Lena Meyer-Landrut und die Gratis-Praktikanten
18.01.2011 | 16:02 Uhr 2011-01-18T16:02:00+0100
Essen/Düsseldorf.Der NDR möchte mit 500 Ehrenamtlichen den Eurovision Song Contest stemmen - „ein neues Erprobungsfeld für die seit Jahren Sklavendienste verrichtende ,Generation Praktikum’“. Kritiker nennen das Vorhaben unverschämt.
Es ist ein Angebot, das man eigentlich nur ablehnen darf: Der NDR sucht 500 Ehrenamtliche, junge Menschen ab 18 Jahren, „die gute Kenntnisse der deutschen und englischen Sprache mitbringen müssen und mindestens vom 5. bis 19. Mai verfügbar sein“ sollen. Nein, der NDR plant kein öffentlich-rechtliches Dschungelcamp. Ja, der NDR hat, wie der für den Grimme-Preis zuständige Referent Ulrich Spies es nennt, „ein neues Erprobungsfeld für die seit Jahren Sklavendienste verrichtende ,Generation Praktikum’“ aufgetan. Beim Eurovision Song Contest (ESC) in Düsseldorf sollen sich diese Menschen, „um den reibungslosen Transport der Mitarbeiter und Gäste kümmern oder Journalisten aus der ganzen Welt weiterhelfen“.
Grand Prix ist keine gemeinnützige Veranstaltung
„Durch die Mitarbeit von Volunteers wird die Organisation des Mega-Ereignisses ESC in dieser Form überhaupt erst möglich“, erläutert Ralf Quibeldey, der Projektleiter des ESC. „Eine Bezahlung können wir nicht bieten, dafür aber das einzigartige Flair der größten Musikshow der Welt.“ Wenn das mal nichts ist, bei einem Sender, der für die große Lena-Show circa 25 Millionen Euro berappen kann und will.
Der Ticketverkauf für das 2. Halbfinale des Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf startet heute um 12 Uhr. Karten gibt’s in den beiden Touristeninformationen in Düsseldorf sowie im Internet. Die Preise pro Show liegen zwischen 29 Euro und 119 Euro.
Der Grand Prix sei eine Unterhaltungssendung, keine gemeinnützige Veranstaltung, bei der Menschen eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben, kritisiert Ulf D. Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft. „Es mutet schon etwas seltsam an, dass der NDR ohne jeden Skrupel Menschen animieren will, eine Dienstleistung völlig kostenlos zu erbringen“, schimpft Posé. Und erkennt eine gewisse Doppelmoral: „Gerade die öffentlich-rechtlichen Anstalten berichten seit Jahren über Unternehmen, die nicht bereit sind, eine ordentliche Leistung auch ordentlich zu entlohnen. Auch und gerade eine öffentlich-rechtliche Anstalt sollte nicht mit zweierlei Maß messen.“ Der NDR werde über Gebühren finanziert. Diese seien angemessen an diejenigen zu verteilen, die für den NDR arbeiten. Nach Ansicht Posés sei es „fast unverschämt, dass der NDR die freiwilligen Helfer auch noch ‚nötigt’, für Unterkunft und Verpflegung während des Events selbst aufzukommen“. Dafür könne, so Quilbeldey, der NDR leider nicht sorgen.
Eine perfide Form
der Ausbeutung
„Eine perfide Form der Ausbeutung“ nennt Ulrich Spies das Vorgehen des NDR und sagt: „Ein mit Gebührengeldern finanziertes öffentlich-rechtliches Unternehmen wie der NDR sollte sich gerade jungen Menschen gegenüber vorbildlich verhalten und einen angemessenen Lohn für gute Arbeit zahlen.“
13:29
Als Göre mit ein paar Takten Gesang Millionärin geworden. Und nun sollen 500 ehrenamtliche für sie den Dreck machen. Wie bescheuert muss man da sein, um sich dafür zu melden?
19:21
Falco - eine deutsche Ikone -??
15:57
Aha, gut, daßauch bei diesem Kulturhauptstadt2010-Schwachsinn haufenweise sogenannte Volunteers den ganzen Mist begleitet haben...ergo sind Pleitgen und Konsorten auch Ausbeuter???
15:19
Jeder darf mal der Lena die ... Hand schütteln - ist das nicht Lohn genug?
13:02
@tagesschau Den freiwilligen ESC Helfern wird nichts versprochen. Es geht auch nicht um Arbeitsplätze, sondern um ein, auf ca. 2 Wochen befristetes, freiwilliges Engagement beim grössten Musikevent der Welt. Deine Polemik geht vollkommen am Thema vorbei.
11:22
Das ist doch jetzt albern. Es ist schon ein Unterschied ob man Freiwillige sucht die sich ans Fließband stellen oder ob man Freiwillige für ein megageiles Event sucht.
Wenn ich könnte wäre ich in Düsseldorf dabei, am Fließband bestimmt nicht.
10:55
In Deutschland fehlen noch ehrenamtliche Fabrikarbeiter. Ehrenamtlich ans Band! Die machen das doch freiwillig. Weil man ihnen versprochen hat, dass sie später einmal eine festen Job kriegen könnten. Aber den haben schon die Ehrenamtlichen kaputt gemacht.
21:05
#34 wiki
ja, ja, geh doch nach drüben
20:33
WM, EM und Olympiade suchten und suchen ebenfalls Volunteers.Sind das etwa gemeinnützige Veranstaltungen?
Ich bin in Vereinen , BEZAHLE Beitrag UND mache unbezahlte Vereinsarbeit. Bin gespannt, ob die aich im Beitrag wichtig machenden Experten bei der Damen-Fußball WM ebenfalls aufregen, wenn dort Volunteers gesucht werden.
Wenn die Helfer (alle gleich?) bezahlt würden, gäbe es Neid und wer ist am Ende der Haupt-Nutznießer? Das Finanzamt. Wenn ich zeitlich könnte wäre ich ssofort dabei, bei einem Event mit 43 Nationen zu Gast, mehr als bei der Fubball-WM, wo wir uns als gute Gastgeber zeigen können. Die Miesmacher können ja auswandern, dorthin wo es alles besser ist als in Deutschland. Haut einfach ab und laßt den anderen ihren Spaß.
19:52
Danke, der Bericht spricht mir aus dem Herzen.
Das gleiche gilt auch für die Fußball-WM. Da haben viele Freiwillige Ihr Herzblut eingesetzt, und die FIFA hat sich die Taschen vollgemacht und diverse VIPs haben sich kostenlos bedienen lassen. Wenn man da jedem Freiwilligen sagen wir mal 1000 Euro gegeben hätte, wäre der Gewinn der FIFA nur geringfügig niedriger ausgefallen.
Und nicht vergessen: Freiwillige (Ich vermeide bewußt das dämliche Wort Volunteer) nehmen Leuten, die auf das Geld angewiesen sind, ihre Verdienstmöglichkeiten weg.