„37 Grad“ – Wie Menschen gegen Altersarmut kämpfen

Heidi hat nur eine kleine Rente. Ohne einen Minijob in einer Bäckerei käme sie nicht über die Runden.
Heidi hat nur eine kleine Rente. Ohne einen Minijob in einer Bäckerei käme sie nicht über die Runden.
Foto: Enrico Demurray
Immer mehr Menschen in Deutschland benötigen im Alter Grundsicherung. Die ZDF-Reihe "37 Grad" zeigt drei mutmachende Beispiele.

Mainz.. Die Wirtschaft brummt. Dabei gerät gelegentlich in Vergessenheit, dass es selbst in Boom-Zeiten Verlierer gibt. Verlierer, die für eine vorübergehende Lebenskrise oder unvorsichtige Entscheidung allzu oft einen dauernden Preis bezahlen müssen: im Alter. Eine ZDF-Reportage nimmt das Thema auf. Sie zeigt, wie in der Reihe „37 Grad“ üblich, drei Menschen, die den Kampf gegen die Altersarmut aufgenommen haben, indem sie kurzerhand weiterarbeiten.

Die Filmemacher Angelika Wörthmüller und Enrico Demurray stellen sie kurz vor und erklären knapp, warum das Thema in der gesellschaftlichen Debatte in den vergangenen Jahren noch wichtiger geworden ist. Das hängt damit zusammen, dass sich die Zahl der Menschen, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind, binnen zehn Jahre nahezu verdoppelt hat auf rund eine halbe Million.

Die Pflege seiner Mutter warf ihn aus der Bahn

Doch der 30-Minüter interessiert sich nicht in erster Linie für kalte Zahlen-Kolonnen und trockene Torten-Diagramme, sondern für die Betroffenen: Brötchen-Verkäuferin Heidi aus Berlin, Multi-Jobber Hans-Jürgen aus Stade und Wolfgang aus Berlin, 65, ehemaliger Maschinenbau-Ingenieur – ein Musterbeispiel dafür, dass selbst Akademiker im Fahrstuhl der sozialen Mobilität nach unten fahren können. Wolfgangs Schicksal ist mit der Deutschen Einheit eng verknüpft. Die Gießerei, in der der Sachse arbeitete, wurde nach der Wende abgewickelt. Er startete als Versicherungsvertreter neu durch. Zwei Scheidungen überstand er, die Pflege seiner Mutter hingegen warf den sonnengebräunten Mittsechziger aus der Bahn, finanziell, psychisch und physisch.

Unterstützung durch seine Kinder erhielt er nicht, wie Wolfgang im emotionalsten Moment des Films erzählt. Von „Bettelbriefen“ erzählt er – und von kaltherziger Abweisung. Die beiden Filmemacher dürfen sich zu gute halten, dass sie es geschafft haben, so viel Vertrauen von Wolfgang zu erhalten, dass er ihnen einen tiefen Blick in sein Innerstes erlaubte. Zugleich beweist das Reporter-Duo genügend Feingefühl, ihren Gesprächspartner dem Publikum eben nicht auszuliefern. Und das ist gut so.

Fazit. Solide Reportage zu einem Thema von steigender gesellschaftlicher Bedeutung.

ZDF, Dienstag 22.15 Uhr