Eine Terror-Zelle in Amsterdam

Hagen..  Wenn der renommierte Hamburger Verlag Hoffmann und Campe einen Kriminalroman in sein Programm aufnimmt, dann darf der Leser sehr zuversichtlich sein, dass es sich dann dabei auch um ein gutes Stück Qualitätsarbeit handelt.

Ganz in diesem erwarteten Sinne weiß tatsächlich der Krimi „Das Büro der einsamen Toten“ zu überzeugen. Als Autor ist der Name Britta Bolt ausgeflaggt, und dahinter verbirgt sich das versierte Duo Britta Böhler und Rodney Bolt. Letzterer hat sich bereits einen Namen als Reisejournalist und Biograf gemacht, Britta Böhler ist hauptberuflich eine international renommierte Jura-Professorin an der Universität von Amsterdam.

Klug durchdachte Geschichte

Derart akademisch vorgebildet präsentiert sich „der erste Fall für Pieter Posthumus“, wie es in der Titelunterzeile heißt, als klug durchdachtes und wohlkomponiertes Literaturangebot.

Der vielleicht auf den ersten Blick etwas bemüht erscheinende Name „Posthumus“ für den neuen Krimi-Helden relativiert sich sehr schnell und sehr sympathisch während der Lektüre.

Beim „Büro der einsamen Toten“ handelt es sich um eine fiktive Abteilung der Amsterdamer Stadtverwaltung, die sich um anonyme Todesfälle kümmert und dabei Beerdigung und Erbschaftsfragen abwickelt. Pieter Posthumus (der Begriff Posthumus bezeichnet eigentlich einen Sohn, der erst nach dem Tod des eigenen Vaters zur Welt kommt) arbeitet in dieser Abteilung, und weil er seine Tätigkeit besonders ernst nimmt, gerät er immer wieder nicht nur in kritischen Zeitverzug, sondern auch in erhebliche Schwierigkeiten mannigfacher Art.

Als besonders heikel erweist sich nun der mysteriöse Tod eines Marokkaners im weiteren Umfeld einer terroristischen Zelle mitten in Amsterdam. Ebenso behutsam wie kenntnisreich folgt der Roman den anfänglichen Spuren. Parallel zur polizeilichen Aufklärungsarbeit erhellt sich nach und nach die politisch-kriminelle Szene vor dem Hintergrund niederländischer Besonderheiten.

Aktuelle Polit-Brisanz

Pieter Posthumus wird im Rahmen der Ermittlungen zum Stellvertreter gutmenschlichen Denkens. Abseits von verhängnisvollen Vorverurteilungen werden hier religiöse und familiäre Bedingungen von Migranten in einer fremden und nicht selten feindlichen Umgebung gespiegelt, ohne die latente Gefahr des Terrorismus zu verharmlosen.

Britta Bolt:

Das Büro der einsamen Toten.

Der erste Fall für

Pieter Posthumus.

Hoffmann u. Campe Verlag

380 S., 20 Euro