anne Will“ am späten Mittwochabend empfunden haben dürften – ob sie Anhänger des Altkanzlers sind oder nicht. Doch daran war Schwan keineswegs unschuldig.

Schließlich stritt er einen Gutteil der 75-minütigen Sendung mit Ex-Finanzminister Theo Waigel darüber, wer den Helmut Kohl besser kennt. „Sie waren nicht der einzige, der Kohl besucht hat“, giftete Waigel Schwan an. „Ich habe 360 Stunden Gespräche mit Kohl und seiner Familie aufgezeichnet“, schoss Schwan zurück.

Hat Helmut Kohl seinen Auftritt bei der CDU/CSU-Fraktion genossen?

Das Gespräch über Kohl, der in diesen Tagen  das 30-jährige Jubiläum seiner Kanzlerschaft begeht, wurde weitgehend in der Vergangenheitsform geführt, ungeachtet der Tatsache, dass Kohl durchaus noch lebt. Erst kurz zuvor hatte er sich bei einem Besuch der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Öffentlichkeit gezeigt.

Keiner der Diskutanten – neben Schwan und Waigel hatte Anne Will „Freitag“-Verleger Jakob Augstein, Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth und den PR-Berater Dirk Metz eingeladen – war bei diesem Ereignis anwesend. Das hielt allerdings niemanden davon ab, langwierig darüber zu philosophieren, ob Kohl den Auftritt genossen und ob der Besuch seine Würde beschädigt habe .

So gut kennen Anne Wills Gäste Helmut Kohl offenbar nicht

Helmut Kohl

Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat Helmut Kohl eine Sitzung der Unions-Fraktion im Bundestag besucht. Europa war das Leitmotiv der zehnminütigen Rede des Altkanzlers. „Wir haben gelernt: Wir gehören zusammen“, sagte Kohl. Franktionschef Kauder erklärte: „Sie gehören ganz fest in unsere Mitte.“

Teilweise nahm das groteske Züge an, etwa als klar wurde, dass die Gäste nicht einmal zu beantworten wussten, wie es um die Sprechfähigkeit des 82-Jährigen bestellt ist: „Kann Kohl noch sprechen?“ – „Hat er vor der CDU gesprochen?“ – „Hat man ihn verstanden?“ Rita Süßmuth beendete das unwürdige Treiben mit einer Gegenfrage: „Worüber streiten wir hier eigentlich?“

Also auf zum nächsten Komplex: Hat Kohl der CDU die Abkanzelung in der Spendenaffäre verziehen? „Verziehen ja, aber nicht vergessen“, schlug Theo Waigel vor. „Er hat nichts verziehen“, widersprach Schwan. „Warum sollte Kohl der CDU verzeihen?“, fragte Augstein. Für ihn sei es die CDU, die Kohl verziehen habe. Die Regie blendete das Thema der Sendung ein: „Jubeltag für Helmut Kohl - Zu viel der Ehre?“ – wahrscheinlich fürchtete man dort zu Recht, der Zuschauer könnte den Faden verloren haben.

Bei Helmut Kohls Privatleben entdeckt Anne Will ihre investigative Ader

Ungefähre Kompromisslinie: Die CDU profitiert, Kohl ein bisschen. Ob es sich allerdings um eine „PR-Show“ (Augstein) der Partei handele oder ob sie diese Tage nutze, um „mit sich selbst ins Reine und in Frieden“ zu gelangen (Metz), blieb ungeklärt.

Zeit, sich endlich den wirklich wichtigen Fragen zuzuwenden: „Was geht ab im Hause Kohl?“, fragte Moderatorin Anne Will. Der Einspielfilm zeigte verschlossene Rollos und Kameras am Haus im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Dirk Metz, eingeladen wegen seiner langjährigen Freundschaft zu Kohls neuer Ehefrau Maike Kohl-Richter ,wollte sich nicht dazu äußern, ob sie wie von Schwan behauptet kontrolliere, wer Kohl besuche. „Das geht mich nichts an.“ Recht hat er, und Anne Will und Millionen Fernsehzuschauer genauso wenig. Doch die die Morderatorin legte nach: „Wir versuchen hier, etwas über ein historische Figur herauszufinden“, sagt sie. Nähe zu Voyeurismus könne sie da nicht erkennen.

Soll eine Briefmarke Altkanzler Helmut Kohl ehren?

Helmut Kohl

Schwan ergriff seine Chance: „Nicht einmal seine Söhne dürfen ihn besuchen “, behaupteteer und kündigte im gleichen Atemzug sein neues Kohl-Buch an. Das werde neue exklusive Informationen zu Kohl bieten. Allerdings werde es kein Enthüllungsbuch. Man darf gespannt bleiben.

Dem wahren Thema, der Frage, wie viel Ehre Kohl zustehe, näherte sich Anne Will über die Sonderbriefmarke Kohls , die am 11. Oktober ausgegeben wird. Waigel findet die Idee gut: Kohl habe uns den Euro und die Wiedervereinigung beschert, das sei schon eine Briefmarke wert; für Augstein wiegt der Skandal um die CDU-Parteispenden schwerer: „Dafür soll er noch zu Lebzeiten büßen.“ Die Briefmarke solle folglich erst posthum veröffentlicht werden.

Das Lebenswerk des Altkanzlers reduziert auf die Frage, ob er sich selbst auf einer Briefmarke betrachten soll. Hoffentlich hat Helmut Kohl am Mittwochabend schon geschlafen.

Gerrit Dorn



Kommentare
29.09.2012
08:20
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von BauerKleppe | #50

Es ist schon recht ungewöhnlich. Das Volk vergisst ja gerne schnell, vor Allem das Schlechte, und nach geraumer Zeit gibt es fast nur noch das Gute - "Früher war es besser". So ist denn heute Helmut Schmidt als greiser, aber beliebter Dampfplauderer hochbeliebt, man traut ihm heute gar mehr Kompetenz zu als den Regierenden der letzten 20 Jahre.

HK schein es geschafft zu haben, dieses Prinzip umzukehren. Den Meisten fallen nur negative Dinge ein. Auch ich mochte und mag ihn nicht, für mich ist er der gewesen, der einfach nur zufällig zur richtigen Zeit an bestimmten Orten war. Ohne die Vorarbeit von Schmidt und Giscard dEstaing hätte es wohl kein Händchenhalten mit Mitterand gegeben, ohne Willy Brand wäre möglicherweise die Annäherung Ost-West nicht / viel später / bestimmt anders verlaufen. HK hat mit der Parteispenden- Affäre die Korruption hoffähig gemacht.
Europa und den Euro sehe ich trotzdem positiv, trotz vieler handwerklicher Fehler. Die hätten Andere aber auch gemacht.

1 Antwort
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von Broncezeit | #50-1

Die Meisten halten HK für den besten Kanzler der Bundesrepublik. Nur Nörgler und Unzufriedenen finden immer ein Haar in der Suppe.

28.09.2012
16:19
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Name von Moderation entfernt | #49

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.09.2012
08:20
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von Hoffnung_auf_besseres | #48

Ein schlechteren Kanzler als Kohl haben wir erst 1 x... Die jetztige Kanzlerin Merkel!!! An der Wiedervereinigung hat Willy Brandt wesebtlich mehr Anteil als ein Helmut Kohl. Und die Durchführung der Wiedervereinigung war ebenso diletantisch wie die Euro - Einführung. Unter einen Helmut Schmidt wäre alles viel sachlicher, viel professioneller abgelaufen. Leider war da ein Kohl an der Regierung. Und mir dem Euro hat Kohl sich ein Denkmahl - ehr ein Mahnmal - gesetzt. Nach dem motto: Wie man es nicht machen sollte... Kohl war ein Kanzler, auf den ich gerne verzchtet hätte...

27.09.2012
21:57
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von flatulenz | #47

Der Kerl kommt mir nicht ins Haus, auch nicht als Briefmarke.

1 Antwort
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von Catman55 | #47-1

Trotzdem nehmen ihn hier manche Pappnasen noch in Schutz. Die lernen eben nie.

27.09.2012
20:18
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von Murphy07 | #46

Das schlimme ist, damals hatten wir Helmut Schmidt und was Kohl mit Genscher gemacht? Nach dem Motto " Auch du mein Sohn Brutus haben sie Schmidt berledigt! Und Warum und Wofür, damit ein dusseldier wie Kohl endlich Kanzler wurde.
Darum habe ich auch nichts für Genscher über der ist genau Machtgeil gewesen wie Kohl und die heutige FDP!!!!!
Darum erzählt man sich auch, Daß "" Genschjer im Hintergrund wieder Mit Westerwelle Mauschelt. Westerwelle ist sein Ziehsohn.
Man sieht ja an der Neusten Gesetzgebung die Lobbyistenarbeit lohnt sich immer für die FDP. Wie sagten schon unsere Großeltern " Alle in einen Sack stecken und draufhauen, da trifft manm immer den Richtigen" Darum die Beiden hätten nie an die Macht gedurft.....wer viel zahlt, gewinnt bei den Beiden immer!!!!!!!!!!!!

2 Antworten
Die FDP war der Steigbügelhalter der SPD.
von Broncezeit | #46-1

Die SPD wäre ohne die FDP nie Regierungspartei geworden.

Die FDP hat immer gesehen, wie und wo sie ihre Machtpfründe sicher kann
von Catman55 | #46-2

immer mit Augenmerk auf ihr Klientel dass zu versorgen war. Einfach nur wiederlich, diese Verein von Kriminellen!

27.09.2012
20:07
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von Wannermondmann | #45

Recht so.
Wer hat Deutschland en da hin gebracht wo wir jetzt sind?
Wer sagte den die Wiedervereinigung kostest uns nichts.!!!!
Wer war den das ?
Wer zahlt heute noch , wir aber keine Kohlbirne aber
Eurobürger sein toll dieses blöde Ars..loch.
Wer hat den die Renten und Arbeitslosenkasse geplündert? War das nicht die Dumpfbacke Kohl?????
Deutschland verkauft mit dem blöden Euro und er wird immer noch gelobt .
Gebt mir eine Knarre und der ganze sch.is mit dem Ars,,loch ist gegesen.
.......Deutschlandkiller Kohlbirne........

27.09.2012
19:21
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von silera | #44

Wofür soll man diesem Mann dankbar sein ? Dafür das er fähige Politiker die mehr drauf hatten als er weggetrieben hat. Dazu zähl ich sogar Helmut Schmidt . Dafür das er bis heute immer noch zur Parteispendenaffäre schweigt ,Dafür das er uns den Soli beschert hat,dafür das er die Sozialkassen an die Wand gefahren hat,dafür das er zugelassen hat das man den Osten ausgeplündert hat und seine Klientel sich dort bedienen konnte.
Die Einheit hat Kohl nicht geschaffen,dies schreib ich anderen zu.Wer sich an die Zeit der Ostverträge erinnert,wie man da die Regierung seitens der CDU beschimpft hat als Vaterlandsverräter ,ohne diese Verträge hätten wir keine Wiedervereinigung. Man müßte also schon sehr lange überlegen mit welchen Verdiensten er in die Geschichte Deutschlands auftauchen sollte.

27.09.2012
19:19
Dusseliges Beweihräuchern...
von Broncezeit | #43

Genau, Mary Thatcher hat Kohl getrieben um ihre Unterschrift unter den Einheitsvertrag zu setzen.
Bei Mitterand war es genau so.
Und Gorbatschow war hocherfreut, daß Deutschland nur unter Beibehaltung der Nato-Mitgliedschaft einen Friedensvertrag bekommt.
Die Sowjetarmee hat sich auch ganz freiwillig aus Deutschland verabschiedet.
Es war ja alles so einfach.
Die einzige Schwierigkeit war der Sozialdemokrat Lafontaine. Ihm war ganz sozial gedacht die Einheit zu teuer.
Und seine Partei will uns jetzt lehren wie man Gerechtigkeit herstellt. Danke

27.09.2012
18:42
Ah ja, der Euro...
von schloppke | #42

Besonders schön auch die Geschichtsverfälschung von Waigel, daß uns der Dicke den Euro beschert habe...

Waigel war damals dafür verantwortlich, die Zahlen so zu verfälschen, daß Deutschland überhaupt die Rahmenbedingungen zur Teilnahme erfüllt hat.

Das gehört auch zu den Tricksereien, die Kohl für das Ausleben seiner Machtgeilheit brauchte.

Darf man gerne in der 49/2010 des Spiegel nachlesen.

27.09.2012
18:26
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von iceing | #41

Wen interessiert noch Helmut Kohl??

1 Antwort
Anne Will zelebriert verfrühten Grabgesang auf Helmut Kohl
von schloppke | #41-1

Dummerweise genau so viele Blitzbirnen wie zur Weiterlobhudelei jetzt von Merkel notwendig sind, um auch dem letzten Unkundigen vorzugaukeln, die Tante hätte schon einen Erfolg vorzuweisen.

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