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Deutschland sucht den Superstar : Bohlen nennt DSDS-Kandidatin eine "Hure"

Fernsehen, 19.04.2009, Steffen Gaux

Essen. Verbale Entgleisung des Chef-Juroren in der sechsten Mottoshow. Benny Kiekhäben musste seinen Hut nehmen.

Mit „Walking On Sunshine“ und „When The Rain Begins To Fall“ erntete Benny Kieckhäben die wenigsten Zuschauerstimmen. (Foto: RTL) Foto: ddp

Benny ist raus. Und damit sind es nur noch vier: Mit Annemarie, Dominik, Sarah und Daniel biegt "Deutschland sucht den Superstar" auf die Zielgerade. In drei Wochen ist das Spektakel vorbei. Endlich!

Niemals zuvor war DSDS so schlecht wie in dieser Staffel: Noch nie spielte der Gesang eine so untergeordnete Rolle, noch nie waren die Urteile der Jury fragwürdiger, noch nie gab es unter den Kandidaten so viel Missgunst, die von RTL in Perfektion geschürt wird. DSDS soll eine Castingshow sein – doch dies ist kein Casting mehr, dies ist nur noch Show. Und eine ziemlich schlechte obendrein.

Als 2007 die Mottoshows der vierten Staffel begannen, war klar, wer Bohlens Favorit sein sollte: Mark Medlock. Dennoch bewertete er die anderen Kandidaten halbwegs fair. Auch diesmal scheint der Wunsch-Sieger festzustehen: Daniel Schuhmacher. Faire Jury-Urteile findet man aber selten. Mit Ausnahme von Sarah Kreuz – sie ist offenbar für die Rolle der Zweitplatzierten vorgesehen – bekommen alle Kandidaten, die Daniels Sieg gefährden könnten, seit Wochen ein nahezu konstant schlechtes Echo.

Da ist zum Beispiel der kleine Dominik Büchele. Der singt richtig gut, versemmelt selten einen Ton. Das Jury-Urteil: langweilig, zu wenig Show. Sarah Kreuz, die sich auf der Bühne weniger bewegt als ein Tannenbaum zu Weihnachten, hört solch kritische Töne nie. Auf der anderen Seite gab"s da Vanessa Neigert. Die sang verdammt mittelmäßig, versemmelte häufig Töne. Bohlens Urteil: "Du hast jeden Ton getroffen!" Deutschlands erfolgreichster Musikproduzent muss sich in dieser Staffel oft die Frage gefallen lassen, ob er über zwei gesunde Ohren verfügt.

Auch festzumachen am Beispiel Annemarie Eilfeld. Ihre Rolle: die "Zicke", das "blonde Gift". Diese Rolle hat sie sich nicht ausgesucht, die wurde ihr von RTL aufgedrückt. Sie versteht es aber, das Beste draus zu machen. Buh-Rufe aus dem Publikum ignoriert sie mit schon fast unheimlicher Professionalität. Sie bietet jeden Samstag die große Show, viel musikalische Abwechslung und wohl klingenden Gesang. Nur die Jury scheint das nicht hören zu wollen. Als Annemarie den äußerst schwierigen Prince-Titel "Purple Rain" interpretiert, ohne dabei einen einzigen Ton nicht zu treffen, spricht Bohlen von einer "gruseligen Leistung" und von "Schlager-Niveau". Muss er wirlich zum Ohrenarzt? Oder versucht er mit Macht, Daniel eine Konkurrentin vom Hals zu halten? Die Verantwortlichen dürfte es ärgern, dass all die Negativ-PR bislang noch nicht zu Annemaries Rauswurf geführt hat. Es ist offensichtlich: Man will sie dort nicht haben! Was Bohlen am Samstag auf unterirdische Art untermauerte, als er die Blondine "Bitch" (zu deutsch: Schlampe, Miststück, Hure) titulierte. Der absolute Tiefpunkt der Show.

Das einzige positive an dieser Staffel: die Zuschauer. Sie wählten bislang von Woche zu Woche den richtigen Kandidaten raus – ganz unabhängig von seltsamen Jury-Statements. Wer schlecht singt, fliegt. So solls’s sein. Vielleicht lernt die Jury das ja auch noch.

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