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Amüsante dritte Champions-League-Halbzeit bei Lanz

14.02.2013 | 15:18 Uhr
Amüsante dritte Champions-League-Halbzeit bei Lanz
Markus Lanz (dapd)

Hamburg.  Auch die dritte Halbzeit nach einem ohnehin schon spannenden Champions-League-Abend ist zu mitternächtlicher Stunde noch äußerst unterhaltsam, wenn eine so gesellige Promi-Formation wie im ZDF-Talk bei Markus Lanz zum verbalen Schlagabtausch antritt.

BVB-Stadionsprecher und NetRadio-Reporter Norbert Dickel (52), Bundesliga-Berichterstatter-Legende Rolf Töpperwien (62). Ex-Schaubuden-Moderator Carlo von Tiedemann (69), Privat-Sender-Kommentator Wolff Christopher Fuss (36), Sky-News-Sternchen Britta Hofmann (32) und Dschungel-Camp-Kämpferin Georgina Bülowius (22) hatte die Hamburger Redaktionsmannschaft zum Fußball-Spätshoppen nach Mitternacht aufgeboten. Alle vier verschiedene Generationen brachten Glanz in den Talk bei Lanz.

Elegant führte der Spitzenreiter unter den Talkmastern die Konversation mit seinen Gästen in eine etwas andere Richtung als vorher geplant. Das Thema Wettskandal im internationalen Fußball blieb am Ende ganz auf der Strecke, weil die Teilnehmer bei anderen Geschichten zur Hochform aufliefen. Nach dem 2:2 in Donezk ging’s natürlich um den Mythos der Borussia aus Dortmund.

Die Dschungel-Kämpferin als Alibi-Freundin

Töpperwien und von Tiedemann, wiesen ganz im Stile alter Fernseh-Fahrensmänner gleich darauf hin, dass sie über gemeinsame Dritte-Halbzeit-Erlebnisse Verschwiegenheit vereinbart haben. Zu hören war von ihnen nur, wo sich die Treffen mit ehemaligen Bundesliga-Stars, Funktionären und Spielerfrauen gelegentlich abgespielt haben: In bekannten Hamburger Stammlokalen – nach Töpperwiens Reportagen beim HSV und zeitgleichen NDR-Musikshows mit von Tiedemann. Sogar die damals noch junge Schlagersängerin Nicole tauchte dabei auf, verriet Töpperwien – mehr nicht. Den Rest behielten beide für sich. Gut so!

Schließlich gibt es heutzutage genug medialen Boulevard. Lebendes Beispiel ist die dauergeprüfte Dschungel-Camperin Georgina. Die 22-jährige Kunststudentin brachte Farbe in die Diskussion bei der Konfrontration eines Dschungel-Camp-Dialoges (in Zitatform) mit Camp-Mitbewohnerin Olivia Jones über das Angebot einer Agentur als Alibi-Freundin eines schwulen Fußball-Profis ihr Geld zu verdienen.

Georgina hatte dies vor ihrem Dschungel-Camp-Abenteuer (natürlich) abgelehnt und wollte nicht mehr groß drüber reden. Aber Markus Lanz nahm den Ball auf, hakte bei den Kennern der Szene nach mit der Frage nach deren Erfahrungen. „Ich kenne frühere Nationalspieler, die in ihrer Karriere mit einer Frau verheiratet waren, obwohl die beiden nie miteinander gelebt haben“, behauptete Rolf Töpperwien mehrfach. Wolff Fuss schlug in die gleiche Kerbe, sagte, dass es traurig sei, dass sich noch immer kein schwuler Fußball-Profi in Deutschland outen könne. „Das käme einem Spießrutenlauf bei den 17 Auswärtsspielen in der Bundesliga gleich“, lieferte Töpperwien die Begründung.

Anekdoten!

Das einstige ZDF-Sporteporter-Ass hätte den Abend bei Lanz locker alleine mit seinen Anekdoten aus 1441 übertragenen Bundesliga-Spielen füllen können. Töpperwien (Mitglied von Eintracht Braunschweig) ist ein wandelndes Fußball-Lexikon, kann sich an alles und jeden erinnern, sogar an das genaue Datum. Zum Beispiel an den 14. Juni 1989 als Norbert Dickel mit zwei Toren, trotz lädiertem Knie, beim 4:1-Sieg gegen Werder Bremen als Pokalheld von Berlin vor über 76.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion in die BVB-Geschichte einging. „Es war das Pokal-Finale mit den meisten Zuschauern allerzeiten“, ergänzte Werder-Fan Töpperwien, während Dickel die überschwänglichen Lobeshymnen fast peinlich erschienen.

Doch die persönliche Note – Töpperwien plauderte aus: „Nobby hat eine attraktive und sehr nette Frau“ – machte den Lanz-Talk so sympathisch. Auch weil Dickel unerwartet sachlich und bescheiden rüber kam. Nach dem Karriere-Ende 1990 im 90. Bundesliga-Einsatz mit dem 40. Tor für die Borussia übernahm der heute 52-jährige den Job als Stadionsprecher und mauserte sich immer mehr in der vereinsinternen Medien-Arbeit. „Ich sage schon vorher, ich habe mich entschuldigt“, kommentierte Dickel die O-Ton-Einspieler der berüchtigten Niedermache von Schiri Wolfgang Stark bei einem Dortmunder Liga-Duell in Leverkusen. Dickel und Kollege Boris Rupert wurden danach vom DFB abgestraft. „Ein teures Hobby“, sei das, so Dickel, und rechtfertigte die von mittlerweile 250.000 Zuhörern weltweit verfolgten Internet-Reportagen mit den Worten: „Wir machen Radio für die BVB-Fans, nicht für die Schiedsrichter.“

Im Kommentatoren-Olymp

Nicht so massiv, aber mit klarer Ansage, hat sich Wolff Fuss einen Namen, vorallem bei jüngeren Zuschauern als Kommentatoren-Gott gemacht. Oh Gott! Wie schnell so ein heroischer Ruhm verblassen kann, haben schon ganz andere Ikonen des Live-Styles im Bezahlfernsehen erlebt. Explizit Marcel Reif. Mit ihm wird sich Fuss nicht vergleichen wollen. Aber Sprüche wie  – „manchmal macht der Gomez die Tore mit Badelatschen“ oder der „ganze Pott zieht blank“ (nach dem Schalker CL-Sieg bei Inter Mailand) – ähneln dem Reif-Duktus. Dabei gilt auch für Fuss: „Hundert Prozent Authentizität – anders kann ich es nicht.“ Rolf Töpperwien machte ihm vor drei Jahren bei der ersten Begegnung der beiden Fachleute auf Schalke Mut mit dem Satz: „Junge, so wie Du das bringst, finde ich das gut.“

Erst am Anfang ihrer Karriere steht Britta Hofmann. Sie musste sich, obwohl als Mädchen selbst aktive Fußballerin, ihren Weg in die Sportfernsehbranche hart erarbeiten. Schon als Siebenjährige wollte die gebürtige Sauerländerin aus Attendorn unbedingt Fußball-Reporterin werden. Kontakte über die Mutter von BVB-Profi Mats Hummels halfen ihr später dabei und der Ratschlag erst ein Studium an der Deutschen Sporthochschule abzuschließen. „Heute bin ich dankbar dafür“, sagt die junge Sky-News-Moderatorin. Rolf Töpperwien kennt auch ihren Lebensweg genau: „Ich habe sie mal bei einem Besuch bei Horst Hruebesch in Hamm-Westünnen gesehen.“

Stimmt! Damals schrieb Hofmann noch Sportberichte für eine Hammer Zeitung. Anschließend ging es für die mittlerweile 32-Jährige steil bergauf. Erst besagtes Studium nach dem Abitur, dann die ersten Bundesliga-Interviews am Spielfeldrand für Sky zu Beginn dieser Saison. Die Premiere – bei der Zweitliga-Partie in Berlin zwischen Hertha und Ingolstadt – habe sie allerdings mächtig verpatzt, gestand Hofmann. Alle akribisch gesammelten Vorab-Informationen über die Hertha-Elf warf sie im Gespräch mit Trainer Jos Luhukay durcheinander. Peinlich aber lehrreich sei dieser Einstand gewesen.

Werbung fürs Älterwerden

Überhaupt nichts peinlich im Entertainer-Leben war Carlo von Tiedemann. Weder die ständigen Abfragen nach dem Torschützen in seiner Zeit als HSV-Stadionsprecher (1992 bis 1998) – „Ich war ja Brillenträger“ -, noch die Versprecher beim Verlesen der Aufstellung. Der Name Salihamidciz ging ihm ganz schwer über die Zunge.. „Mein Freund Hasan“ habe er letztlich immer ins Mikrofon gerufen.

Genervt fühlt sich von Tiedemann allerdings mit der auch von Markus Lanz im Trailer erwähnten dunklen Vergangenheit seiner Suchtkrankheit. Zitat Lanz: „Der Mann, der süchtig gewesen ist nach diversen chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen.“ NDR-Nostalgiker Tiedemann wehrte sich mit den Worten: „Das ist 25 Jahre her. Ich kann und will das nicht mehr hören. Lasst es in Zukunft weg“.

Lieber ist ihm die Werbung für sein Buch „Ü 60 – na und?“ Der Fast-Siebziger gibt darin Tipps fürs Alter, weil er sich  noch fit und jung fühlt, mit einem Herz für die Jugend, was Georgina am Ende der Sendung rührend zu spüren bekam. „Ich finde sie echt klasse“, brach von Thiedemann eine Lanze für die in die leicht-gestrickt-Ecke gestellte Dschungel-Camp-Berühmtheit. Etwas mehr Fair-Play auf dem Feld der Unterhaltung forderte der weise Carlo vom klugen Lanz. Der sonst so selbstbewusste Talkmaster reagierte kleinmütig, entschuldigt sich bei von Tiedemann für das Aufblätter einer empfindlichen Seite aus dessen Vita und Markus Lanz wollte auch nicht den Eindruck einer bespaßten Georgina im Raum stehen lassen. Herrlich! Die illustre dritte Fernsehfußball-Halbzeit endete nach 90 Minuten mit Punkterfolgen für alle mitwirkenden Protagonisten.

Hartwig Sellmann


Kommentare
15.02.2013
15:21
Amüsante dritte Champions-League-Halbzeit bei Lanz
von mehlbox | #2

töpperwien fand ich übertrieben. war der besoffen oder profilgeil?

14.02.2013
19:32
Amüsante dritte Champions-League-Halbzeit bei Lanz
von Hanseman | #1

Hasan Salihamidzic heisst der Gute, ist wohl nicht nur schwer zu sprechen...-

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