Ernährung
Esst mehr Fleisch! Oder besser doch nicht?
19.08.2010 | 09:10 Uhr 2010-08-19T09:10:00+0200
Essen.Der Autor Jonathan Safran Foer hat eine Debatte über das Fleischessen angestoßen. Für sein aktuelles Buch begleitet er Tierschutz-Aktivisten und malt blutige Bilder von geschundenen Kreaturen. Aber er rät nicht zum totalen Verzicht.
Es ist eines der seltsamen Phänomene von Elternschaft, dass sie wie eine Lupe wirkt: und zeigt, was uns wirklich wichtig ist im Leben. Den US-amerikanischen Autor Jonathan Safran Foer brachte seine Vaterschaft dazu, sich endgültig mit einem Thema auseinanderzusetzen, dass ihn zeitlebens beschäftigt: der Frage, ob der Mensch Tiere töten und verzehren darf. Sollte sein Sohn einmal Burger zu essen bekommen? Und wenn er fragt, ob das Schwein leiden musste? Foers Antwort ist eine Reportage aus Tierfarmen und Schlachthäusern, die angetan ist, jeglichen Appetit auf Grillhähnchen und Co. für immer zu verderben. Sie endet mit dem dringenden Rat, unseren Fleischkonsum zumindest zu reduzieren.
Das ist nicht überraschend. Warum eigentlich nicht? Weil die Menschen unweigerlich annehmen, schreibt Foer, „dass eine gründliche Erforschung landwirtschaftlicher Nutztierhaltung unweigerlich vom Fleischessen wegführt”. Dies ist ja Foers eigentliches Verdienst: Seinen Leser etwas vor Augen zu führen, was er eigentlich weiß – aber nicht sehen will.
Einbrüche auf Hühnerfarmen und blutige Bilder von geschundenen Kreaturen
Foer ist einer der Jungstars der US-Literatur und, seit der Hochzeit mit Schriftstellerin Nicole Krauss, Teil des hippsten Paares der Zunft. Nun wirft er sein ganzes Gewicht in eine Waagschale, zieht er alle Register. Er begleitet Tierschutz-Aktivisten bei ihren nächtlichen Einbrüchen in Hühnerfarmen, er malt blutige Bilder von geschundenen Kreaturen. Er führt seine Leser in Schlachthäuser. Er zeigt ihnen die Seen aus Exkrementen, die eine Schweinefarm jährlich erzeugt. Er beschreibt das nur 40 Tage kurze, qualvolle Leben eines überzüchteten Grillhähnchens, beschreibt sein Sterben.
Den Bildern stellt er Zahlen zur Seite, die zeigen, dass die Gesellschaft der Fleischesser vor allem sich selbst gefährdet: 83 Prozent allen Hähnchenfleisches ist US-Statistiken zufolge infiziert mit Salmonellen oder Bakterien. Schweine- und Vogelgrippe zählt Foer zu den Mutationen, die eindeutig in Tierfarmen entstanden seien. Er warnt vor Antibiotika-Resistenzen. Er prangert den schwindelerregenden CO2-Ausstoß der Massentierhaltung an. Amerika ist weit weg? Keinesfalls. In der deutschen Übersetzung seines Buches betont er, dass zwar die Zahlen den US-Markt beträfen – Deutschland jedoch das Land sei, das diesem Markt weltweit am ähnlichsten ist. Auch hierzulande wäre Foer zum überzeugten Vegetarier geworden: „Am Schluss des Buches schreibe ich, dass ich zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort womöglich andere Entscheidungen hinsichtlich des Essens von Tieren getroffen hätte. Deutschland ist jedoch nicht der Ort, den ich mir dabei vorgestellt habe.”
Ethisch korrekte Ernährungsstile im Selbsttest
Tatsächlich findet er gerade in Deutschland eine kollegiale Mitstreiterin. Die Autorin Karen Duve arbeitet an einem Buch, das im Winter erscheinen wird und den sprechenden Titel „Anständig essen” trägt. Im Selbstversuch testet die Autorin vier verschiedene, ethisch korrekte Ernährungsstile. Das ist offenbar so anstrengend, dass sie allein dem „Spiegel” ein Interview gewährte und sonst niemandem. Dem Magazin sagte sie: „Ich bin jetzt meistens der Problemfall, der Außenseiter.”
Das könnte sich bald ändern. Nach der Öko-Welle der 80er-Jahre scheint jetzt die Zeit reif für die Generation Fleischlos. Die Gutmenschen von heute allerdings sind kompromissbereit und pragmatisch. So hält Foer in seinem Buch nicht etwa ein Plädoyer für rigides Vegetariertum, sondern empfiehlt, Fleisch für besondere Gelegenheit aufzusparen (was ihm Tierschützer und das Feuilleton der Zeit-Redaktion bereits vorwerfen.) Foer nimmt zur Kenntnis, dass Esskultur eben auch dies ist, Kultur. „Wir bestehen aus Geschichten”, schreibt Foer, und auch unsere Nahrungsaufnahme besteht aus Selbstbildern, Stories, Traditionen. Wenn Foers Familie sich um den Hähnchen-Möhren-Topf seiner Großmutter schart, ist das ein freudiges, trauriges, triumphales Ereignis. Als Jüdin floh die Großmutter einst aus Europa. Ihre Reaktion auf ihren Urenkel lautete so: „Wie schwer ist es?”
„Geschichten über Essen sind Geschichten über uns”, schreibt Foer, „unsere Vergangenheit und unsere Werte.” Mit Traditionen zu brechen ist nicht leicht. Und trotzdem: An Thanksgiving, diesem höchsten aller US-amerikanischen Feier- und Familientage, gibt es im Hause Foer keinen Truthahn mehr.
Jonathan Safran Foer, „Tiere essen“, 19,95 Euro
17:49
Ich habe schon lange irgendwie gewusst, dass mein Fleischgenuss nur mit viel Leid erkauft werden konnte. Die Mengen an verpackten Tierteilen, die in den Supermärkten in den Auslagen liegen, konnten nicht alle von der grünen Wiese kommen, das war klar. Ich habe jahrelang die Augen davor verschlossen und habe das Stück Fleisch auf meinem Teller als Stück Fleisch gesehen und nicht als Teil eines Tieres, das in einem fabrikähnlichen Betrieb ein unwürdiges Leben führte und unter grausamen Bedingungen geschlachtet wurde. Die Frage, die ich mir bei einem Besuch bei KFC nach eine Riesenportion Hähnchenteile stellte, war: muss das sein? Und die Antwort war eindeutig: nein! Kein einziges mit Gefühlen, Schmerzempfinden und Intelligenz ausgestattetes Wesen muss meinetwegen sterben. Seit einem halben Jahr esse ich nun kein Fleisch mehr, und es geht mir besser, als je zuvor. Jeder hat die Wahl und die Möglichkeit, ohne erwähnenswerten Verzicht auf Genuss, ohne erwähnenswerte Umstellung seines Verhaltens eine wichtige Veränderung für sich selbst, die Umwelt und die Gesellschaft herbeizuführen. Und das Tolle daran ist: es ist so wunderbar leicht. Ich möchte alle bitten, die spüren, dass da etwas schief läuft, Tiere essen von JSF zu lesen. Als ich das Buch zur Seite legte, war „Fleisch“ nicht mehr das, was es vorher war. Es wird möglich, das zu tun, was man lange Zeit vor sich hergeschoben hat: Tiere nicht zu essen.
14:34
Aufgrund der zahlreichen Reportagen in der Zeit, im Spiegel und im TV über Massentierhaltung, esse ich seit März kein Fleisch mehr. Ich für mich habe beschlossen so extrem zu handeln um das andere Extrem der Massentierhaltung zu bekämpfen. Ich möchte niemanden bekehren und mache seit dem ich auf Fleisch verzichte interessante Erfahrungen. Eine ist, dass mein Umfeld ein größeres Problem damit hat als ich selbst. Eine andere Erfahrung ist, dass ich jetzt erst richtig wahrnehme wo überall Fleisch enthalten ist- und wenn auch nur als mini Schinkenwürfel im Eintopf. Es gibt fast nichts im Supermarkt ohne Fleisch zu kaufen. In Diskussionen warum ich kein Fleisch esse, entgegnet mir mein Umfeld meißt damit, dass es ja eigendlich auch kaum Fleisch isst. Dabei vergessen die Leute das mit Fleisch nicht nur das Schitzel oder der Sonntagsbraten gemeint ist, sondern das die Wurst auf dem Frühstücksbrötchen, der Speck oder die Gehacktes Bällchen in der Suppe, die Dönninghaus zwischendurch und die Tiefkühlpizza Schinken auch Fleisch enthalten. Wie hochwertig dieses Fleisch ist sei mal dahingestelt. Man sollte halt nur mal mehr mit dem Kopf als mit dem Magen denken und bereit sein mehr Geld für eine anständige Tierhaltung und Fleischproduktion auszugeben. Aber ein Umdenken ist noch in sehr weiter Ferne.
11:00
Fleisch schmeckt gut und ist gesund. In Maßen, wie alles andere auch. Ich bin mir sicher das meine Vorfahren auch mal an einem Mammut genascht haben. Was Jahrtausende zur Weiterentwicklung des Menschen gedient hat soll jetzt schlecht sein? Nahrungsmangel ist für mich eine Frage der maßlosen Überbevölkerung.
15:57
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23:13
Bitte googeln Sie was der Entertainer Hagen Rether zum Fleischkonsum der heutigen Gesellschaft zu sagen hat! Dieser Mann ist einfach nur brillant!
15:32
Der menschlichen Gesundheit ist der Fleischverzehr alles andere als zuträglich, enthält Fleisch doch übermäßig Fett und Cholesterin, dafür aber keine Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Menschen, die tierische Produkte verzehren, tragen ein 10mal höheres Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, und ein um 40% höheres Krebsrisiko. Doch auch das Risiko für andere Krankheiten ist höher, so z.B. für Schlaganfall, Fettleibigkeit, Bliddarmentzündung, Osteoporose, Arthritis, Diabetes, Impotenz und Lebensmittelvergiftung.
11:46
Ich mache solche Moden grundsätzlich nie mit. Eher im Gegenteil: Wenn jetzt alle leidenschaftliche Fleischesser würden, könnte ich mir vorstellen, auf vegetarische Kost umzusteigen.
So werde ich mich nun auch dem beschriebenen ethisch korrekten Ernährungsstil nicht anschließen und mir weiterhin Fleisch in die Pfanne hauen - bezogen vom Discounter meiner Vertrauens.
11:46
Das Traurige ist doch, dass Fleischesser überhaupt zu keiner Diskussion gewillt sind, stur auf ihrem Recht beharren, alle anderen als Bekehrer und militant beschimpfen und die tragischen Konsequenzen ihres verantwortungslosen und egoistischen Verhaltens überhaupt nicht sehen wollen.
Jede/r darf so, wie er und sie will, aber wie in einem demokratischen Rechtsstaat üblich, nur so lange, bis die Freiheit und die Rechte anderer durch eben dieses egoistische Verhalten eingeschränkt und verletzt werden.
Und das ist hier schon von Anfang an der Fall.
Nur lässt sich verantwortungsloser Fleischkonsum (auch der eigenen Gesundheit gegenüber) nicht demokratisch rechtlich regeln. Schade.
Fürs Klima, für die gefolterten Tiere, für unser Gesundheitssystem, uvm.
11:34
Für Eiferer jedeglicher Coluer gilt halt immer, dass die Argumente der anderen nichts wert sind. Eigene Behauptungen werden als Tatsachen dargestellt, die Aussage anderer verfälscht dargestellt.
Ich habe niemals aus dem Fleischessen eine Religion gemacht, helli79 und kasi machen dies aber aus dem Nichtfleischessen.
Ich betone zum Abschluß noch einmal:
Ich jedenfalls bin dafür alle Lebwesen ob Tier oder Pflanze als Teil des Ökosystems Natur zu achten. Beides darf als menschliche Nahrung im notwendigen Umfang genutzt werden. Dabei ist auf die Verursachung eines möglichst geringen Schadens an der Natur zu achten.
11:28
@Kritiker12: Sehen Sie denn wirklich nicht, dass Sie in der Wertung, die Sie hier vornehmen, unsachlich argumentieren luzid zum Ausdruck bringen, dass sie dies nicht respektieren?
Viel mehr noch, sind die Vegetarierargumente hier fast ausnahmslos sachlich und rational getrieben, so dass die Wertung Eifer ja gar nicht treffend sein kann. Konstrastierend hierzu wirken Sie als fleischessendes Element dieser Diskussion geradezu erregt.
Ich finde daher, dass Sie hier quasi eifernd aus dem Fleischessen eine Religion machen und diese fundamentalistisch vertreten.
Ich jedenfalls werde es jetzt Helli gleichtun und mich ausklinken.
Ich hoffe, dass Sie das nicht beleidigt ;-)
Viele Grüße