"Fabelhafte Familie Baader" - Aberwitzige Farce in Moers

Marissa Möller und Matthias Heße in "Fabelhafte Familie Baader" - eine Aufführung mit dem Zeug zum Kult-Stück.
Marissa Möller und Matthias Heße in "Fabelhafte Familie Baader" - eine Aufführung mit dem Zeug zum Kult-Stück.
Foto: Helmut Berns
Was wir bereits wissen
Die Kapitalismus-Farce "Fabelhafte Familie Baader" feierte im Schlosstheater Moers Premiere. Eine ideenreiche und aberwitzige Inszenierung.

Moers.. Ernesto ist kein Revolutionär mehr, sondern der Name eines Stuhl-Modells. Und Firmenchefs werden nicht mehr von Terroristen erschossen, sondern von denjenigen, die den Kapitalismus retten wollen sollen. Denn manche Kapitalisten haben noch nicht begriffen, dass diese Wirtschaftsweise zur Selbstzerstörung neigt, wenn ihre Regeln bis zum Exzess befolgt werden und die Gier keine Grenzen mehr kennt.

Schlosstheater Andi freut sich wie ein Schneekönig über seine neue Stelle bei Messerschlitz und Söhnlein, macht dort Karriere und hängt noch dem Kinderglauben des Kapitalismus an: „Solange wir uns bemühen, wird uns das Glück nicht verlassen“. Es läuft alles auf das Haus am See zu. Seine Frau Gudrun versucht es derweil als unausgelastetes Heimchen am Herd mit einer Magisterarbeit, einem Altenheim-Praktikum, einem Job bei der Werbeagentur, einer Chemikanten-Ausbildung und anderem mehr. Mit dem Kinderwunsch will es ja auch so gar nicht klappen.

Eine harmlos anlaufende Komödie

Irgendwann beginnt sie, neue Finger zu sammeln, irgendwann stellt sich heraus, dass Andreas’ Sekretärin Carsten Brandau heißt, also seltsamer Weise wie der Autor des neuen Stücks am Moerser Schlosstheater, in dem wir uns gerade befinden: „Fabelhafte Familie Baader“. Denn Gudrun ist eine geborene Ensslin und heißt jetzt Baader. Und dass sie in früheren Zeiten RAF-Terroristen geworden wären, zieht der harmlos anlaufenden Komödie einen beunruhigenden doppelten Boden ein – ab jetzt wird sie immer aberwitziger, die Zusammenhänge undurchsichtiger und alles dreht ab in eine böse, anarchische Farce.

Das liegt auch an den großartigen, ideenreichen Einfällen des Regisseurs Matthias Heße, der auch gleich eine der drei Rollen übernommen hat. Das liegt aber auch an den beiden anderen Schauspielern Patrick Dollas und Marissa Möller, die mit heftigem bis artistischem Körpereinsatz, echten Ohrfeigen und grandioser Komik arbeiten. Ein Abend, der seine gesamten 80 Minuten lang kurzweilig bleibt und das Zeug zum neuen Kult-Stück hat.