„Es war ein durchaus schmerzlicher Prozess“

Paderborn..  „Kunst braucht Freiheit“, sagt Prof. Dr. Stiegemann, Leiter des Diözesanmuseums in Paderborn. „Der Anschlag in Paris ist ein Angriff auf die Grundlagen unseres Demokratieverständnisses.“ Der Kunsthistoriker ist entsetzt über die barbarische Ermordung der Mitarbeiter in der Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“. „Jeder von uns ist betroffen. Wir sehen, wie sensibel diese Freiheit ist. Man kann sie nicht schützen.“ Es sei beeindruckend, dass weltweit die Menschen ihre Solidarität mit den Opfern bekunden würden. „Wir müssen deutlich machen, was auf dem Spiel steht und Flagge zeigen. Dass in Frankreich spontan Tausende auf die Straße gegangen sind, hat mir imponiert.“ Seine Sorge ist die wachsende Polarisierung der Gesellschaft. „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.“

Die aktuellen Ereignisse in der französischen Hauptstadt wühlen den 60-Jährigen auf. Die Gegenwart rückt die Frage in den Hintergrund, wie es die katholische Kirche gelernt hat, mit Kritikern und Karikaturen umzugehen, die sie ins Kreuzfeuer nimmt. Mal derbe, mal verletzend, mal verhöhnend. „Es war ein durchaus schmerzlicher Prozess“, sagt Stiegemann. „Bis zur Aufklärung war die Zensur ja an der Tagesordnung.“

Heute gehöre es zur Meinungsfreiheit, unliebsame Äußerungen oder Zeichnungen zu tolerieren. „Auch wenn es weh tut und man sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt.“ Stiegemann erinnert an die gerichtliche Auseinandersetzung um das Skandalbild „Christus am Kreuz mit Gasmaske“ aus dem Jahr 1928 vom deutsch-amerikanischen Maler und Karikaturisten George Grosz (1893-1959) mit dem Untertitel „Maul halten und weiter dienen“. Ein Kreuzzug durch fünf Instanzen, der mit einem Freispruch endete. „Das geht gegen jegliche Bevormundung.“