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Fans bestimmten Songs bei Grönemeyers Jubiläumstour

07.11.2012 | 18:12 Uhr
Herbert Grönemeyer bei seiner Jubiläumstour unter dem Motto "Blick zurück - 30 Jahre: Halbzeit". Foto: dapd

Köln.   Herbert Grönemeyer outet sich bei seinem Konzert in Köln als Westfale, der auch Spaß verstehen kann. Bei 17 Stücken und sieben Zugaben gibt es kaum etwas zu bemängeln, zumal sich viele der alten Stücke, dank neuer Arrangements, wie gerade geschlüpft anhören.

Fast jeder kann eine Geschichte erzählen, und fast alle Geschichten fangen mit „Damals“ an. Damals, als ich Abi gemacht hab’ und wir alle Flugzeuge im Bauch hatten. Damals, als ich beim Konzert war und er mir mein Herz nicht zurück gegeben hat. Damals, als ein U-Boot-Fahrer sich anschickte, singen zu wollen, und ein Fan ihm schrieb „Sie sehen im Film wirklich sehr gut aus, aber Ihre Texte sind eine Katastrophe.“

Ganz so schlimm scheint es mit den Texten dann aber doch nicht gewesen zu sein, denn Herbert Grönemeyer landete seit 1984 mit all seinen deutschsprachigen Studioalben punktgenau auf Platz 1 der Charts, hat hierzulande über 13 Millionen Tonträger verkauft und steht seit drei Dekaden auf der Konzertbühne.

Heimspiel für Herbert

Der perfekte Anlass für eine Jubiläumstour. Seit dem 30. Oktober ist der inzwischen 56-Jährige mit „Blick zurück – 30 Jahre: Halbzeit“ unterwegs durch zwölf Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Köln war Dienstagabend die vierte Station. Und – wie alle Konzerte davor und alle Konzerte danach (bis auf das am Freitag in der Dortmunder Westfalenhalle und am 17. November im Freiburger Zäpfle Club) – restlos ausverkauft.

Halbzeit, demokratisch

Zu seiner Halbzeit gönnt sich „Gröni“ eine Clubtour, die er äußerst demokratisch gestaltet: Die Fans dürfen, im Internet, auf seiner Homepage, entscheiden, was gespielt wird. In Köln heißt das: leider keine „Flugzeuge im Bauch“ und auch kein „Gib mir mein Herz zurück“, dafür aber Stücke aus den letzten drei Jahrzehnten von „Total egal“ (1982) über „Deine Liebe klebt“ (1990) bis hin zu „Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht“ (2002).

Auf die Art haben auch lange nicht gespielte Lieder eine Chance. Wobei es ohne Lieblinge – „Ich dreh mich um dich“, „Kaufen“ oder „Kinder an die Macht“ – dann doch nicht geht. Der Mann mit dem dunklen Sakko, dem dunklen T-Shirt und der dunklen Jeans, der im E-Werk mit seiner Band aus dem Vollen schöpft, ist zwar längst nicht mehr rank und schlank und auch das Blondhaar lichtet sich deutlich, aber dafür blendend gelaunt.

Grönemeyer wohnte selbst elf Jahre in Köln

Auch Herbert Grönemeyer hat viel „Damals“ im Gepäck. Was er sichtlich genießt und mit viel Selbstironie ans Publikum weitergibt. Er erzählt von Zeiten, als es hinter der Bühne Käsebrötchen und Bier gab – und davor nur zwei Zuhörer. Als sich jener Fan über seine katastrophalen Texte beklagte. Und eine Redakteurin vom Rundfunk ihm etwas bescheinigte, was er selbst noch nicht wusste: Das „Letzte Version“ das traurigste Lied sei, das er je geschrieben habe.

Grönemeyer in Bochum 2011

Zum „Damals“ gehören auch die elf Jahre, in denen Grönemeyer in Köln zu Hause war. Statt 4630 Bochum preist der Jubilar umfänglich „Prima Colonia“ und outet sich als Rheinländer im Geiste: „Ich bin ja ein Westfale, aber vom Wesen her bin ich extrem lustig.“ Bei 17 Stücken und sieben Zugaben gibt es kaum etwas zu bemängeln, zumal sich viele der alten Stücke, dank neuer Arrangements, wie gerade geschlüpft anhören. Die Gesten und die Tanzbewegungen des Frontmanns sind allerdings wie immer, auch das ein Stück vom „Damals“, mitten im Heute. Die zweite Halbzeit hat für Herbert begonnen.

Susanne Schramm



Kommentare
08.11.2012
14:57
SETLIST
von iSven | #1

http://svnbrgr.eu/grnmyr30K

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