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Eine Taube macht noch keinen Casting-Erfolg

03.11.2009 | 08:10 Uhr
Eine Taube macht noch keinen Casting-Erfolg

Bochum. Jedermänner und Jederfrauen zwischen Lebensbeichten, Größenwahn und Lagerfeuer-Romantik: Frank Abt bringt seine "Superstars" auf die Bühne der Bochumer Kammerspiele.

Es ist der Abend, an dem die Möchtegern-Superstars im Fernsehen vor Millionenpublikum in ein Planschbecken zum Schlammcatchen steigen, beispielsweise. Im Bochumer Schauspielhaus hat Frank Abt zur selben Zeit seine „Superstars” auf die Bühne der Kammerspiele geschickt. Was kann man erwarten von so einem Abend? Eine süffisante, medienkritische Abrechnung mit der Vermarktung pausbäckiger Handy-Verkäufer samt ihrer Tenor-Träume und anderer Spielarten televisionärer Menschenausbeutung?

Ein Momentchen Ruhm

Abt, der zuletzt mit seinem „Nokia”-Projekt zum Niedergang des Bochumer Handy-Werkes reüssierte, präsentiert uns stattdessen Figuren, die im TV-Gewerbe schon wieder so unnormal normal anmuten, dass ein Dieter Bohlen keine 50 Sekunden Sendezeit an sie verschwendet hätte. Abt gibt ihnen lange Monologe.

Da ist der Brieftaubenvater aus dem Pott (amüsant ohne Ruhrfolklore: Cornelius Schwalm), der ausführlich über seine Liebe zur Reisetaube referiert. Da ist die Nachwuchsschauspielerin (Jele Brückner), die mit Anfang 30 immer noch auf ihre Entdeckung wartet. Da ist die Ärztin (Stephanie Schadeweg) und ihre anrührende Geschichte vom demenzkranken Herrn B. Da ist der vom Glück betrogene Betrüger (Marco Massafra), der aus Liebe Geld in der Firma hinterzogen hat. Da ist der Musiker und seine weggetrunkene Angst vorm Versagen (Torsten Kindermann). Lauter Jedermänner und -frauen und ihre Sehnsucht nach einem Momentchen Ruhm.

Wie schon bei Nokia hat Abt aus Interviews eine Realitäts-Collage verdichtet, die vom Leben „in der Casting-Republik Deutschland” erzählen soll. Sie erzählt dann aber nur von den gängigen Klischess und ein paar leidlich originellen, gleichwohl intensiv gespielten Kunstfiguren, die ihre melancholischen Geschichten zu stimmungsvollen Lagerfeuer-Liedern anstimmen.

Trotz Längen donnernder Uraufführungs-Applaus. Wie sich das halt gehört für Superstars.

Martina Schürmann

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