Erlebnisfahrstuhl und Notfallversorgung

Schwerte..  Es war anfangs eine scheinbar irrwitzige Idee, doch sie entpuppte sich als ein wahrer Glückseinfall: Mehr als 80 000 Besucher haben im vergangenen Jahr den neuen Erlebnisfahrstuhl quer durch den Berg hinauf zur Burg Altena genommen; erhofft hatten die Stadtväter in ihren kühnsten Wünschen nur 48 000 Gäste.

Für Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein ist diese zwar hochsubventionierte und immer auch noch sehr teure Millionen-Investition eine nachhaltige Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung seiner demografisch und finanziell so gebeutelten Stadt. Im Rahmen der 5. Wertekonferenz in der Katholischen Akademie Schwerte stellte Hollstein sein Fahrstuhl-Projekt als ein Beispiel dafür vor, wie man mit einer Portion Mut aus der Not eine Tugend machen kann.

„Herausforderung Demografie: Gemeinsam den Wandel gestalten“ war die Wertekonferenz überschrieben, und anhand praktischer Beispiele und theoretischer Überlegungen suchten rund 80 Experten südwestfälischer Kommunen, Unternehmer und Kirchenvertreter nach möglichen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft.

Deutschland ist Schrumpfungsland

Prälat Dr. Peter Klasvogt stellte gleich zu Konferenzbeginn klar: „Es ist jetzt nicht mehr die Zeit, den Wandel schön zu reden; er kommt nicht irgendwann, wir sind schon mittendrin. Kein Land dieser Erde befindet sich noch im demografischen Gleichgewicht, aber Deutschland war das erste Schrumpfungsland weltweit - und dieser Abwärtstrend läuft bereits seit 100 Jahren.“

Der Bevölkerungsrückgang, vor allem auf dem Land, hat vielfältige Auswirkungen. Die Dörfer und kleineren Städte dünnen aus - Beispiel Altena - die kulturellen Angebote werden weniger und die medizinische Versorgung kann nicht mehr wie bisher aufrecht erhalten werden. Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster, verwies darauf, dass gegenwärtig noch 75 000 Menschen in Südwestfalen im Gesundheitswesen tätig sind - Tendenz auch hier deutlich sinkend: „Es muss uns gelingen, die jungen Menschen in der Region zu halten, und ohne eine zufriedenstellende medizinische Versorgung wird das schwierig.“

Notfälle haben keine Zeit

Schwierig nicht nur für die Patienten, sondern auch für die medizinischen Berufe selbst, denen die Mitarbeiter ausgehen. Mit dem Konzept des Klinikums Arnsberg will der Hochsauerlandkreis hier gegensteuern. Konzentriert auf drei Standorte und in enger Kooperation mit der Uniklinik Münster und weiteren regionalen Verbindungen, etwa nach Soest und Menden, soll die Versorgungssituation auf möglichst breiter Front gewährleistet werden. Werner Kemper, Sprecher des Geschäftsführung des Arnsberger Klinikums: „Für die notwendigen Veränderungen rechnen wir mit einem Kostenvolumen von 40 Millionen Euro in den nächsten Jahren. Bei aller Bereitschaft zum Delegieren sind wir uns aber auch darüber im Klaren, dass Notfälle immer möglichst vor Ort behandelt werden müssen, da ist der Zeitfaktor die mitentscheidende Einheit.“

Dass das Hochsauerland auch als Ferienregion besondere Ansprüche an das Gesundheitswesen stellt, wird schnell klar, wenn man sich vor Augen führt, dass hier häufig Sportarten wie Skifahren im Winter oder Biken im Sommer mit hoher Verletzungsgefahr von den Touristen ganz besonders favorisiert werden. Und denen muss eben auch im Ernstfall schnell und nah geholfen werden.

Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel bezeichnete sein Klinik-Modell denn auch als höchst innovativ: „Die Gesundheitsberufe wie auch die Bevölkerungszahlen im Hochsauerlandkreis sind rückläufig. Und dies, wo wir 21 wirtschaftliche Weltmarktführer haben. Gesundheit wird für uns alle zu einem zentralen Wert. Ob wir nun älter und damit häufiger krank werden oder ob wir jungen Familien eine berufliche wie medizinische Perspektive bieten müssen.“