Erstes "Rock am Ring" bei Mendig war ein Auftakt mit Hürden

Campino, Frontmann der „Toten Hosen" beim „Entjungfern“ des neuen Rock-am Ring-Festivalgeländes in Mendig.
Campino, Frontmann der „Toten Hosen" beim „Entjungfern“ des neuen Rock-am Ring-Festivalgeländes in Mendig.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach dem Umzug vom Nürburgring nach Mendig in der Eifel lief beim Festival "Rock am Ring" am Wochenende noch nicht alles rund. 33 Verletzte bei Unwetter.

Mendig.. 30 Jahre nach seiner Gründung ist das Festival „Rock am Ring“ umgezogen – statt der Asphaltschleife Nürburgring ist nun der 30 Kilometer entfernte Flugplatz des Eifel-Örtchens Mendig Ort des phonstarken Rock-Gipfels. 90.000 Fans hatten bei der Premiere aber zunächst einmal anderes zu überstehen als Pogo-Wellen und Gitarren-Orkane: In der Nacht zum Festival-Samstag wurden 33 Menschen bei einem Gewitter durch Blitzeinschläge verletzt. Nach einer Unterbrechung des Programms wurde am Samstagnachmittag weitergefeiert.

Das neue Areal unweit der 9000-Einwohner-Gemeinde Mendig, auf dem früher Militärmaschinen abhoben, kommt bei den Fans nicht nur gut an: „Ich finde es schön“, sagt Yvonne aus der Oberpfalz, „es gibt nur zu wenig Schatten.“ Ein paar Meter weiter klagt Denise aus Bad Bentheim, man müsse Zelt und Gepäck weiter schleppen als früher: „Stressig!“ Ganz aus der Nähe kommt Melanie. Sie sagt: „Ich bin mit Rock am Ring am Nürburgring aufgewachsen. Da geht einfach nichts drüber.“

Aus drei Bühnen sind vier geworden beim neuen "Rock am Ring"

Gleich am ersten Abend sind die Ring-Veteranen von den Toten Hosen der Top Act. Am Ring rockte Campino einst mit gebrochenem Bein, nun ruft er den Fans zu: „Wo ihr seid, ist Rock am Ring – egal, auf welchem Gelände!“ Dann fordert er die johlenden Massen auf, das neue Areal zu entjungfern, was mit Hilfe von Sound, Bengalos und Nebel geschieht. Die Hosen spielten dazu nicht nur Hits, sondern auch einige ältere und teilweise schon fast vergessene Songs. Der beim Traditions-Finale mit „You’ll Never Walk Alone“ einsetzende Regen spülte denn auch Erinnerungen an die Schlammschlachten am Ring wieder hoch. Den Opening-Act am Freitag hatten die Donots absolviert – mit ein bisschen Hilfe von Gaststars wie Vom von den Hosen, Flo von den Sportfreunden Stiller und Sammy von den Broilers. Festival

In Mendig haust es sich dicht beieinander, vorbei sind hier die Zeiten langer Shuttlebus-Fahrten zu den Campingplätzen. Aus drei Bühnen sind vier geworden, zwei in Zelten. Auch der Horizont ist anders: Hier zeigt sich die Eifel flacher und weniger waldig als in der „Grünen Hölle“ der Nürburgring-Nordschleife. Und weil Mendig Teil der Vulkaneifel ist, heißen die Bühnen nun etwa Crater und Volcano – Krater und Vulkan. Zur sommerlichen Hitze passt das freilich gut.

Riesenjubel für Slash

Nach dem Gewitter gab’s dann am Samstag auch schwächere Auftritte wie den etwas autistischen von Interpole. Dafür sorgte dann Ex-Guns N‘ Roses-Gitarrero Slash mit Myles Kennedy & The Conspirators für ein erstes Tageshoch auf dem Applausometer. So hatten dann auch Kraftklub mit dem vierten Ring-Auftritt innerhalb von fünf Jahren leichtes Spiel.

Ob „Rock am Ring“ in Mendig bleibt? Es sieht derzeit nicht nach einer kurzen Stippvisite aus. Konzert-Riese Marek Lieberberg hat seinen Vertrag auf fünf Jahre abgeschlossen. Mit der Option auf eine Nachspielzeit von weiteren fünf Jahren.