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15.11.2007 | 23:10 Uhr

Schloß Moyland und das Museum Kurhaus Kleve zeigen Arbeiten von Antoni Tapies und Robert Indiana. Europa trifft auf Amerika

Kleve/Moyland. Zwischen Schloss Moyland und dem Kurhaus Kleve liegen nur wenige Kilometer flacher niederrheinischer Landschaft. Zwischen den Künstlern Antoni Tapies und Robert Indiana liegt der Atlantische Ozean. Europa und Amerika driften eben auf unterschiedlichen Kontinentalplatten.

Das Museum Schloss Moyland widmet dem Katalanen Tapies, der am 13. Dezember 84 Jahre alt wird, eine Retrospektive mit großformatiger Malerei, mit Drucken, Skulpturen und Künstlerbüchern. Insbesondere bei den Gemälden beeindruckt, wie aus materieller Wucht und dynamischer Geste ganz konzentrierte, ruhige Arbeiten entstehen. 2,10 mal 2,20 misst die "Ockerfarbene Wellenlinie" aus dem Jahr 2003: Tiefschwarz der Untergrund, aus dem sich die breite sandfarbene Linie schlangenförmig erhebt. Tief eingeritzt ist die Spirale in die dunkel-schlammige Masse bei "Spirale und Text" von 2001.

Worten, Symbolen oder Gegenständen begegnet man auf allen Bildern von Antoni Tapies. Wobei das immer wiederkehrende Kreuz oder die Hand in der Ecce-Homo-Geste sowohl christlich als auch ganz profan gedeutet werden können, sowohl als Bezüge in die Kunstgeschichte als auch als schlichte Markierungen oder Hinweise.

Eben diese Auseinandersetzung mit geistigen Fragen trifft bei Tapies auf eine gegenständliche Welt von großer Präsenz. Das mit großer Geste gemalte und wild zerkratzte "Materie-Sofa" steht neben der "Schwarzen Badewanne" (beide aus 1990) die in monumentaler Ruhe das Format komplett beansprucht.

Nur Spuren zeugen von menschlicher Präsenz. Aus der Badewanne aus Schamotte-Ton ist ein Kreuz ausgesägt, der Diwan aus dem gleichen Material scheint gerade verlassen worden zu sein. Kurz nach dem Tod von Joseph Beuys 1986 entstand das Gemälde, das in Moyland eine besondere Bedeutung annimmt: "Bonjour, Mr. Beuys". Begegnet sind sich Tapies und Beuys nie, Bezüge zwischen den Werken aber gibt es. Ein Treffen sozusagen in der geistigen Welt, die Tapies so packend ins Materielle holt.

Jenseits des Kontinentalgrabens erlangte der 1928 geborene Robert Indiana Ruhm als Klassiker der Pop Art. Eine seiner Arbeiten wurde in den 60er und 70er Jahren zum Muss in unbürgerlichen Wohnformen: Indiana war's, der 1966 die vier Buchstaben LOVE in zwei Zeilen zu einem Quadrat stapelte, das O leicht nach rechts geneigt. Und auch in der Ausstellung im Kurhaus Kleve spielt dieses von ihm selbst immer wieder abgewandelte Motiv, das er selbst "Ein-Wort-Gedicht" nennt, eine überragende Rolle: In Ölbildern, Siebdrucken, einer roten Skulptur, als Ring oder riesiger Wandbehang (6,10 mal 6,10 Meter). All you need is Love?

Unter dem Titel "Der amerikanische Maler der Zeichen" stellt das Museum den heute in Maine lebenden Künstler vor, dessen Werk seit über 40 Jahren in Deutschland so ausgiebig nicht zu sehen war. Sein großes Thema ist die Desillusionierung des "Amerikanischen Traums", der Glück mit der Befriedigung materieller Bedürfnisse gleichsetzt. Ein Schwarz-Weiß-Film von Andy Warhol zeigt Indiana, wie er 40 Minuten lang einen Pilz isst. EAT - auch dieser Schriftzug taucht oft auf.

Indianas erste Arbeiten entstanden mit Hilfe von Schablonen, die er in seinem Atelier in Manhatten fand, und die zur Beschriftung von Schiffen und Waren gedient hatten. Nicht malererisch, sondern grafisch-architektonisch baut Indiana seine Motive um Buchstaben und Zahlen auf, um sie seriell in immer neuen Farbvariationen durchzuspielen. Inspiriert sind sie von den in den USA allgegenwärtigen Werbe-Schriftzügen, aber auch von Flipper-Automaten. TILT.

Von Anne Horstmeier

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