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Interview

"Eine Karte gibt es alle 41 Jahre"

30.12.2012 | 18:58 Uhr
"Eine Karte gibt es alle 41 Jahre"
Begehrte Plätze: Wer ins Neujahrskonzert möchte, braucht bis zu 940 Euro und Glück bei der Kartenverlosung.

Wien.  „Eine gewisse Gerechtigkeit“: Reinhard Öhlberger, Fagott, ist bei Wiens Philharmonikern für die Kartenvergabe zuständig. Er rät Säuglingen, sich schonmal zu bewerben, damit sie pünktlich zur Midlife-Crisis ins Neujahrskonzert können.

Professor Reinhard Öhlberger ist nicht nur Fagottist der Wiener Philharmoniker. Seit 31 Jahren bekleidet er dort auch das heikle Amt des Kartenverwalters, Neujahrskonzert inklusive. Lars von der Gönna sprach mit ihm über die Tickets, die zu den begehrtesten Konzertkarten der Klassik-Welt zählen.

Wie viele Menschen bewerben sich jährlich um Karten?

Reinhard Öhlberger: Für die drei Termine (Neujahrskonzert, Silvesterkonzert, Voraufführung) sind aktuell 252 577 Karten (128 851 + 73 708 + 50 018) bestellt worden, also ein absoluter Hype. Vergleichen Sie das bitte mit der Grundkapazität des Saales: 1 748 Sitzplätze plus 300 Stehplätze.

Was wissen Sie über die Nationalitäten der Besucher?

Öhlberger: Ganz vorn liegen Spanien, Österreich, Deutschland und Italien. Dann kommen Großbritannien und Polen, als nächstes Frankreich, Rumänien, die USA und Japan. Wir hatten auch einzelne Registrierungen von den Bermudas (4), aus Grönland (3), Färöer (1), Vietnam (1). Vor zwei Jahren kam eine Registrierung aus Afghanistan – ein österreichischer Offizier aus Kundus.

Wie lange wartet man?

Reinhard Öhlberger.Foto: Horak

Öhlberger: Nehmen wir den Aktualstand von 250 000 Karten. Wir haben somit 2048 mal drei: 6144 Plätze. Das bedeutete also eine durchschnittliche Losbedienung für jeden alle 40,69 Jahre. Säuglinge, aufgepasst, bitte gleich mitmachen, damit zur Midlife-Crisis dann endlich Neujahrskonzertkarten vorrätig sind! Da wir die Karten verlosen, ist auch das freilich Glückssache, also mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht direkt kombinierbar.

Versucht mancher, schneller an die Reihe zu kommen?

Öhlberger: Die E-Mail-Bewerbung schafft eine gewisse demokratische Gerechtigkeit. Es gibt freilich allemal Bestellbriefe von Institutionen, von auch gar wichtigen öffentlichen und privaten Einrichtungen, Ministerien, Ämtern, Handelsgremien, die vermeinen hier unbedingt und leicht­händig beteilt werden zu müssen. Ebenso gibt es aber auch die Herzenswünsche von privaten Musikbegeisterten angeführt. Es sind beeindruckende Zeugnisse darunter, wie sehr Menschen die positive Aufbaukraft der Musik im Neujahrskonzert schätzen. Einen Brief aus Leipzig muss ich noch erwähnen. Da ging es ums Abschiedsgeschenk zur Scheidung.

  • Kartenbewerbungen für das Neujahrskonzert 2014 sind vom 2. bis 23. Januar 2013 unter www.wienerphilharmoniker.at möglich.

Lars von der Gönna


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