Erdnussbutter hilft ausnahmsweise gegen Profikiller

„Regengötter“ ist seit zwölf Jahren der erste von James Lee Burkes vielen Romanen, der wieder auf Deutsch erscheint.
„Regengötter“ ist seit zwölf Jahren der erste von James Lee Burkes vielen Romanen, der wieder auf Deutsch erscheint.
Foto: ho
Was wir bereits wissen
James Lee Burkes erzählt in seinem neuen Roman „Regengötter“ die Geschichte eines alten Sheriffs , dessen Gegenspieler ein selbsternannter Racheengel ist.

Essen.. Sheriff Hack Hackleberry dürfen wir uns trotz seines Namens nicht als Witzfigur vorstellen. Sondern wie Clint Eastwood: ein großer, knochiger Mann „jenseits der Siebzig“, der sich allein dem grenzübergreifenden Verbrechen entgegenstellt. Seinen Job in dieser gottverlassenen Südwestecke von Texas, nahe der mexikanischen Grenze, hat er sich als eine Art Buße für all seine Lebenssünden auferlegt. Gerade jetzt muss er mit seiner Schaufel neun zerfetzte Frauenleichen ausbuddeln, die ein Bulldozer notdürftig verscharrt hatte.

Da ist offenbar ein großes Joint Venture in Zwangsprostitution und Rauschgiftschmuggel schief gelaufen, an dem mehrere Unternehmer und Investoren beteiligt waren. Manche fühlen sich jetzt zu kurz gekommen. Vor allem Collins, der mit seinem MG aus dem Zweiten Weltkrieg das Blutbad an der Grenze angerichtet hat, sich für einen gottgesandten Säuberungsengel hält und „Preacher“, also Prediger genannt werden will: Ein heimtückischer, völlig skrupelloser Auftragskiller mit religiösen Wahnvorstellungen – und nun Gegenspieler des wackeren Sheriffs.

Traumata der Amerikaner

Ein üblicher Thriller also und kaum der Rede wert? Das wäre ein Irrtum. Denn sein Autor, James Lee Burke, den wir uns wiederum wie Hack Hackleberry vorstellen dürfen, ist ein Erzähler von Rang, auch wenn das bei uns nie so richtig durchdrang. Er hat einen weiten epischen Atem, lässt sich Zeit für Abschweifungen und erzählt seine Geschichte in einem mehrfachen Rahmen. Da ist eine grandiose und furchterregende Natur, da ist die ewige Frage, wie das Böse in die Welt gekommen sei, und da ist nicht zuletzt die amerikanische Geschichte.

Krimi Viele seiner Figuren leiden unter schweren Kriegsschäden, vom Sheriff, der vor einem halben Jahrhundert im Koreakrieg gefoltert wurde und vielleicht seine Kameraden verriet, bis zum jungen Pete, dessen Wunden aus Afghanistan noch kaum verheilt sind. Der amerikanische Traum, diese Botschaft ist überdeutlich, ist ausgehöhlt von den Traumata der Amerikaner. Oder der amerikanischen Männer?

Denn es sind mutige Frauen, die dem bösen Treiben ein Ende setzen. Vor allem Esther, die auf ihre Weise der Namenspatronin aus dem Alten Testament folgt, als sie den mörderischen Prediger, der neben seinem Mutterkomplex auch eine seltene Allergie hat, mit Cookies und peanut butter erledigt. Ein Hoch auf die amerikanische Hausfrau!

Und dies zum Schluss: „Regengötter“ ist seit zwölf Jahren der erste von Burkes vielen Romanen, der wieder auf Deutsch erscheint. Wir bitten dringend um Nachschub!