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Fachgerecht verarztet

16.06.2013 | 18:12 Uhr
Fachgerecht verarztet
Farin Urlaub beim ersten "Ärztival" im Kölner Stadion.Foto: dpa

Köln.   Die Spaßrock-Formation „Die Ärzte“ gab ein Konzert im Kölner Stadion. 35.000 Fans feiern mit der „Besten Band der Welt“ einen langen Abend lang, nachdem The Damned, Triggerfinger und LaBrassbanda beim „ärztival“ unter freiem Himmel ordentlich vorgeglüht hatten.

„Wir woll’n die Hosen seh’n, wir woll’n die Hosen seh’n, wir woll’n…“. Cut. Falscher Film. Die Truppe um Frontmann Campino spielt erst in zwei Wochen im Kölner Stadion. Heute gehört der FC-Spielplatz den Ärzten. Der anderen, zweiten Spaßrock-Band der Republik. Im gleichen Jahr gegründet und ebenfalls angetreten mit der Attitüde, Punk zu machen, teilen die Hosen und die Ärzte die Vorliebe für lustige Pseudonyme, ironische Texte und engen Kontakt zum Publikum. Und haben millionenfach Platten verkauft.

Wer jedoch die „Beste Band der Welt“ ist, daran herrscht für 35.000 Fans in „Hennes’ Stall“ (O-Ton Ärzte) am Samstagabend kein Zweifel. Seit dem späten Nachmittag haben The Damned, Triggerfinger und LaBrassbanda beim „ärztival“ unter freiem Himmel ordentlich vorgeglüht.

Fans feiern beim ersten "Ärztival" im RheinEnergieStadion in Köln.Foto: Rolf Vennenbernd

Und wenn um 20.24 Uhr der Schriftzug „Die Ärzte“ aufleuchtet, gestickt aus goldenen Lichtpunkten auf schwarze Leinwand, bricht sich die Vorfreude in wildem Jubel Bahn.

„Wie es geht“ eröffnet einen zweieinhalbstündigen Marathon, die Setliste verzeichnet 24 Stücke und sieben Zugaben. Blondschopf Farin Urlaub, Steh-Drummer Bela B. und Anzugträger Rodrigo González können auf ein Publikum vertrauen, das genau weiß, was kommt. „ZeiDverschwÄndung“, wenn der Satz „Hast du nicht besseres zu tun, als die Ärzte zu hören?“ fällt, „Unrockbar“, wenn die Aufforderung zum Sit-In erklingt oder „Wir sind die Besten“, wenn es ironisch heißt „Es ist fast dunkel, es ist fast das letzte Lied“. Da stehen noch 90 Minuten Spielzeit aus.

„Ärzte“-Schlagzeuger und Sänger Bela B.Foto: Rolf Vennenbernd

Die Lautstärke fällt satt aus

Farin Urlaub und Bela B. flachsen in gewohnter Manier sich und das Publikum an; Gonzalez, obschon von den Kollegen zum „König der Nacht“ ernannt, ist ein eher ruhiger Vertreter. Die Lautstärke fällt satt aus, klingt aber nicht krawallig. „Ist das noch Punkrock?“ lautet die gesungene Frage, die sich kaum beantworten lässt. Im Repertoire gibt es Härtefälle („Ignorama“), Kuschel- und Kussballaden („Mach die Augen zu“) und Poppiges („Westerland“). Und, klar, Hymnen wie „Schrei nach Liebe“.

Das nimmermüde Jubel-Kollektiv vor der Bühne ist ständig gefragt, beim Mitsingen, La-O-la-Wellen-Machen oder Kleidungsstücke bei „Waldspaziergang mit Folgen“ wie bunte Windräder über den Kopf kreiseln lassen. Von oben muss das wunderschön aussehen . Fachgerecht verarztet (verärztet?) werden Cliquen, Paare, Freundinnen und Väter mit kleinen Söhnen oder Töchtern. Die Ärzte sind eine Spaßband für viele Generationen, für verliebte Mädels („Ich will mit dir ins Bett, Bela!“), für Arbeitskollegen und die ganze Familie.

Rodrigo GonzalezFoto: Rolf Vennenbernd/dpa

Ist das jetzt noch ein Konzert? Oder eine riesige Party? Egal. Die Atmosphäre ist viel zu endorphingesättigt. Bei den Hosen, zwei Wochen später im Stadion, wird das ähnlich sein. 35 000 Fans gilt es zu toppen. Die Wette gilt.

Susanne Schramm



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