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Porträt : Ein ganz besonderer Charakter

Fernsehen, 02.07.2008, Ulrich Schilling-Strack

Essen. Schauspieler, Maler, Musiker - Armin Mueller-Stahl hat viele Talente. Das Erste zeichnet deshalb ein Porträt des Hollywood-Stars zum Auftakt der sechsteiligen Reihe "Deutschland, deine Künstler".

Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze. Das Fernsehen hat sich aber bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen, und in Serien wie "Deutschland, deine Künstler" (Mittwoch, 23.30 Uhr, ARD) lassen sich die Ergebnisse besichtigen.

Sie sind, das gleich vorweg, nicht immer ein reines Vergnügen. Zum Auftakt am Mittwoch läuft beispielsweise ein Porträt von Armin Mueller-Stahl, dessen Sendetermin schon im Vorfeld für Streit sorgte. 23.30 Uhr, das ist ein Skandal, schimpft manch Feuilleton und vermutet, dass Kultur offenbar nur noch im Schutze der Nacht serviert werden soll.

Ans große Publikum wendet sich der Beitrag aber sowieso nicht. Die Machart orientiert sich etwas zu eng an dem Attribut "gediegen", das wir in diesem Fall mal mit "altbacken" übersetzen wollen. Der Begriff "Dokumentation" wurde hier wirklich wörtlich genommen. Zuweilen raschelt das Papier unüberhörbar, und im Archiv wird ächzend Schema F exhumiert: Der Meister erzählt wohltemperiert aus seinem Leben und wird dann und wann von Schnipseln aus seinen Werken garniert. Das hat man schon besser gesehen.

Solch leblose Skizze wird einem wie Armin Mueller-Stahl nicht gerecht. Was für ein Mann, was für ein Leben: Geboren in Tilsit, gesegnet mit zahlreichen Talenten, gewandert von der DDR über die Bundesrepublik bis nach Kalifornien! Das allein ist schon abendfüllend, und wir haben noch nicht einmal sein Violinspiel, die Malerei, die Hollywood-Karriere angesprochen.

Am Mimen selbst hat es denn auch nicht gelegen, dass sich die 45 Minuten zuweilen etwas ziehen. Unaufgeregt, höflich und gescheit gibt Mueller- Stahl seine Antworten und wundert sich aber vielleicht im Stillen, warum keine besseren Fragen gestellt werden.

Die Brüche, die Kanten, die Verwerfungen, die solch ein deutsches Schicksal in immerhin schon 77 Lebensjahren unweigerlich mit sich trägt, erscheinen seltsam leblos. Die Karriere in der DDR, die auf dem Höhepunkt der Ausbürgerungswelle rund um Wolf Biermann jäh endete. Der Neuanfang im Westen, wo kaum jemand einen Künstler kannte, der immerhin im Defa-Meisterwerk "Jakob der Lügner" brillierte. Der Durchbruch bei Rainer Werner Fassbinder, der einen Mann neu entdeckte, der sein Rollenspiel bewusst sparsam anlegt und deshalb mit einem Augenzwinkern emotionale Explosionen auslösen kann.

Die enorme Energie ist auch nach mehr als 100 Filmen noch nicht erschöpft. Natürlich sortiere er die Angebote heute sorgfältig, sagt der Künstler, der bei Lübeck ein Haus mit Atelier bewohnt und im kalifornischen Pacific Palisades überwintert; in einem Haus unweit der Villa Aurora, in der auch Thomas Mann verkehrte. Auch das passt: Manch einer mag sich nach der genialen Breloer-Verfilmung den Dichter nur noch als Mueller-Stahl vorstellen.

In Hollywood zählt Mueller-Stahl zu den ganz Großen, nennt Tom Hanks oder Robin Williams als Freunde. Wenn er einst das Angebot akzeptiert hätte, als Chefarzt die Schwarzwaldklinik zu leiten, wäre es dazu wohl nicht gekommen. Aber das hat er abgelehnt, der Armin Mueller-Stahl, der wohl schon immer wusste, was er wollte.

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