Erlebnisraum

Das letzte Abenteuer des modernen Alltags wartet im Möbelhaus auf die Mutigen. Die Welt ist ja erforscht, selbst noch im hintersten Winkel des Planeten trifft man auf immer dieselbe Imbisskette und immer dieselben Verkäufer falscher Uhren. Nichts Neues unter der Sonne mehr. Vielleicht ist das ein Grund, warum das Möbelhaus an und für sich dicht bevölkert ist mit Bürgern, die sich nach einem Kick im Alltag sehnen.

Schlafzimmer auf den Sperrmüll

Lange Zeit habe ich die Beliebtheit solcher Einkaufstempel nicht begreifen können, man wirft doch nicht alle paar Jahre sein Schlafzimmer auf den Sperrmüll, was wollen so viele Leute also dort? Sie wollen staunen und träumen, das weiß ich wohl, seit ich selbst auf den Geschmack gekommen bin. Auch wer lediglich neue Bettbezüge aussuchen möchte, muss erst durch phantastische Wohnlandschaften. Um keinen Preis würde ich mir die Schrankwand Alabama oder die Anrichte Alt Ulm ins Haus holen. Trotzdem macht es Spaß, die geschmacklosesten und unpraktischsten Ideen der Möbelindustrie genüsslich unter die Lupe zu nehmen. Sieh an, der Flokati ist wieder da! Alleine für diese Erkenntnis hat sich die Fahrt schon gelohnt, auch wenn die Hausfrau mit den langhaarigen Gammelteppichen keine schönen hygienischen Erinnerungen verbindet.

Alles schön passend

Die meisten Leute möchten wohnen wie im Katalog: alle Möbel aus einem Material und aus einer Serie. Aber das klappt im Leben nicht. In der Regel wachsen Einrichtungen kunterbunt nach dem Zufallsprinzip. Irgendwas Geerbtes schmuggelt sich immer listig zwischen die teuer erkauften Vorzeigestücke, und manchmal mag man sich nicht trennen von scheußlichen Artefakten, weil mit ihnen Erinnerungen verbunden sind.

Darauf jetzt mal was zu trinken! Das Restaurant platzt wie üblich aus allen Nähten. Im Möbelhaus kriegt man längst viel mehr als nur Möbel. Es ist eine Kathedrale der Seinsvergewisserung. Hier weiß jeder, wo er hingehört, ob in die Chrom- und Leder-Fraktion oder in die Polster- und Naturholz-Ecke. Wenn man will, wird man sogar auf eine Lebensphilosophie eingenordet. Und man kann billiger frühstücken als Zuhause.

Vielleicht ist das ja des Rätsels Lösung. Der ganze Krempel, von dem man sich immer fragt, wer den denn bloß erwerben soll, wird in Wahrheit überhaupt nicht verkauft. Das Möbelhaus überlebt als gastronomischer Erlebnisraum.