Falscher Dank

Eine Geschichte rauscht in diesen Tagen durch die deutsche Medienlandschaft, die ein bezeichnendes Bild auf unser gesellschaftliches Miteinander wirft.

Die Eltern einer Berliner Gymnasialklasse wollten sich nach sechs gemeinsamen Schuljahren bei einer Lehrerin bedanken, die ihrer Ansicht nach einen herausragend guten Job mit den Kindern gemacht hatte. Pro Kind wurden 15 Euro eingesammelt und dafür eine kleine Loriot-Kunstskulptur für die Pädagogin erstanden. Allein ein Vater, interessanterweise selbst Grundschuldirektor, erkannte in der kollektiven Dankesgeste ein unerhörtes Unrecht und verklagte kurzerhand die Beschenkte wegen des Verdachts der üblen Korruption. Die darob geschockte Lehrerin übergab das harmlose Skulptürchen umgehend und zutiefst reumütig ihrer zuständigen Schulbehörde, was sie aber dennoch nicht vor Strafe bewahrte.

Zwar wurden dynamisch eingeleitete Ermittlungen wegen unerlaubter Vorteilsnahme eingestellt, dies jedoch nur unter der Auflage, dass die Beschuldigte satte 4000 Euro an die Stadtkasse zahlen musste. Und nicht genug damit: Auch die Eltern erhielten vom Berliner Polizeipräsidenten ein offizielles Schreiben, in dem ihnen allen Ernstes die skulpturale Vorteilsgewährung zur kriminellen Last gelegt wurde. Diese Untersuchung verlief schließlich auch im Sande, setzte den Eltern aber doch enge Grenzen in ihrem Glauben an den Rechtsstaat.

Querulanten und Hilfspolizisten

Rein juristisch gesehen ist der Sachverhalt unstrittig. Berliner Lehrer dürfen Geschenke allenfalls mit einem Höchstwert von zehn Euro entgegen nehmen, womit der Verdacht der Bestechlichkeit offenbar schon im Keim erstickt werden soll. In anderen Bundesländern gibt es dazu leicht modifizierte aber sehr ähnliche Vorgaben.

Sehen wir einmal von der eigentümlichen Gesetzesauslegung im hier beschriebenen Fall ab, so fällt noch etwas anderes besonders unangenehm auf. Querulanten, Blockwarte, Denunzianten, selbsternannte Hilfspolizisten und notorische Kläger finden in unserem Gemeinwesen immer wieder und höchst erfolgreich ihre vergiftenden Betätigungsfelder. Bürgermeister in allen Städten und Gemeinden wissen wohl ein trauriges Lied davon zu singen und sind doch gleichzeitig gezwungen, all diesen Anzeigen, Vorwürfen und Bezichtigungen korrekt nachzugehen. Und tun dies zumeist mit dem Ausgang siehe oben.